Herzlichen Glückwunsch!

Ich bedanke mich herzlich für ganz unglaubliche 1880 Euro!
Das bedeutet für nicht weniger als drei zusätzliche Kinder, dass sie nun ein weiteres Jahr zur Schule gehen können. Was für ein Lohn für ein bißchen Reisetagebuch! Und alle Spender haben sich heute selbst beschenkt.

Und wer gewinnt das Gemälde?
Ich habe mit geschlossenen Augen gelost: Das Bild von MASOUD aus Stone Town gewinnt FRANK HEINEMANN. Herzlichen Glückwunsch, ich melde mich zwecks Auswahl noch persönlich.

Alles Liebe und Gute allerseits und auf bald. Wenn alles klappt, dann melde ich mich wieder im Herbst aus einer meiner absoluten Lieblingsstädte und im weiteren Reiseverlauf aus einer ziemlich coolen Wüste!
Ihre
Maren Brenneke


Epilog & Dank

Epilog 
Tag 18, 10.2.2021 

„Na los, komm schon, ich will es jetzt wissen!“ sage ich zu Stefan, der augenblicklich das Antigen-Tester-Set auspackt. Wir sind in Frankfurt gelandet und warten auf die Bahn. Stefan prokelt mir im Hals herum, genau wie die Dame im offiziellen Testzentrum CENTOGENE wenige Minuten zuvor. „Jetzt 15 Minuten warten“, sagt er. Ich gehe erstmal zu Rewe, brauche etwas Frisches. Einen schönen Salat mit Artischocken vielleicht, dazu ein bißchen Feta… Nach 10 Minuten ist es bereits eindeutig. C wie CLEAR. Ich habe es immer gewusst. 

FAQ
Mich erreichte eine Reihe wiederkehrender Fragen, die vielleicht von allgemeinem Interesse sind: 

Weiterlesen „Epilog & Dank“

1001 Nacht

Tag 16/17, 8./9.2.2021
Ort: Stone Town
o/n: Tembo Hotel 

Die müssen verrückt sein! Die ziehen das SAUTI za BUZARA durch, Afrikas größtes Musikfestival mit Bands vom ganzen Kontinent, eigentlich ein fantastisches Spektakel voller gut gelaunter Menschen und fremdartiger Rhythmen, das zu erleben mir schon zweimal vergönnt war. Der Aufbau ist schon beinahe abgeschlossen, in zwei Tagen geht’s los. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen soll die EU Hauptsponsor sein. Ob das wohl stimmt? 

„Maren, aber die Flugzeuge kommen seit August!“, entgegnet Stadtführer Saloum mit ernstem Gesichtsausdruck, als ich ihn vorsichtig vor zu viel Nähe zu Touristen warne. Zur Einreise nach Tansania sind keinerlei Negativ-Tests vorgeschrieben und ich bezweifele, dass die Mehrheit der Gäste sich freiwillig vorab testen lässt. Erst recht dann nicht, wenn man das Risiko eines positiven Befundes nicht gegen Reiserücktritt versichern kann. Bei uns in Deutschland geht das inzwischen, zum Glück! Nun, mehrmals die Woche landen hier also bis zu vier Vollcharter-Maschinen täglich aus Russland, wo eine geschäftstüchtige Agentur mit den Zanzibaris lukrative Geschäfte macht, sehr zur Freude beider. Ich muss ein bißchen schmunzeln und erinnere mich an den Film-Klassiker MAN SPRICHT DEUTSCH, der unsere typisch deutschen Reise-Idiosynkrasien so herrlich auf die Schippe nahm. Aber Klischees erfüllen können andere auch: Sie sind einfach nicht zu übersehen, man erkennt sie an Hot Pants und blondierten Pferdeschwänzen unterm Cappy in der Altstadt, wo sie in Horden vor dem Freddy-Mercury-Museum Schlange stehen. Tja. Ich kann nur fotografieren, was ich sehe, und ich kann nur beschreiben, was ist. 

Weiterlesen „1001 Nacht“

Ngilondoloze

Tag 13-15, 5.-7.2.2021
Ort: Jambiani, Sansibar 
o/n: Kipepeo Lodge 

Mitten in der Nacht schrecke ich hoch, weil mir eine fette Ladung Gischt ins Gesicht spritzt. Es schifft, blitzt und donnert und die Palmenwipfel vor meiner kleinen Dachterrasse, wo ich die Nacht verbringe, biegen sich wütend im pfeifenden Sturm. Für einen Augenblick wähne ich mich auf einer mittelalterlichen Kogge auf dem Weg in die Neue Welt. Alles dreht sich. So viel Wein war das doch gar nicht gestern Abend! 

Nach unserer ereignisreichen Safari sind wir inzwischen gut auf der Koralleninsel Sansibar gelandet, die im Moment zum Hotspot aller Spacken dieser Welt avanciert. Goa ist zu, Bali ist zu, Philippinen sind zu, Thailand ist zu – also alles twende Zanzibar? Scheint so! Zum Glück war ich vorab über die Situation im Bilde und habe eine private Villa für uns gebucht. So einfach es auf Safari auch ist, Kontakte zu vermeiden, so anstrengend ist es in einem Strandhotel, wenn die Mehrheit der anderen Gäste auf die Coronaregeln pfeift. Was laufen hier für irre Gestalten im sonst so beschaulichen Jambiani herum? Ungläubig schauen Corina und ich uns an. Hier ist wirklich alles dabei: Glatzen in Muskelshirts und weißen Turnschuhen mit Panzer-Tattoo auf dem Oberkörper feiern gemeinsam mit Hippies in Batik-Hosen und Joint im Mundwinkel, während die Zanzibaris kopfschüttelnd aber geschäftstüchtig für flüssigen Nachschub sorgen. Ich bin heilfroh, dass die Beachbars in jede Richtung mindestens 500 Meter von unserem Refugium entfernt liegen, weit genug, um mich tags wie nachts vor den Klängen von Schrabbelmusik und Gebrüll zu verschonen. Ich höre nur die Wellen und den Wind, jetzt zur Sekunde gerade fortissimo! Was für ein Sturm! Ich bin echt klatschnass. 

Nachdem wir gestern gelandet waren hatten wir zunächst unser dringlichstes Problem namens TONIC WATER zu lösen. Es sei auf der ganzen Insel ausverkauft, so heißt es.

Zum Glück treiben wir in einer abgerockten Kaschemme am Straßenrand noch fünf Liter auf. Jetzt noch ein paar Flaschen Weißwein, ein paar mehr Flaschen Kilimandscharo-Bier, natürlich Konyagi – so heißt der lokale Gin – etwas Campari, und die Abende sind gerettet. Es ist sehr heiß auf der Insel und das klimatisierte Auto, das uns an die Ostküste bringt, ist ein gerade kürzlich deutlich vermisster Luxus. „Wilson, can you please put on the AirCon?“ hatte ihn einst ein Gast gebeten. Haha!
Corina, die vorausgeflogen war und uns am Flughafen abholt, hat frische Litischis besorgt. „Die Schale aufbeißen, dann auslutschen und die Reste wirft man hier auf der Insel einfach aus dem Fenster, die holen sich die Vögel.“ Kein Getränk könnte gerade erfrischender sein als diese liebe Aufmerksamkeit! Mirko kurbelt später das Fenster herunter, guckt mich schief an und tut, wie ihm geheißen. „Wie die Asis!“ Er grinst. „Echt“, stimme ich voller Unbehagen zu und gucke mich nochmal um. Aber niemand schimpft erhobenen Zeigefingers mit uns. Hakuna shida. 

Weiterlesen „Ngilondoloze“

Serengeti

Tag 11/12, 3./4.2.2021
Ort: Seronera, Serengeti 
o/n: Thorntree Camp  

>Monikawestphal folgt Dir jetzt<

„Ich wusste gar nicht, dass Du bei Instagram bist!“ 
„War ich auch nicht. Bis eben gerade.“
„Bis eben gerade?“
„Ja. Klar. Habe gerade ein Konto eingerichtet. Glaubste, ich kann das nicht?“ 

Sagen wir es so: Ich traue ihr inzwischen alles zu. Unsere Grande Dame in der Runde ist Mitte Siebzig, erst vor wenigen Monaten am Knie operiert und stemmt hier bislang alle Strapazen, ohne sich auch nur ein einziges Mal zu beklagen. Ein kritischer Blick auf ihr angeschwollenes Knie verrät, dass sie eigentlich sehr wohl Schmerzen haben muss. Natürlich gehen wir hier in unserer so harmonischen Truppe achtsam miteinander um, aber die Tage sind lang und die Wegstrecken ruckelig, da muss man durch, es hilft nichts. Das gilt auch für mich und meinen entzündeten Hals, genauso wie für den armen Stefan und seine von der gleißenden Sonne und vom salzigen Staub Ndutus übelst aufgesprungenen Lippen. Allen Wanderern steckt außerdem die fordernde Hochlandtour in den Knochen, vielleicht mit Ausnahme von Jörg. Der muss irgendwo versteckt Duracel-Batterien verbaut haben, ich sehe bei Gelegenheit mal nach 😉
Monikas abendliche Campfeuer-Geschichten aus ihrem ereignisreichen Leben faszinieren mich. Vor mir sitzt eine waschechte Vorreiterin der Frauen-Emanzipation. „Mein späterer Mann war hartnäckig, wollte mich unbedingt heiraten. Ich hätte damals noch unterschreiben müssen, dass ich ihm gehorche, das war zu der Zeit so üblich. Habe ich abgelehnt und bin erstmal ein Jahr in die USA gegangen, habe mir Arbeit gesucht und das Land angesehen. In den Sechzigern war das. Als ich zurückkam, konnte ich seinem Werben nicht länger widerstehen und habe zugestimmt, aber auf einen Zusatzvertrag bestanden, der regelte, dass ich nicht gehorchen muss!“ 
Kaum zu glauben, dass die Handlung dieser Geschichte nur eine Generation zurückliegt. Aber es läßt mich hoffen, dass schon die nächste Generation sich nicht mehr wird vorstellen können, dass Schwule nicht mit Fußball spielen dürfen. Wouldn’t that be nice? 

Serengeti. Wer kennt die dreiteilige ZDF-Doku, die in zweierlei Perspektiven, nämlich einmal aus Sicht eines Geiers und einmal aus Sicht eines Pavians erzählt? Es ist eine Terra X-Produktion und sie lief zufällig gerade in der Wiederholung auf ZDFneo. Wer’s noch nicht gesehen hat – dringende Empfehlung. Es ist wirklich etwas ganz Besonderes. 

Weiterlesen „Serengeti“

Ein Gnukalb namens Helmut

Tag 9/10, 1./2.2.2021
Ort: Ndutu
o/n: Acacia Camp 

„Jetzt schlüpft es!“ ruft Mirko aufgeregt und er behält recht. Bei Mirko „schlüpfen“ alle Tiere, ob nun aus dem Ei oder nicht. Und wie sehr er sich das vor Abreise gewünscht hatte, eine Geburt miterleben zu dürfen! „Mission accomplished!“ kann ich da nur sagen. 

Es ist wieder einmal früher Morgen in Afrika und wir juckeln schon seit einer guten Stunde über die Makao-Plains, eine Grasebene der Region Ndutu im Ngorongoro-Schutzgebiet. Hier haben Wilson und Karim die Herden der großen Tierwanderung aufgetrieben und es sind heute Morgen Hunderttausende Tiere, die wir kreuzen, wenn nicht mehr. Egal, wie weit wir fahren, bis zum Horizont und weiter, immer weiter sieht man nichts als schwarze Punkte. Alles Gnus. Vereinzelt mischen sich Zebras und Thomson-Gazellen unters Volk. Weitere Protagonisten des Tages sind Hyänen, Geier und viele Störche. „Ist doch klar, dass die Klapperstörche hier sind, wo alle paar Minuten ein neues Lebewesen das Licht der Welt erblickt“, gibt Philipp zum Besten. Und so ist es. Die meisten Kälbchen fallen in Sekundenschnelle aus der Mama, die dafür kaum das Grasen ruhen lässt. Zum Glück muss ich mir nicht mit ansehen wie ein Raubtier zuschlägt und einen frischen Happen vertilgt! Und auch die Männer um mich herum sind insgeheim froh, dass uns solche Szenen heute erspart bleiben. Natürlich ist es der große Traum vieler Hobby-Fotografen und -Filmemacher, einmal im Leben eine erfolgreiche Jagdszene in freier Wildbahn zwischen Großkatze und Beutetier einfangen zu dürfen. Aber bitte nicht heute, bitte nicht hier in diesem riesigen Kinderzimmer voller staksiger Gnukälber. Und bitte nicht vor meiner Nase. 

Weiterlesen „Ein Gnukalb namens Helmut“

Feuerspucken für Anfänger

Tag 8, 31.1.2021
Ort: Ngorongogokrater – Ndutu
o/n: Rhino Lodge 

„Sieht aus wie Antilopen-Pipi“, bemerkt Mirko und zieht ein Gesicht. Auch, wenn ich auf dem Gebiet keine Expertin bin, kann ich nur zustimmen. Es sieht seltsam undurchsichtig-gelblich-braun aus, was da in meiner Tasse ist. Meine afrikanischen Freunde meinen es gut mit mir und haben einheimische Medizin zubereiten lassen. Ich hatte es schon befürchtet: In dieser erbärmlich kalten Nacht in Nainokanoka zu Beginn unserer Wanderung habe ich mich erkältet. Die Halsschmerzen heute Morgen habe ich in Ermangelung probaterer Mittel versucht, mit Whiskey wegzugurgeln (keine gute Idee) und mich dann mit Aspirin Komplex aus Monikas Zaubertasche über den Tag gerettet. „Damit hast du mich in Botswana mal durchgebracht, seitdem fehlt es nie in meiner Reiseapotheke!“ Puh. Glück gehabt, denn selber bin ich dieses Mal irgendwie schlecht ausgestattet. Das kommt davon, wenn man zu viel Zeit zum Packen hat.

Todesmutig setze ich das Gebräu an den Mund und nehme einen Schluck. „Das ist für Drachen!!“ kommentiere ich entrüstet und kann mir nicht vorstellen, die ganze Tasse auszutrinken. Schmeckt, als habe jemand statt Zucker einen Löffel gemahlenen Pfeffer untergerührt. Ist auch genau das Richtige für meine aufgesprungenen Lippen 🤪

Der Tag begann gegen sechs Uhr standesgemäß mit einem Sonnenaufgang über dem Ngorongorokrater. Um das zu erleben, muss man zehn vor sechs in der Rhino Lodge los oder um sechs ab Serena/Pakulala/Simba II. Dann ist man zu jeder Jahreszeit (Äquator!) pünktlich am richtigen Ort für den best möglichen Ausblick, wenn der Himmel sich verfärbt und die Sonne emporsteigt. Das Tor in den Krater an der Seneto-Descent-Road öffnet um 6:30 Uhr. Und so war das heute: 

Außer einer sechs-Jeep-Kolonne mit russischen Gästen sind erwartungsgemäß wieder nur wenige Menschen unterwegs. Mit WIFI ON BORD wirbt die Agentur dieser bis auf den letzten Platz vollbesetzten Safari-Fahrzeuge, in denen ich vorwiegend schlafende oder daddelnde Leute erspähe. Netflix im Krater? Andererseits, diese völlig verrückten „Tansania-in-drei-Tagen“-Packages können auch viele deutsche Kollegen gut, da wird den ahnungslosen Gästen mit attraktiven Preisen jeder noch so große Müll angedreht. Hätte ich heute Morgen von Arusha aus anreisen müssen, dann würde ich jetzt vermutlich auch einnicken. 

Weiterlesen „Feuerspucken für Anfänger“

Ngorongoro Highlands

Tag 5-7, 28.-30.1.2021
Ort: Nainokanoka – Empaakai
o/n: special Campsites

Das Feuer vor meinem Zelt lodert unterm Vollmond und spendet vor allem beißenden Rauch. Ich liege dick eingemümmelt im Schlafsack und friere hier auf 2300 Meter in den Ngorongoro Highlands. Da hilft auch kein Whiskey. “Empfindlich kalt!” denke ich, und muss in Erinnerung an die Reise nach Südtansania vor gut einem Jahr ein bisschen schmunzeln. Hier und heute trifft diese Beschreibung jedenfalls zu. 

Wir gehen ein Teilstück der fünftägigen Hochlandwanderung, die eigentlich vom Lemala-Gate bis Ngare Sero am Lake Natron führt. Für uns geht’s von Nainokanoka zum Warm-up auf den Olmoti und dann in zwei Tagesetappen nach Bulati und zum Empaakai-Krater. Schon morgens in Mto wa Mbu am Lake Manyara waren uns Koch Ben und Fahrer Steven begegnet, als sie ihre Lebensmittel-Einkäufe erledigt hatten und mit dem vollgepackten Begleitfahrzeug vorausgefahren waren, um unser Quartier für die Nacht zu errichten. Da kommt so einiges an Geraffel zusammen: Wir schlafen hier in komfortablen Igluzelten und auf bequemen Schaumstoffmatrazen. Luxus eigentlich, wie auch das leckere Abendessen an Tisch und Stühlen, heute bestehend aus einer wärmenden Gemüsesuppe und einem zweitem Gang aus gebackenen Kartoffeln mit frischem Avocadosalat und Gemüse in Kokossauce. Einfach toll, was Ben hier mitten im nirgendwo auf einem Campingkocher zaubern kann! 

Ändert aber alles nichts daran, dass ich später in meinem Schlafsack mit den Zähnen klappere. Schicht um Schicht ziehe ich Stunde für Stunde über und ich schätze es ist beinahe fünf Uhr morgens, als ich endlich einschlafe. Der verhältnismäßig kurze Spaziergang hoch auf den Kraterrand des Olmoti und hinein bis zum Wasserfall des Munge-Flusses, der in den berühmten Ngorongorokrater mündet, konnte mich heute anscheinend nicht genügend ermüden, um der Kälte zu trotzen. 

Der Duft von Kaffee lockt mich nur zwei Stunden später aus den klammen Federn. Schlafen wird überbewertet! Mühsam entblättere ich wiederum Schicht um Schicht und bin dankbar für die Schüssel mit dampfend heißem Wasser zum Waschen, die ein guter Geist im Gras vor meinem Zelt frisch aufgefüllt hat. Die Sonne scheint zum Glück schon warm vom wolkenlosen Himmel herab und Ben ist bereits fleißig dabei, das Frühstück anzurichten. Es gibt Pfannkuchen mit Marmelade, Rührei, frisches Obst und Cornflakes. Ich schüttele die Kälte der Nacht ab und der starke Kaffee weckt endgültig neue Lebensgeister in mir. 

Ob Philipp sehr unter meinem Hörbuch gelitten habe, frage ich ihn latent schuldbewusst, aber eigentlich in der festen Annahme, dass man im Nachbarzelt unmöglich etwas davon mitbekommen konnte. Zum Einschlafen kann ich keine Kopfhörer an mir haben und stelle den Ton immer auf 1, also die leiseste Stufe. Normalerweise bin ich in zehn Minuten weg. Vergangene Nacht habe ich wieder und wieder 30 Minuten zugefügt und es kam mir unheimlich laut vor in dieser totalen Stille der Wildnis, die jegliche Zivilisationsgeräusche vermissen lässt. „Nicht sehr“, antwortet der viel zu freundliche Schweizer zu meinem Erstaunen und ich schäme mich ein bißchen, dass ich ihn also doch gestört und somit gleichfalls um den Schlaf gebracht habe. „Warum hast Du nicht mit mir geschimpft?“ frage ich zerknirscht. „Ach, wenn es zu schlimm gewesen wäre, dann hätte ich Dich gebeten, das letzte Kapitel nochmal zu wiederholen, damit ich wenigstens weiß, worum es geht. Ich konnte so oder so nicht schlafen. Also mach Dir keinen Kopf.“ Er lächelt mich an. Wie kann man in dieser Situation lächeln? Ich bin sicher, wäre ich an seiner Stelle, ich hätte nicht wenig Lust verspürt, die Nervensäge nebenan zu erschlagen… 

Weiterlesen „Ngorongoro Highlands“

Daladala in Hannover

Tag 4, 27.1.2021
Ort: Manyara
o/n: Rift Valley Lodge

Auf geht’s. Die Safarifahrzeuge sind vollgetankt, unser Gepäck verstaut, und vor uns liegen neun Tage voller Abenteuer in der Wildnis. Als wir uns von unseren Gastgebern im Blues&Chutney verabschieden ist mir etwas mulmig zumute. Wann kann ich zurückkehren zu diesem Ort, der mir wie kein anderer ein zweites Zuhause ist? Und, wird es noch dasselbe sein? „Ich weiß nicht, ob ich dich wiedersehe, Maren“, sagt Whitness leise zum Abschied. Bisher sind wir als Reiseveranstalter und Agentur alle gemeinsam irgendwie zurecht gekommen, aber ein weiteres Jahr ohne eine Mindestanzahl an Gästen kann auch Kilaweni nicht ohne Freistellungen überstehen. „Ich muss mir zumindest vorübergehend irgendeine andere Arbeit suchen, ich muss Geld verdienen.“ Ich weiß. Es ist zum verzweifeln. Wegen Corona kann ich unsere treue Fee, die über die Jahre so viele Gäste mit ihrer Kochkunst und ihrer Freundlichkeit zum Start einer jeden Safari verzaubert hat, zum Abschied nicht einmal in den Arm nehmen, und es zerreißt mich beinahe innerlich. Mach’s gut, liebe Whiti! Mögen wir in einem Jahr über unsere Sorgen von heute lachen, zurück an die Arbeit gehen und unsere Plätze als Rädchen in den Reisen unserer Gäste wieder einnehmen.

Auch Karim, ein großer Schatz und diesmal mein Safariguide, braucht keine zwei Kilometer, bis er mich zum ersten Mal fragt, wie es weitergeht. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung vieler guter Menschen hatten wir die drückende Sorge vor der von allen Mitarbeitern hier mit Schrecken erwarteten Januar-Rechnung über die Schulgebühren genommen, indem wir bezahlt haben, was sie einfach nicht selber bezahlen konnten. Dass das nicht für immer so weitergehen kann, ist dabei jedem klar. Ich muss meinen Kopf frei kriegen und die schweren Gedanken hinter mir lassen, wenn ich auf dieser Safari Ruhe und Frieden finden will, und ich beschließe, das Thema mit einem Scherz zu beenden: „Siehst du das Daladala da vorne, Karim?“ So nennt man die kleinen Sammelbusse hier, die auf festen Linien den öffentlichen Personennahverkehr abdecken. Er nickt. „Wir verkaufen nicht nur Reisen nach Tansania, wir betreiben auch Daladalas in Hannover. Die sehen nur ein bißchen anders aus, aber der Sinn ist derselbe. Wir sind breit aufgestellt. WIR überstehen das, wir kommen da durch und dann, wenn es wieder losgeht, dann wirst Du Dich nicht retten können vor Aufträgen von uns!“

Er lächelt mich warm an und gibt Gas. Und ich wünschte, ich könnte die Zuversicht, die ich mit fester Stimme gespendet habe, auch selber teilen.

„Wie heißt Deine Tochter? Shazam? Wie die App?“ Karim grinst. „Ja, jetzt acht Monate alt. Sie ist sehr süß.“ Weiterlesen „Daladala in Hannover“

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑