Ngilondoloze

Tag 13-15, 5.-7.2.2021
Ort: Jambiani, Sansibar 
o/n: Kipepeo Lodge 

Mitten in der Nacht schrecke ich hoch, weil mir eine fette Ladung Gischt ins Gesicht spritzt. Es schifft, blitzt und donnert und die Palmenwipfel vor meiner kleinen Dachterrasse, wo ich die Nacht verbringe, biegen sich wütend im pfeifenden Sturm. Für einen Augenblick wähne ich mich auf einer mittelalterlichen Kogge auf dem Weg in die Neue Welt. Alles dreht sich. So viel Wein war das doch gar nicht gestern Abend! 

Nach unserer ereignisreichen Safari sind wir inzwischen gut auf der Koralleninsel Sansibar gelandet, die im Moment zum Hotspot aller Spacken dieser Welt avanciert. Goa ist zu, Bali ist zu, Philippinen sind zu, Thailand ist zu – also alles twende Zanzibar? Scheint so! Zum Glück war ich vorab über die Situation im Bilde und habe eine private Villa für uns gebucht. So einfach es auf Safari auch ist, Kontakte zu vermeiden, so anstrengend ist es in einem Strandhotel, wenn die Mehrheit der anderen Gäste auf die Coronaregeln pfeift. Was laufen hier für irre Gestalten im sonst so beschaulichen Jambiani herum? Ungläubig schauen Corina und ich uns an. Hier ist wirklich alles dabei: Glatzen in Muskelshirts und weißen Turnschuhen mit Panzer-Tattoo auf dem Oberkörper feiern gemeinsam mit Hippies in Batik-Hosen und Joint im Mundwinkel, während die Zanzibaris kopfschüttelnd aber geschäftstüchtig für flüssigen Nachschub sorgen. Ich bin heilfroh, dass die Beachbars in jede Richtung mindestens 500 Meter von unserem Refugium entfernt liegen, weit genug, um mich tags wie nachts vor den Klängen von Schrabbelmusik und Gebrüll zu verschonen. Ich höre nur die Wellen und den Wind, jetzt zur Sekunde gerade fortissimo! Was für ein Sturm! Ich bin echt klatschnass. 

Nachdem wir gestern gelandet waren hatten wir zunächst unser dringlichstes Problem namens TONIC WATER zu lösen. Es sei auf der ganzen Insel ausverkauft, so heißt es.

Zum Glück treiben wir in einer abgerockten Kaschemme am Straßenrand noch fünf Liter auf. Jetzt noch ein paar Flaschen Weißwein, ein paar mehr Flaschen Kilimandscharo-Bier, natürlich Konyagi – so heißt der lokale Gin – etwas Campari, und die Abende sind gerettet. Es ist sehr heiß auf der Insel und das klimatisierte Auto, das uns an die Ostküste bringt, ist ein gerade kürzlich deutlich vermisster Luxus. „Wilson, can you please put on the AirCon?“ hatte ihn einst ein Gast gebeten. Haha!
Corina, die vorausgeflogen war und uns am Flughafen abholt, hat frische Litischis besorgt. „Die Schale aufbeißen, dann auslutschen und die Reste wirft man hier auf der Insel einfach aus dem Fenster, die holen sich die Vögel.“ Kein Getränk könnte gerade erfrischender sein als diese liebe Aufmerksamkeit! Mirko kurbelt später das Fenster herunter, guckt mich schief an und tut, wie ihm geheißen. „Wie die Asis!“ Er grinst. „Echt“, stimme ich voller Unbehagen zu und gucke mich nochmal um. Aber niemand schimpft erhobenen Zeigefingers mit uns. Hakuna shida. 

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Ein Gnukalb namens Helmut

Tag 9/10, 1./2.2.2021
Ort: Ndutu
o/n: Acacia Camp 

„Jetzt schlüpft es!“ ruft Mirko aufgeregt und er behält recht. Bei Mirko „schlüpfen“ alle Tiere, ob nun aus dem Ei oder nicht. Und wie sehr er sich das vor Abreise gewünscht hatte, eine Geburt miterleben zu dürfen! „Mission accomplished!“ kann ich da nur sagen. 

Es ist wieder einmal früher Morgen in Afrika und wir juckeln schon seit einer guten Stunde über die Makao-Plains, eine Grasebene der Region Ndutu im Ngorongoro-Schutzgebiet. Hier haben Wilson und Karim die Herden der großen Tierwanderung aufgetrieben und es sind heute Morgen Hunderttausende Tiere, die wir kreuzen, wenn nicht mehr. Egal, wie weit wir fahren, bis zum Horizont und weiter, immer weiter sieht man nichts als schwarze Punkte. Alles Gnus. Vereinzelt mischen sich Zebras und Thomson-Gazellen unters Volk. Weitere Protagonisten des Tages sind Hyänen, Geier und viele Störche. „Ist doch klar, dass die Klapperstörche hier sind, wo alle paar Minuten ein neues Lebewesen das Licht der Welt erblickt“, gibt Philipp zum Besten. Und so ist es. Die meisten Kälbchen fallen in Sekundenschnelle aus der Mama, die dafür kaum das Grasen ruhen lässt. Zum Glück muss ich mir nicht mit ansehen wie ein Raubtier zuschlägt und einen frischen Happen vertilgt! Und auch die Männer um mich herum sind insgeheim froh, dass uns solche Szenen heute erspart bleiben. Natürlich ist es der große Traum vieler Hobby-Fotografen und -Filmemacher, einmal im Leben eine erfolgreiche Jagdszene in freier Wildbahn zwischen Großkatze und Beutetier einfangen zu dürfen. Aber bitte nicht heute, bitte nicht hier in diesem riesigen Kinderzimmer voller staksiger Gnukälber. Und bitte nicht vor meiner Nase. 

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Feuerspucken für Anfänger

Tag 8, 31.1.2021
Ort: Ngorongogokrater – Ndutu
o/n: Rhino Lodge 

„Sieht aus wie Antilopen-Pipi“, bemerkt Mirko und zieht ein Gesicht. Auch, wenn ich auf dem Gebiet keine Expertin bin, kann ich nur zustimmen. Es sieht seltsam undurchsichtig-gelblich-braun aus, was da in meiner Tasse ist. Meine afrikanischen Freunde meinen es gut mit mir und haben einheimische Medizin zubereiten lassen. Ich hatte es schon befürchtet: In dieser erbärmlich kalten Nacht in Nainokanoka zu Beginn unserer Wanderung habe ich mich erkältet. Die Halsschmerzen heute Morgen habe ich in Ermangelung probaterer Mittel versucht, mit Whiskey wegzugurgeln (keine gute Idee) und mich dann mit Aspirin Komplex aus Monikas Zaubertasche über den Tag gerettet. „Damit hast du mich in Botswana mal durchgebracht, seitdem fehlt es nie in meiner Reiseapotheke!“ Puh. Glück gehabt, denn selber bin ich dieses Mal irgendwie schlecht ausgestattet. Das kommt davon, wenn man zu viel Zeit zum Packen hat.

Todesmutig setze ich das Gebräu an den Mund und nehme einen Schluck. „Das ist für Drachen!!“ kommentiere ich entrüstet und kann mir nicht vorstellen, die ganze Tasse auszutrinken. Schmeckt, als habe jemand statt Zucker einen Löffel gemahlenen Pfeffer untergerührt. Ist auch genau das Richtige für meine aufgesprungenen Lippen 🤪

Der Tag begann gegen sechs Uhr standesgemäß mit einem Sonnenaufgang über dem Ngorongorokrater. Um das zu erleben, muss man zehn vor sechs in der Rhino Lodge los oder um sechs ab Serena/Pakulala/Simba II. Dann ist man zu jeder Jahreszeit (Äquator!) pünktlich am richtigen Ort für den best möglichen Ausblick, wenn der Himmel sich verfärbt und die Sonne emporsteigt. Das Tor in den Krater an der Seneto-Descent-Road öffnet um 6:30 Uhr. Und so war das heute: 

Außer einer sechs-Jeep-Kolonne mit russischen Gästen sind erwartungsgemäß wieder nur wenige Menschen unterwegs. Mit WIFI ON BORD wirbt die Agentur dieser bis auf den letzten Platz vollbesetzten Safari-Fahrzeuge, in denen ich vorwiegend schlafende oder daddelnde Leute erspähe. Netflix im Krater? Andererseits, diese völlig verrückten „Tansania-in-drei-Tagen“-Packages können auch viele deutsche Kollegen gut, da wird den ahnungslosen Gästen mit attraktiven Preisen jeder noch so große Müll angedreht. Hätte ich heute Morgen von Arusha aus anreisen müssen, dann würde ich jetzt vermutlich auch einnicken. 

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Ngorongoro Highlands

Tag 5-7, 28.-30.1.2021
Ort: Nainokanoka – Empaakai
o/n: special Campsites

Das Feuer vor meinem Zelt lodert unterm Vollmond und spendet vor allem beißenden Rauch. Ich liege dick eingemümmelt im Schlafsack und friere hier auf 2300 Meter in den Ngorongoro Highlands. Da hilft auch kein Whiskey. “Empfindlich kalt!” denke ich, und muss in Erinnerung an die Reise nach Südtansania vor gut einem Jahr ein bisschen schmunzeln. Hier und heute trifft diese Beschreibung jedenfalls zu. 

Wir gehen ein Teilstück der fünftägigen Hochlandwanderung, die eigentlich vom Lemala-Gate bis Ngare Sero am Lake Natron führt. Für uns geht’s von Nainokanoka zum Warm-up auf den Olmoti und dann in zwei Tagesetappen nach Bulati und zum Empaakai-Krater. Schon morgens in Mto wa Mbu am Lake Manyara waren uns Koch Ben und Fahrer Steven begegnet, als sie ihre Lebensmittel-Einkäufe erledigt hatten und mit dem vollgepackten Begleitfahrzeug vorausgefahren waren, um unser Quartier für die Nacht zu errichten. Da kommt so einiges an Geraffel zusammen: Wir schlafen hier in komfortablen Igluzelten und auf bequemen Schaumstoffmatrazen. Luxus eigentlich, wie auch das leckere Abendessen an Tisch und Stühlen, heute bestehend aus einer wärmenden Gemüsesuppe und einem zweitem Gang aus gebackenen Kartoffeln mit frischem Avocadosalat und Gemüse in Kokossauce. Einfach toll, was Ben hier mitten im nirgendwo auf einem Campingkocher zaubern kann! 

Ändert aber alles nichts daran, dass ich später in meinem Schlafsack mit den Zähnen klappere. Schicht um Schicht ziehe ich Stunde für Stunde über und ich schätze es ist beinahe fünf Uhr morgens, als ich endlich einschlafe. Der verhältnismäßig kurze Spaziergang hoch auf den Kraterrand des Olmoti und hinein bis zum Wasserfall des Munge-Flusses, der in den berühmten Ngorongorokrater mündet, konnte mich heute anscheinend nicht genügend ermüden, um der Kälte zu trotzen. 

Der Duft von Kaffee lockt mich nur zwei Stunden später aus den klammen Federn. Schlafen wird überbewertet! Mühsam entblättere ich wiederum Schicht um Schicht und bin dankbar für die Schüssel mit dampfend heißem Wasser zum Waschen, die ein guter Geist im Gras vor meinem Zelt frisch aufgefüllt hat. Die Sonne scheint zum Glück schon warm vom wolkenlosen Himmel herab und Ben ist bereits fleißig dabei, das Frühstück anzurichten. Es gibt Pfannkuchen mit Marmelade, Rührei, frisches Obst und Cornflakes. Ich schüttele die Kälte der Nacht ab und der starke Kaffee weckt endgültig neue Lebensgeister in mir. 

Ob Philipp sehr unter meinem Hörbuch gelitten habe, frage ich ihn latent schuldbewusst, aber eigentlich in der festen Annahme, dass man im Nachbarzelt unmöglich etwas davon mitbekommen konnte. Zum Einschlafen kann ich keine Kopfhörer an mir haben und stelle den Ton immer auf 1, also die leiseste Stufe. Normalerweise bin ich in zehn Minuten weg. Vergangene Nacht habe ich wieder und wieder 30 Minuten zugefügt und es kam mir unheimlich laut vor in dieser totalen Stille der Wildnis, die jegliche Zivilisationsgeräusche vermissen lässt. „Nicht sehr“, antwortet der viel zu freundliche Schweizer zu meinem Erstaunen und ich schäme mich ein bißchen, dass ich ihn also doch gestört und somit gleichfalls um den Schlaf gebracht habe. „Warum hast Du nicht mit mir geschimpft?“ frage ich zerknirscht. „Ach, wenn es zu schlimm gewesen wäre, dann hätte ich Dich gebeten, das letzte Kapitel nochmal zu wiederholen, damit ich wenigstens weiß, worum es geht. Ich konnte so oder so nicht schlafen. Also mach Dir keinen Kopf.“ Er lächelt mich an. Wie kann man in dieser Situation lächeln? Ich bin sicher, wäre ich an seiner Stelle, ich hätte nicht wenig Lust verspürt, die Nervensäge nebenan zu erschlagen… 

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Daladala in Hannover

Tag 4, 27.1.2021
Ort: Manyara
o/n: Rift Valley Lodge

Auf geht’s. Die Safarifahrzeuge sind vollgetankt, unser Gepäck verstaut, und vor uns liegen neun Tage voller Abenteuer in der Wildnis. Als wir uns von unseren Gastgebern im Blues&Chutney verabschieden ist mir etwas mulmig zumute. Wann kann ich zurückkehren zu diesem Ort, der mir wie kein anderer ein zweites Zuhause ist? Und, wird es noch dasselbe sein? „Ich weiß nicht, ob ich dich wiedersehe, Maren“, sagt Whitness leise zum Abschied. Bisher sind wir als Reiseveranstalter und Agentur alle gemeinsam irgendwie zurecht gekommen, aber ein weiteres Jahr ohne eine Mindestanzahl an Gästen kann auch Kilaweni nicht ohne Freistellungen überstehen. „Ich muss mir zumindest vorübergehend irgendeine andere Arbeit suchen, ich muss Geld verdienen.“ Ich weiß. Es ist zum verzweifeln. Wegen Corona kann ich unsere treue Fee, die über die Jahre so viele Gäste mit ihrer Kochkunst und ihrer Freundlichkeit zum Start einer jeden Safari verzaubert hat, zum Abschied nicht einmal in den Arm nehmen, und es zerreißt mich beinahe innerlich. Mach’s gut, liebe Whiti! Mögen wir in einem Jahr über unsere Sorgen von heute lachen, zurück an die Arbeit gehen und unsere Plätze als Rädchen in den Reisen unserer Gäste wieder einnehmen.

Auch Karim, ein großer Schatz und diesmal mein Safariguide, braucht keine zwei Kilometer, bis er mich zum ersten Mal fragt, wie es weitergeht. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung vieler guter Menschen hatten wir die drückende Sorge vor der von allen Mitarbeitern hier mit Schrecken erwarteten Januar-Rechnung über die Schulgebühren genommen, indem wir bezahlt haben, was sie einfach nicht selber bezahlen konnten. Dass das nicht für immer so weitergehen kann, ist dabei jedem klar. Ich muss meinen Kopf frei kriegen und die schweren Gedanken hinter mir lassen, wenn ich auf dieser Safari Ruhe und Frieden finden will, und ich beschließe, das Thema mit einem Scherz zu beenden: „Siehst du das Daladala da vorne, Karim?“ So nennt man die kleinen Sammelbusse hier, die auf festen Linien den öffentlichen Personennahverkehr abdecken. Er nickt. „Wir verkaufen nicht nur Reisen nach Tansania, wir betreiben auch Daladalas in Hannover. Die sehen nur ein bißchen anders aus, aber der Sinn ist derselbe. Wir sind breit aufgestellt. WIR überstehen das, wir kommen da durch und dann, wenn es wieder losgeht, dann wirst Du Dich nicht retten können vor Aufträgen von uns!“

Er lächelt mich warm an und gibt Gas. Und ich wünschte, ich könnte die Zuversicht, die ich mit fester Stimme gespendet habe, auch selber teilen.

„Wie heißt Deine Tochter? Shazam? Wie die App?“ Karim grinst. „Ja, jetzt acht Monate alt. Sie ist sehr süß.“ Weiterlesen „Daladala in Hannover“

Es ist wie es ist.

Vorbemerkung
23.1.2021, Hameln

Die Covid-Pandemie hält die Welt in Atem. Ich fliege trotzdem nach Tansania. Und ich habe viele gute Gründe. Doch je näher der Tag der Abreise rückt, umso krimineller komme ich mir vor. Was für eine irre Situation! In Deutschland bin ich als Reisende der personifizierte Egoismus, in Tansania die personifizierte Hoffnung. Traumhaft.

„Flieg unterm Radar, nicht bloggen, kein Instagram, gar nix!“ riet mir mein weiser Kumpel Andreas. Es ist ein guter Rat, und ich werde ihn beherzigen. Es ist alles schwierig genug. Ich kann mich nicht vor dem täglichen Early Morning Wake up-Call noch mit möglichen Social Media-Shitstorms beschäftigen. Ich mach’ das anders. Ich schreibe meine Berichte wie immer, aber ich veröffentliche sie nicht gleich. Sondern erst dann, wenn wir alle wieder zu Hause sind. Tag für Tag, quasi re-live.

Ob das feige oder vernünftig, richtig oder falsch ist, das sollen andere beurteilen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur…..

Es ist wie es ist.
Tag 1, 24.1.2021

“Bist Du verrückt? Die wollen doch diesen Pflichttest vor Rückreise aus non-Schengen einführen! Wenn Dein Test positiv ist, dann kannst du nicht nach Hause!” hat sie gesagt.

Gleich geht es also los. Ich fliege nochmal nach Tansania. Jetzt lassen wir mal alle Gefühle außen vor und schauen auf die Tatsachen: Es ist doch ein theoretisches Problem! Wir Reiseanbieter haben eine Reihe von Maßnahmen für den sicheren Safaritourismus in Tansania ergriffen, die ich noch immer für richtig halte und zu denen ich gegenüber Kunden stehe. Ich war mir im Juni sicher, dass ich mich in Tansania nicht mit Covid infizieren kann, und ich bin geflogen. Ich war mir im August sicher, dass ich mich in Tansania nicht mit Covid infizieren kann, und ich bin geflogen. Und ich bin mir jetzt sicher.

Was genau ändert also diese Testpflicht, wenn sie denn kommt?

Jetzt einen Rückzieher von der Reise zu machen wäre wie ein Eingeständnis, die letzte Verantwortung, nämlich die am eigenen Leibe, zu scheuen. Und das kommt natürlich nicht infrage. Weiterlesen „Es ist wie es ist.“

Die Welt ist schön!

Liebe Leser*innen,
es war ein denkwürdiges Jahr, dieses 2020. Covid-19 hat sich in unser aller Leben breit gemacht und es verändert. Die Reisewelt steht Kopf und es wird noch viel Zeit vergehen, bis wir zu alter Routine zurückkehren. Reisen in Zeiten von Corona – darf man das? Sollte man das? Kann man das?

Mit dieser Frage beschäftige ich mich im Editorial der Ausgabe unseres Reisekatalogs Ausblick 2021. Die Antwort wird ein jeder für sich selbst finden.

Erfreulicherweise spüren wir im Reisebüro zuletzt wieder vermehrt Nachfrage. Für uns Architekten der Reiseträume unserer Gäste war es ein schlimmes Jahr: immer nur zerstören und einreißen. Und Leistungsträgern in aller Welt die traurige Nachricht schonend vermitteln, dass auch XYZ nicht anreisen wird. Das sind die Situationen im Leben wo es hilft, wenn Dir Empathie kein Fremdwort ist.
Aber nun wollen wir nach vorne schauen. Unsere Telefone klingeln wieder, die Menschen suchen eine Perspektive und sie suchen auch Sicherheit, was nur zu verständlich ist in einer rechtlichen Umgebung, in der sich die Rahmenbedingungen ständig ändern.
Es ist eine gewaltige Aufgabe, hier als Branche die richtigen Antworten zu finden, und eine der Antworten wird nicht sein, dass das Reisen billiger wird. Was auf den ersten Blick unangenehm klingt kann sich als Segen entpuppen. Der Weg zurück zu so etwas wie alter Routine könnte vielleicht in einem nachhaltigeren Reiseverhalten enden, das den natürlichen Ressourcen des Planeten und seiner städtebaulichen und landschaftlichen Schönheiten wieder mehr Wertschätzung entgegenbringt.
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Moviestar

„Festhalten!“, ruft Aminieli, legt mit einer geschmeidigen Bewegung durch den ganzen Körper den ersten Gang ein und tritt das Gaspedal durch. Der schwere LandCruiser setzt sich abrupt in Bewegung, wir verlassen unser Versteck unter Akazienbäumen und rasen nur kurze Zeit später über die holprige Grassavanne die paar Hundert Meter hinunter bis zum Mara-Fluss.

Es ist August und somit die Zeit der berühmten Flussquerungen der Gnu- und Zebraherden in der Serengeti, die ihren uralten Instinkten folgen und die reichen Weidegründe der Maasai Mara ansteuern, wie der kenianische Teil dieses weltberühmten Ökosystems genannt wird.

Aminieli bringt uns mit all seiner Routine für die beste Fotografier-Position quer ab, aber in diesem Sommer gibt es ohnehin keinen Streit um die besten Plätze, denn wir teilen dieses Erlebnis mit nur sieben weiteren Autos. Wo sich sonst bis zu hundert Fahrzeuge drängeln herrscht im Covid-Sommer beinahe beschauliche Ruhe, als wäre man in der Zeit zurück in die 50er Jahre gereist, als Grzimek dieses Spektakel gefilmt und für dessen dauerhaften Erhalt gekämpft hat.

Wer macht den ersten Schritt? Es braucht vor allem Geduld hier oben am Mara. Die Herden sammeln sich mal hier, mal da. Irgendwann geht ein mutiges Tier voraus und blökt laut, als wenn es sagen will „Geh Du!“, während ein Kollege zu antworten scheint: „Ich? Bist Du verrückt? Geh doch selber!“, und so zieht sich das Schauspiel über Stunden hin. Vor und zurück, dann wird möglicherweise erst einmal Siesta gehalten und plötzlich dann geht dann alles ganz schnell, wenn zu viele Neuankömmlinge nachrücken und das erste mutige Tier sich in die Fluten stürzt, wo Krokodile die gewetzten Messer in den Händen halten und sich vormals gelangweilte Raubtiere am anderen Ufer blitzschnell erheben und in Stellung bringen. Es ist ein episches Schauspiel, traurig und wunderschön, auf Leben und Tod, fressen und gefressen werden. Wer den Gefahren im Wasser entrinnt, muss an der gegenüberliegenden Seite die steilen Wände hinaufklettern. Die meisten Tiere schaffen die Hürde mit scheinbar letzter Kraft, andere rutschen zurück und reißen wieder andere mit. Eine sorgende Gnu-Mutter kehrt mitten im Fluss um und will ihr verzweifelt rufendes Kalb holen, doch das entpuppt sich als Hasenfuß, das sich heute nicht überzeugen lässt, die Seite zu wechseln. Mutter und Kind entscheiden sich schließlich für einen Verbleib in Tansania und lassen die Herde ziehen. Vorerst.

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Im Rechtfertigungsmodus

Ich fliege also nochmal nach Afrika. Ich erwarte nicht, dass das jedem gefällt. Erfreulicherweise gibt es aus dem persönlichen Umfeld entweder Zuspruch oder begründete Äußerungen der allgemeinen Besorgnis.

Aber ich frage mich doch: Was erlaubt sich eigentlich die Medienlandschaft quer durch alle Kanäle gerade? Kann es wahr sein, dass ich mich rechtfertigen muss, nur, weil ich es wage, meine afrikanischen Geschäftspartner und Freunde nicht im Stich zu lassen?

Oh, wie mir dieses eindimensionale schwarz-weiß-Meinungshoheit-Besitzertum-Gehabe auf die Nerven geht! Ganz so einfach ist es leider nicht. Mein Vater hat immer gesagt, er beneide diese Menschen, die immer genau wissen, was richtig und was falsch ist. Denn die bräuchten ja nie nachzudenken.

Wer Reisende in sogenannte Risikogebiete als egoistische potentielle Gefährder der Gesellschaft brandmarkt, den würde ich gerne fragen: Was sind denn Risikogebiete? Die definiert das RKI. Was weiß das RKI über die Maßnahmen der TATO in Tansania? Ich bin überzeugt: Wüßten sie mehr, dann würde Tansania nicht auf dieser Liste verbleiben. Privatreisen in geschlossenen Personenkreisen durch die Natur in Unterkünften, die klein und oft zu vielen Seiten offen sind. Mitarbeiter in Camps, die sich strikt an ein ausgefeiltes Hygienekonzept halten, weil sie die Notwendigkeit verstanden haben. Weiterlesen „Im Rechtfertigungsmodus“

Tansania 2.0 – es muss einfach sein!

Es ist wie es ist 🤩 – ich fliege nochmal nach Tansania, und wer Bock hat, kann mitkommen. Weil es NIE NIE NIE wieder so wird, wie dieses Jahr. Keine anderen Leute, wie 1950, wie zu Grzimeks Zeiten! Die Mara-River-Crossings der Großen Tierwanderung. Das kann ich einfach nicht verpassen.

Was Du brauchst:
– 6 Monate gültiger Reisepass
– Zeit vom 7.8.-18.8.
– 3300 Euro (290 Euro Zuschlag, wenn Du ein Einzelzimmer brauchst) für die 10-tägige Safari ab/bis Kilimandscharo Flughafen – das ist unverschämt günstig im Vergleich zu dem, was es in „normalen“ Jahren oben am MARA kostet.
– Flug mit Ethiopian Airlines aktuell ab 850 Euro/Eco, 2300 Euro/Business im Angebot
– ein bißchen Alexander von Humboldt-Weltentdecker-Spirit 😉

Was Du nicht brauchst:
– irgendwelche Impfungen

aktuelle COVID-19 Hinweise:
https://www.abenteuer-tansania.de/aktuelle-covid19-hinweise/

Ich gehe davon aus, dass Du eigenverantwortlich handelst und sicher bist, dass Du selbst gesund bist. Unser Safari-Guide lässt sich vorab COVID testen. Wir sollten ihm die gleiche Höflichkeit erweisen oder unserer Sache sicher sein.

Also – wer kommt mit?

PS.: Die meisten Videos der vergangenen Reise sind bei YouTube jetzt online! Hier geht’s zur Playlist.

Programm_Maren

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