Blue Swan 2020

Letzter Abend
“Here’s to you, das ist der BLUE SWAN 2020!” Ich reiche die Gläser aus unserer kleinen Kombüse an Deck. “Das ist Austrinken mit Stil!” Meine Bestandsaufnahme für den Abend ergibt Reste von Aperol und Gin, ziemlich viel Tonic und Fruchtsaft, Prosecco und literweise Milch. Gut, letztere kann ich nicht dazu kippen, aber aus den anderen Zutaten kreiere ich einen Cocktail, den ich nach unserem Boot benenne: Fruchtsaft, 2 cl Gin, ein Schuss Prosecco, ein Schuss Aperol, auffüllen mit Tonic und abrunden mit einem Spritzer frischen Safts einer selbst gepflückten Limette. Schmeckt!

Den ganzen Tag haben sich Schauer und dichte Wolken abgewechselt aber meine treue Wetter-App, die mir schon auf so vielen Gruppenreisen verlässlich gute Dienste geleistet hat, sagt einen sonnigen Abend voraus. Der Rest der Crew ist skeptisch. “Wartet es ab!”, sage ich. „Um 18 Uhr scheint die Sonne!“ In der Hoffnung darauf, dass ich richtig liege, steuern wir eine Bucht mit Aussicht nach Westen an und irgendwann nach 17 Uhr reißt der Himmel tatsächlich auf. Im strahlenden, warmen Sonnenschein tanzen wir ausgelassen an Deck, froh über dieses Geschenk eines unvergesslichen letzten Abends.

“Hab ich doch gesagt!”, klugscheiße ich rum. “Es scheint, als wollte die Sonne dir nicht widersprechen!”, sagt Peter und grinst mich an. Ich grinse zurück: “Genau. Das traut die sich nicht!” Weiterlesen „Blue Swan 2020“

Deko

Dienstag. „Und welche Aufgabe soll ich übernehmen“?, fragt David, als Linda und ich mit der Kamera und dem SUP-Bord ins Wasser gehen, um unser schönes Schiff vom Meer aus zu fotografieren. „Du bist die Deko!“, gibt Linda zurück und grinst.
Wir liegen in einem kleinen Hafen vor Anker und die Sonne ist zurück. Zu zweit auf dem Bord zu stehen ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit aber wir kommen klar und machen unsere Bilder mit David an der Reling. Der hat echt den passenden Namen!

Einen Tag zuvor, Montag
„Und ich Blödmanns-Gehilfe habe die SD-Karte für die GoPro zu Hause vergessen!“, ärgert sich David. Das hätte sicher gute Aufnahmen am Mast gegeben! Der angekündigte Wetterumschwung bringt uns bei 5 Windstärken mit mehr als 8 Knoten nach Paxos. Wir brausen in ziemlicher Schräglage, aber bei Sonnenschein, über die Wellen und segeln sportlich am Wind. Anfangs finde ich das noch richtig witzig. Als die Wellentäler immer tiefer werden wird es dem armen Laines aber zu viel und er ruft tapfer nach einer Tüte. DAS wiederum gibt auch mir den Rest. Soeben gelingt es mir noch zu beherzigen, dass man nie gegen den Wind spucken soll. Also springe ich hinüber nach Steuerbord, das regelmäßig unter die Wasserlinie fällt und lasse mich von Andreas am Schlafittchen festhalten, während ich mein Frühstück verabschiede. „Das ist Full-Service-Kotzen!“, ruft er mir aufmunternd zu. Beam me up, Scotty! Ich gehöre eindeutig ins Team der Schönwettersegler. Hätte ich mir ja irgendwie denken können. Ich kann ja nicht einmal im Musikexpress fahren und bei meinen bisherigen Segeltörns hatte ich irgendwie immer Glück mit dem Wetter. Weiterlesen „Deko“

Hellas

“Dann guck Dir halt das Elend an!”, sagt der beinahe neunjährige Laines, schiebt die Blende hoch, schaut mich bedauernd an und zuckt mit den Schultern.

Condorflug DE 1612 ist startklar und – wie immer – verfluche ich innerlich den Tag, an dem ich gebucht habe. Meine Flugangst (starten!) ist etwas lästig und übrigens auch wenig kompatibel mit meinem Job. Aber dies ist Urlaub – Segeln im Ionischen Meer rund um Korfu mit guten Freunden. Herrlich!
Ich bedanke mich trocken für den Zuspruch und erkläre dem aufgeweckten Burschen, dass die Sonnenblenden bei Start und Landung immer hochgeschoben sein müssen. „Warum?“, kommt die unweigerlich folgende Frage aller Neunjährigen dieser Galaxie wie aus der Pistole geschossen, und jetzt bin ich es, die mit den Schultern zuckt. „Keine Ahnung, Laini, aber warte ab, gleich kommt die Durchsage dazu. Das sagen sie immer!“

Uuuuund Schub.

Zwei Tage später
Als ich die Augen öffne, blicke ich durch die Dachluke meiner Koje auf ein Sternbild, das aussieht wie ein Drachen. Es ist das erste was ich heute sehe und es ist wunderschön. Ganz sanft schaukelt das Boot in der Bucht einer unbewohnten vorgelagerten Insel an der Südspitze von Korfu, wo wir gestern spätnachmittags festgemacht haben. Würden die Sterne nicht so hell erstrahlen, dann wäre es stockfinster. Es ist so friedlich und klar, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass heute noch dieser enorme Sturm aufzieht, der seit Tagen angesagt ist und uns ein wenig Sorgen macht. Bei 7-8 Windstärken und Gewitter müssen wir auf jeden Fall für die Nacht einen Hafen aufsuchen. Aber so konnte es ja auch nicht weitergehen! Weiterlesen „Hellas“

Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei

„Widerlicher Typ!“, meint Linda, und wie so oft liegt sie mit ihrem Urteil richtig. Sie braucht in der Regel nicht mehr als 10 Sekunden um Menschen grob einzuordnen.

Wir nehmen unsere Plätze im Dreamliner nach Addis Abeba ein. In der Business Class steigt leider das Gäste-Benehmen nicht linear mit dem Komfort.

Unser spezieller Freund im Polo Ralph Lauren-Shirt hält nichts von Mundschutz und setzt sich auf der ersten Teilstrecke unserer Heimreise zu allem Überfluss auch noch direkt hinter uns (während der Rest der Plätze, einschließlich seinem, frei bleibt) um die ganzen vier Stunden mit einem grau gelockten Amerikaner in Hawaiihemd, Shorts und Plastikschühchen zu plaudern. Während ich mich noch frage, ob das wirklich sein muss, nickt Linda bereits weg.

In Addis motzt der Ami das Bodenpersonal an, weil er seine Schuhe beim Körperscanner nicht ausziehen will und in der Schlange zum Flieger nach Deutschland steht POLOHEMD plötzlich hinter uns, wiederum ohne einen Mundschutz zu tragen. Linda fordert ihn auf, sich in geschlossenen Räumen korrekt zu verhalten, aber der Yuppie gibt eine arrogante Antwort und tut, was er vermutlich in solchen Situationen immer tut, nämlich gar nichts. So ein Gockel! Weiterlesen „Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei“

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt

Es ist fünf Uhr in der Früh und der Wind pfeift um die Maasai Boma, die mein Zimmer ist. Wir sind wieder am Western Kili angekommen, wo unsere Reise vor zwei Wochen begann. Im schwachen Licht des Neumonds kann ich vom Bett aus schemenhaft den Kilimandscharo sehen, denn die Schneekappe leuchtet mit den Sternen um die Wette. Und ich erinnere mich, wie ich vor mehr als 30 Jahren mit meinem Vater zu Hause vor dem großen Atlas mit den goldenen Seiten sitze und er mir erklärt, dass es in Afrika einen Berg gibt, der so hoch ist, dass es dort schneit. Vielleicht war das der Moment, wo es um mich geschehen war? Die Stunde Null meiner Faszination für Afrika?

„Was erzählst Du Menschen, die sich für Tansania interessieren? Warum Tansania?“, fragt mich der Reporter von ITV Tanzania zum Abschluss eines langen Interviews in Momella im Arusha Nationalpark. Ich muss kurz überlegen, weil ich doch schon so viel in so viele Mikrofone gequasselt habe in den vergangenen 24 Stunden. Weiterlesen „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“

So fangen lustige Geschichten an!

Womit soll ich nur beginnen? Vielleicht hiermit. Es ist rat-tig kalt. Nach einem perfekten Dinner am Lagerfeuer und einem Glas vorzüglichem Chenin Blanc habe ich es mir inzwischen in unserem komfortablen Hauszelt gemütlich gemacht, das ich mit Linda teile. Eine gute Fee hat während des Abendessens eine Wärmflasche ins Bett gelegt, wie nett! “Amerikanische Gäste wollen immer schriftlich bestätigt bekommen, dass die Unterkünfte klimatisiert sind!”, sagt Corina und lacht schelmisch, als sie ergänzt: „Ich schreibe dann gerne zurück, dass ich dafür sorge, dass es, wo nötig, Zentralheizung und Wärmflaschen gibt!” Afrika verbinden wir gedanklich immer mit Hitze, aber hier im Hochland von Serengeti und ganz besonders Ngorongoro wird es um diese Jahreszeit bitterkalt, um jetzt nicht empfindlich kalt zu sagen (meine Gäste aus dem November letzten Jahres können ein Lied davon singen), sobald die Sonne untergeht.

Zurück im Hier und Jetzt weiß ich noch immer nicht, wo ich beginnen soll. Wir waren am Klein’s Gate, einem Zugang im Nordosten der Serengeti, die ersten einfahrenden ausländischen Gäste seit drei Monaten und wir haben in drei Tagen Serengeti nicht ein einziges anderes Fahrzeug mit Touristen getroffen. Einige Einheimische waren unterwegs, Studenten in großen Bussen, Volontäre, Lodgebesitzer auf dem Weg zu ihren Camps, das „Serengeti live Show“-Filmteam treffen wir mehrfach. Aber andere Gäste? Nicht ein Fahrzeug. Nicht ein einziges! Für uns ist es natürlich cool, wir haben alle Raubkatzen-Sichtungen für uns alleine und treffen im Visitor Center und am Picknickplatz nicht eine andere Nase. “Allein, allein….”, trällert Linda. Wie wahr: wir sind allein! Weiterlesen „So fangen lustige Geschichten an!“

Go West

Donnerstag, 18.6.

6 Stunden dauert die Fahrt vom Lake Natron bis in die Serengeti üblicherweise. Weil wir wieder tausend-und-einmal zum fotografieren anhalten brauchen wir über 7 Stunden für die Strecke. Armer Wilson!
Also, hier muss man wirklich wissen, wo man lang muss. Mitten in der Pampa, im Nirgendwo, kreuzen sich zwei, ja, wie soll man das nennen? Straßen?? Sagen wir: Pisten! Wilson steigt heute x-mal aus, begutachtet die vor uns liegenden vom vielen Wasser geschaffenen tiefen Furchen in den schlammigen Wegen, nimmt Maß, legt den Donkey-Gang ein und setzt den LandCruiser gekonnt über alle Klippen. Genauso oft erschweren Hindernisse auf vier Beinen unsere Fahrt. Anfangs waren es Esel, Ziegen oder Kühe, die die Straßen blockiert haben, später innerhalb der Serengeti dann Zebras und Gnus.

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Zum Sterben schön

Mittwoch, 17.6.

„Maren!“
„mmhm?“
„Kannst Du mal das Fenster zumachen?“
Es ist 5 Uhr. Morgens! Ich bin schnell wach und breche in brüllendes Gelächter aus. Später am Tag erzählt Corina, dass sie von diesem Moment an dann auch wach war – Nachbarzimmer! Linda meinte es gut mit mir, weil es wie Hechtsuppe ins Zimmer hineinzog und mein Bett dicht am Fenster steht. Warum sie allerdings nicht selber aufgestanden ist, um es zu schließen, sondern es vorzog, mich zu wecken, dafür fehlt es zu dieser frühen Stunde an plausiblen Erklärugsversuchen und der Tag beginnt, wie er später enden wird: Mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Weiterlesen „Zum Sterben schön“

Die Sendung mit der Maus

„Mit euch zu reisen ist, wie DIE SENDUNG MIT DER MAUS zu gucken!“, sagt Linda spöttisch-charmant von der hinteren Reihe, während wir die steinige Straße zum Natronsee entlang holpern. Sie kennt von diesem wundervollen Kontinent, den wir bereisen, bisher nur Namibia und ist fasziniert von der grundverschiedenen Landschaft hier im Rift Valley. „Wie heißt dieser Berg? Schau, so ein schöner Vogel! Gibt es hier…?“ Egal, wie die Fragen lauten, Linda erhält Antwort, denn wir alle, die ihre Reisegesellschaft bilden, sind da quasi in unserem Element. Andreas ist von Haus aus Archäologe und Ägyptologe und arbeitet als Reiseleiter für Studiosus, hauptsächlich in Zypern und Botswana. Corina lebt seit Jahren in Tansania und hat Gruppen in aller Welt geführt, vor allem im Orient. Wilson spricht und versteht gut Deutsch und ist ein wandelndes Lexikon für Tansanias Tier-, Pflanzen- und Bergwelt. Naja, und ich kenne zwar nicht jeden Piepmatz beim Vornamen, aber habe über die Jahre leidlich gute Spotter-Qualitäten entwickelt. Weiterlesen „Die Sendung mit der Maus“

Ohhhhh! Mzungu!

Eigentlich kann ich jetzt abreisen!“, sage ich zu Linda. „Zebras gesehen, Kilimandscharo gesehen…ich bin ab jetzt wunschlos glücklich!“
Also, nicht ganz wunschlos, dieses klemmende N auf dem MacBook nervt mich 😉

Nach der Landung und einer Mütze voll Schlaf haben wir einen traumhaften Vormittag auf der Maasai Lodge verbracht und bei einer Wanderung die jahreszeitlich bedingte Blütenpracht in der Maasaisteppe und den Blick auf den Kilimandscharo genossen. Der höchste frei stehende Berg der Welt ist scheu und versteckt sich tagsüber oft unter dicken Wolken. Für uns hat er sich immer mal wieder für wenige Sekunden gezeigt und friedlich grasende Zebras bildeten den perfekten Vordergrund. Ich bin hingerissen von so viel Schönheit. Wir marschieren also über Stock und Stein, als Guide Joshua, seines Zeichens Maasai und äußerst kundig, uns auffordert, stehen zu bleiben und uns ruhig zu verhalten. „Puff Otter!“, sagt er. Ich sehe sie direkt vor mir im Gras. „Wenn sie Dich beißt, hast Du noch 10 Minuten!“. OK. „Ich überlege mir jetzt erst einmal, was ich Euch in 10 Minuten so alles auftragen muss!“, bemerkt Linda trocken. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir überleben das. Weiterlesen „Ohhhhh! Mzungu!“

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