Tag 34 II: auf See 

Ich stehe neben der Brücke der Aranui 5 und wir steuern mit 13,2 Knoten auf Kurs 70 Grad Ost-Nordost die Insel Fakarava an. Seemann Roger und Chefnavigator Guillaume beantworten bereitwillig meine tausend und eine Frage, während sie lässig rauchend im Wind stehen und die Gischt an uns vorüberfliegt. „Komm mit auf die Brücke, schau Dich um“ ruft Guillaume mir zu „aber nichts anfassen!“ Seemänner und Offiziere in Shorts und Flip Flops sind mir ein ungemein sympathischer Anblick!
Wir haben 1380 Tonnen Cargo geladen, 205 Passagiere inkl. des Lektors Terry Hunt und seiner Studenten, 100 Mann Besatzung, insgesamt 305 Seelen an Bord. Die See ist ruhig, aber wir schaukeln doch merklich und der Fahrtwind bläst mir kräftig um die Nase. Links, oder besser gesagt Backbord, geht gleich die Sonne unter und zu meiner Rechten steht der volle Mond schon hoch am Himmel.

Wir sind in illustrer Gesellschaft. Viele Australier, Amis, auch Engländer und sehr viele Franzosen, klar. Auf Besuch in den Kolonien. Unter den deutsch sprechenden Gästen scheinen besonders viele Schweizer zu sein. Ich sehe Damen mit eleganten Hüten (falsches Boot?) und mein geschulter Blick sortiert auch gleich die anstrengenden ‚ich-reise-viel-und-weiß-alles‘ Paare aus, mit denen ich ein gemeinsames Dinner zu vermeiden gedenke. Diese jenigen, die mit hochgezogenen Augenbrauen an der Schlange vor der noch verschlossenen Tür zum Mittagessen vorbeigehen, sich wissend zulächeln und dabei missbilligend den Kopf schütteln. Ich sage es ja nur ungern, aber natürlich sind das Deutsche. [Korrigiere, meine vermeintlich Deutschen sprechen breitestes Aussie-Englisch 🤣🤣🤣]

Beim hervorragenden Mittagessen lernen wir Case und Eva aus Sydney kennen und haben bei einer Flasche Bordeaux eine Menge Spass zusammen. Eva kennt die Sage vom Rattenfänger besser als ich und Case und Abi liegen voll auf einer Wellenlänge. Case interessiert, wie wir Deutsche über den Brexit denken und Abi holt aus, ‚Well,… (…)‘

Inzwischen bin ich zum Pooldeck gewechselt und hier findet gerade ein Tanzkurs für polynesische Rhythmen statt. Das hat jetzt ein bisschen was von Dirty Dancing, aber es zwingt mich ja keiner, mitzumachen.

Noch gar nicht gesprochen habe ich von Jörg, dem deutschen Reiseleiter, der einen riesig guten ersten Eindruck auf uns macht. Er kann mit Leuten umgehen, weiß was er tut und wovon er spricht, sieht blendend aus und man muss ihn einfach mögen. Ich merke, dass er liebt, was er tut aber es ist natürlich auch ein Segen, es an einem Ort wie diesem mit 3000 Gästen pro Jahr statt pro Reise zu tun zu haben.
Morgen auf der Insel soll es ein Internet-Café geben. Dann wollen wir mal sehen, ob ich diesen Beitrag und ein paar Bilder durch die Leitung werde schieben können! WLAN kostet 50 Euro für 500 MB, das ist mir eigentlich zu teuer und ich versuche erst einmal, so klar zu kommen. (Für’s gute Gewissen, versteht sich. Ich kenne mich. In drei Tagen ist mir das herzlich gleichgültig. Wetten?) 🤣

Update aus dem Internetcafe:

Keine Bilder, tut mir leid – Netz zu dünne….und das ist wirklich tragisch, weil es hier so unfassbar schön ist! Ich liefere nach, versprochen!!!

 

 

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