Wo die Kamera die Landschaft streichelt

Still ruht das Boot auf dem Okavango-Fluss, diesem mächtigen Strom, der im Staub der Kalahari versandet. Es knackt im Geäst. Meine Kamera ist startbereit und ich warte. Es plätschert vernehmlich, als ein Elefant sich vor unseren Augen ins Wasser begibt und gemächlich ans andere Ufer watet, wo das Gras heute vermeintlich eine Idee besser schmeckt.

Der weite Weg ins Delta durch das staubtrockene Savuti, einer zum Chobe Nationalpark gehörenden Region, ist eine Tagesreise mit den LandCruisern. Wind, Sand und Sonne brennen auf der Haut. Mund und Hals sind schon lange trocken. Aber wer mag Wasser ohne Kohlensäure? Ich jedenfalls nicht.

Der Driver Guide Max geht in die Eisen. „Kann ich mal Dein Fernglas haben?“ Ich reiche es ihm. „Da hinten sind Löwen!“ Ich schaue konzentriert in die angezeigte Richtung, doch ich sehe gar nichts. Mit viel Mühe mache ich später den Umriss eines liegenden Tieres aus. Das müssen 400 Meter sein! Immer wieder bewundere ich aufs neue, wie die Jungs am Steuer bei voller Fahrt den Horizont mit ihren geübten Augen scannen und wie nebenbei Raubtiere aufspüren. Sie lesen die Wildnis wie ein Buch. Frische Spuren im Sand und bestimmte Vögel in den Bäumen sind ihnen wertvolle Hinweise, ein komplexer Code, der uns Gästen verborgen ist und der uns staunen lässt.

Vier Tage sind es in Moremi, dem Nationalpark im Okavangodelta. Davon zwei im Busch und zwei auf einer 700 x 200 Meter langen Insel. Die Umgebung gehört den wilden Tieren. Karin und Helga erzählen am Morgen, dass sie im Zeltcamp ob der vielen Geräusche kaum in den Schlaf gekommen sind und sich ein bisschen gegruselt haben. Um schließlich Ruhe zu finden, hatten sie beschlossen die Reißverschlüsse des Hauszelts auf Stelzen mit einem Schloss zu versehen. Damit die Affen nicht hineinkommen. Das finde ich zum Piepen komisch und kichere beim Frühstück in mich hinein. Camp Manager GG zeigt uns all die Tatzenspuren im Camp und schließlich eine große Kuhle. „Hier haben sie geschlafen!“ „Wer?“ frage ich. „Die Hyänen!“ Oha. Gehört habe ich sie zweifellos, aber dass sie hier im Camp ihr Unwesen treiben ist ein interessanter Gedanke. „No King, no King, lala lala laaala“, denke ich, und mache mir noch einen Kaffee.

Xobega Island ist ein kleines Paradies. Ich lache mich schlapp, als eine Meerkatze wie Graf Koks im Sessel der offenen Lounge thront und mich mustert. Noch bevor ich ihn verscheuchen kann, sucht der Affe das Weite. Dafür kommt jetzt ein Elefant den Trampelpfad hinunter, der zu meinem Zelt führt. Das muss Santos sein, der Haus- und Hofelefant, der gerne Gäste jagt. Es sind tatsächlich viele Elefanten hier und ich tue gut daran, einfach sitzen zu bleiben und das Tier nicht zu stören. Gemächlich schreitet er an mir vorbei ins Wasser und zieht von Dannen.

Mit den Speedbooten cruisen wir umher, beobachten Vögel und Flusspferde und genießen frisch gemixte Drinks zum Sonnenuntergang, der die afrikanische Wildnis in dunkelrotes Licht taucht, was blauer und blauer wird und schließlich ganz erlischt. Tausende Sterne erhellen stattdessen die Nacht und Grillen übernehmen vorübergehend die Rolle des DJs von den einheimischen Vögeln.

Monika spricht mich beim Dinner an. „Mein Zelt war geöffnet, stell dir vor, die Affen haben meinen rechten Schuh gestohlen!“ Das ist deshalb besonders unglücklich, weil orthopädische Einlagen drin waren. Aber wir finden den Schuh auch am kommenden Morgen nicht wieder. „Vielleicht hat der Affe ja auch einen Fersensporn!“ feixt Monika und ich stimme ein. Über Karin, Helga und ihr Schloss schmunzele ich aber besser nicht mehr. Naja. Nur ein bisschen vielleicht.

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