Die Welt ist schön!

Liebe Leser*innen,
es war ein denkwürdiges Jahr, dieses 2020. Covid-19 hat sich in unser aller Leben breit gemacht und es verändert. Die Reisewelt steht Kopf und es wird noch viel Zeit vergehen, bis wir zu alter Routine zurückkehren. Reisen in Zeiten von Corona – darf man das? Sollte man das? Kann man das?

Mit dieser Frage beschäftige ich mich im Editorial der Ausgabe unseres Reisekatalogs Ausblick 2021. Die Antwort wird ein jeder für sich selbst finden.

Erfreulicherweise spüren wir im Reisebüro zuletzt wieder vermehrt Nachfrage. Für uns Architekten der Reiseträume unserer Gäste war es ein schlimmes Jahr: immer nur zerstören und einreißen. Und Leistungsträgern in aller Welt die traurige Nachricht schonend vermitteln, dass auch XYZ nicht anreisen wird. Das sind die Situationen im Leben wo es hilft, wenn Dir Empathie kein Fremdwort ist.
Aber nun wollen wir nach vorne schauen. Unsere Telefone klingeln wieder, die Menschen suchen eine Perspektive und sie suchen auch Sicherheit, was nur zu verständlich ist in einer rechtlichen Umgebung, in der sich die Rahmenbedingungen ständig ändern.
Es ist eine gewaltige Aufgabe, hier als Branche die richtigen Antworten zu finden, und eine der Antworten wird nicht sein, dass das Reisen billiger wird. Was auf den ersten Blick unangenehm klingt kann sich als Segen entpuppen. Der Weg zurück zu so etwas wie alter Routine könnte vielleicht in einem nachhaltigeren Reiseverhalten enden, das den natürlichen Ressourcen des Planeten und seiner städtebaulichen und landschaftlichen Schönheiten wieder mehr Wertschätzung entgegenbringt.
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Moviestar

„Festhalten!“, ruft Aminieli, legt mit einer geschmeidigen Bewegung durch den ganzen Körper den ersten Gang ein und tritt das Gaspedal durch. Der schwere LandCruiser setzt sich abrupt in Bewegung, wir verlassen unser Versteck unter Akazienbäumen und rasen nur kurze Zeit später über die holprige Grassavanne die paar Hundert Meter hinunter bis zum Mara-Fluss.

Es ist August und somit die Zeit der berühmten Flussquerungen der Gnu- und Zebraherden in der Serengeti, die ihren uralten Instinkten folgen und die reichen Weidegründe der Maasai Mara ansteuern, wie der kenianische Teil dieses weltberühmten Ökosystems genannt wird.

Aminieli bringt uns mit all seiner Routine für die beste Fotografier-Position quer ab, aber in diesem Sommer gibt es ohnehin keinen Streit um die besten Plätze, denn wir teilen dieses Erlebnis mit nur sieben weiteren Autos. Wo sich sonst bis zu hundert Fahrzeuge drängeln herrscht im Covid-Sommer beinahe beschauliche Ruhe, als wäre man in der Zeit zurück in die 50er Jahre gereist, als Grzimek dieses Spektakel gefilmt und für dessen dauerhaften Erhalt gekämpft hat.

Wer macht den ersten Schritt? Es braucht vor allem Geduld hier oben am Mara. Die Herden sammeln sich mal hier, mal da. Irgendwann geht ein mutiges Tier voraus und blökt laut, als wenn es sagen will „Geh Du!“, während ein Kollege zu antworten scheint: „Ich? Bist Du verrückt? Geh doch selber!“, und so zieht sich das Schauspiel über Stunden hin. Vor und zurück, dann wird möglicherweise erst einmal Siesta gehalten und plötzlich dann geht dann alles ganz schnell, wenn zu viele Neuankömmlinge nachrücken und das erste mutige Tier sich in die Fluten stürzt, wo Krokodile die gewetzten Messer in den Händen halten und sich vormals gelangweilte Raubtiere am anderen Ufer blitzschnell erheben und in Stellung bringen. Es ist ein episches Schauspiel, traurig und wunderschön, auf Leben und Tod, fressen und gefressen werden. Wer den Gefahren im Wasser entrinnt, muss an der gegenüberliegenden Seite die steilen Wände hinaufklettern. Die meisten Tiere schaffen die Hürde mit scheinbar letzter Kraft, andere rutschen zurück und reißen wieder andere mit. Eine sorgende Gnu-Mutter kehrt mitten im Fluss um und will ihr verzweifelt rufendes Kalb holen, doch das entpuppt sich als Hasenfuß, das sich heute nicht überzeugen lässt, die Seite zu wechseln. Mutter und Kind entscheiden sich schließlich für einen Verbleib in Tansania und lassen die Herde ziehen. Vorerst.

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Im Rechtfertigungsmodus

Ich fliege also nochmal nach Afrika. Ich erwarte nicht, dass das jedem gefällt. Erfreulicherweise gibt es aus dem persönlichen Umfeld entweder Zuspruch oder begründete Äußerungen der allgemeinen Besorgnis.

Aber ich frage mich doch: Was erlaubt sich eigentlich die Medienlandschaft quer durch alle Kanäle gerade? Kann es wahr sein, dass ich mich rechtfertigen muss, nur, weil ich es wage, meine afrikanischen Geschäftspartner und Freunde nicht im Stich zu lassen?

Oh, wie mir dieses eindimensionale schwarz-weiß-Meinungshoheit-Besitzertum-Gehabe auf die Nerven geht! Ganz so einfach ist es leider nicht. Mein Vater hat immer gesagt, er beneide diese Menschen, die immer genau wissen, was richtig und was falsch ist. Denn die bräuchten ja nie nachzudenken.

Wer Reisende in sogenannte Risikogebiete als egoistische potentielle Gefährder der Gesellschaft brandmarkt, den würde ich gerne fragen: Was sind denn Risikogebiete? Die definiert das RKI. Was weiß das RKI über die Maßnahmen der TATO in Tansania? Ich bin überzeugt: Wüßten sie mehr, dann würde Tansania nicht auf dieser Liste verbleiben. Privatreisen in geschlossenen Personenkreisen durch die Natur in Unterkünften, die klein und oft zu vielen Seiten offen sind. Mitarbeiter in Camps, die sich strikt an ein ausgefeiltes Hygienekonzept halten, weil sie die Notwendigkeit verstanden haben. Weiterlesen „Im Rechtfertigungsmodus“

Tansania 2.0 – es muss einfach sein!

Es ist wie es ist 🤩 – ich fliege nochmal nach Tansania, und wer Bock hat, kann mitkommen. Weil es NIE NIE NIE wieder so wird, wie dieses Jahr. Keine anderen Leute, wie 1950, wie zu Grzimeks Zeiten! Die Mara-River-Crossings der Großen Tierwanderung. Das kann ich einfach nicht verpassen.

Was Du brauchst:
– 6 Monate gültiger Reisepass
– Zeit vom 7.8.-18.8.
– 3300 Euro (290 Euro Zuschlag, wenn Du ein Einzelzimmer brauchst) für die 10-tägige Safari ab/bis Kilimandscharo Flughafen – das ist unverschämt günstig im Vergleich zu dem, was es in „normalen“ Jahren oben am MARA kostet.
– Flug mit Ethiopian Airlines aktuell ab 850 Euro/Eco, 2300 Euro/Business im Angebot
– ein bißchen Alexander von Humboldt-Weltentdecker-Spirit 😉

Was Du nicht brauchst:
– irgendwelche Impfungen

aktuelle COVID-19 Hinweise:
https://www.abenteuer-tansania.de/aktuelle-covid19-hinweise/

Ich gehe davon aus, dass Du eigenverantwortlich handelst und sicher bist, dass Du selbst gesund bist. Unser Safari-Guide lässt sich vorab COVID testen. Wir sollten ihm die gleiche Höflichkeit erweisen oder unserer Sache sicher sein.

Also – wer kommt mit?

PS.: Die meisten Videos der vergangenen Reise sind bei YouTube jetzt online! Hier geht’s zur Playlist.

Programm_Maren

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt

Es ist fünf Uhr in der Früh und der Wind pfeift um die Maasai Boma, die mein Zimmer ist. Wir sind wieder am Western Kili angekommen, wo unsere Reise vor zwei Wochen begann. Im schwachen Licht des Neumonds kann ich vom Bett aus schemenhaft den Kilimandscharo sehen, denn die Schneekappe leuchtet mit den Sternen um die Wette. Und ich erinnere mich, wie ich vor mehr als 30 Jahren mit meinem Vater zu Hause vor dem großen Atlas mit den goldenen Seiten sitze und er mir erklärt, dass es in Afrika einen Berg gibt, der so hoch ist, dass es dort schneit. Vielleicht war das der Moment, wo es um mich geschehen war? Die Stunde Null meiner Faszination für Afrika?

„Was erzählst Du Menschen, die sich für Tansania interessieren? Warum Tansania?“, fragt mich der Reporter von ITV Tanzania zum Abschluss eines langen Interviews in Momella im Arusha Nationalpark. Ich muss kurz überlegen, weil ich doch schon so viel in so viele Mikrofone gequasselt habe in den vergangenen 24 Stunden. Weiterlesen „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“

So fangen lustige Geschichten an!

Womit soll ich nur beginnen? Vielleicht hiermit. Es ist rat-tig kalt. Nach einem perfekten Dinner am Lagerfeuer und einem Glas vorzüglichem Chenin Blanc habe ich es mir inzwischen in unserem komfortablen Hauszelt gemütlich gemacht, das ich mit Linda teile. Eine gute Fee hat während des Abendessens eine Wärmflasche ins Bett gelegt, wie nett! “Amerikanische Gäste wollen immer schriftlich bestätigt bekommen, dass die Unterkünfte klimatisiert sind!”, sagt Corina und lacht schelmisch, als sie ergänzt: „Ich schreibe dann gerne zurück, dass ich dafür sorge, dass es, wo nötig, Zentralheizung und Wärmflaschen gibt!” Afrika verbinden wir gedanklich immer mit Hitze, aber hier im Hochland von Serengeti und ganz besonders Ngorongoro wird es um diese Jahreszeit bitterkalt, um jetzt nicht empfindlich kalt zu sagen (meine Gäste aus dem November letzten Jahres können ein Lied davon singen), sobald die Sonne untergeht.

Zurück im Hier und Jetzt weiß ich noch immer nicht, wo ich beginnen soll. Wir waren am Klein’s Gate, einem Zugang im Nordosten der Serengeti, die ersten einfahrenden ausländischen Gäste seit drei Monaten und wir haben in drei Tagen Serengeti nicht ein einziges anderes Fahrzeug mit Touristen getroffen. Einige Einheimische waren unterwegs, Studenten in großen Bussen, Volontäre, Lodgebesitzer auf dem Weg zu ihren Camps, das „Serengeti live Show“-Filmteam treffen wir mehrfach. Aber andere Gäste? Nicht ein Fahrzeug. Nicht ein einziges! Für uns ist es natürlich cool, wir haben alle Raubkatzen-Sichtungen für uns alleine und treffen im Visitor Center und am Picknickplatz nicht eine andere Nase. “Allein, allein….”, trällert Linda. Wie wahr: wir sind allein! Weiterlesen „So fangen lustige Geschichten an!“

Serengeti darf nicht sterben!

„Hi, nice to meet you!“, sagt er, und dann steht er da und lächelt uns an.

Ich schwebe Stunden später noch immer drei Meter über dem Boden, weil Rian Labuschagne, Nachfolger vom legendären Prof. Bernhard Grzimek im Amt des Leiters des Serengeti-Projekts der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, sich höchst persönlich ausführlich Zeit genommen hat, um mit uns zu sprechen. Das tut die FZS in normalen Zeiten nicht. Dafür haben sie gar keine Zeit. Wenn der Bundespräsident kommt, der wird empfangen. Aber sonst eigentlich niemand.
Es sind aber keine normalen Zeiten. Wir sind die einzigen Gäste weit und breit. Ein paar Einheimische sind in Land Rovern unterwegs, aber ich habe seit Eintritt in die Serengeti kein einziges anderes Fahrzeug mit Touristen gesehen. Auch am Seronera Visitor Center waren wir gestern Mittag zum Picknick mutterseelenallein und sind es heute wieder. Keiner da!
Rian erzählt von seiner Arbeit, vom sich verändernden Tierverhalten und von der schwierigen Aufgabe, jetzt Spenden zu sammeln. Sie brauchen Hilfe, die Serengeti braucht Geld. „Es sind nicht Hunderte Menschen arbeitslos geworden, wie überall zu lesen ist, sondern Tausende!“, betont er. „All die Camps, die jetzt leer stehen, die Lieferketten, die Safari-Guides. Das ist ein großes Problem!“ Weiterlesen „Serengeti darf nicht sterben!“

Go West

Donnerstag, 18.6.

6 Stunden dauert die Fahrt vom Lake Natron bis in die Serengeti üblicherweise. Weil wir wieder tausend-und-einmal zum fotografieren anhalten brauchen wir über 7 Stunden für die Strecke. Armer Wilson!
Also, hier muss man wirklich wissen, wo man lang muss. Mitten in der Pampa, im Nirgendwo, kreuzen sich zwei, ja, wie soll man das nennen? Straßen?? Sagen wir: Pisten! Wilson steigt heute x-mal aus, begutachtet die vor uns liegenden vom vielen Wasser geschaffenen tiefen Furchen in den schlammigen Wegen, nimmt Maß, legt den Donkey-Gang ein und setzt den LandCruiser gekonnt über alle Klippen. Genauso oft erschweren Hindernisse auf vier Beinen unsere Fahrt. Anfangs waren es Esel, Ziegen oder Kühe, die die Straßen blockiert haben, später innerhalb der Serengeti dann Zebras und Gnus.

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Zum Sterben schön

Mittwoch, 17.6.

„Maren!“
„mmhm?“
„Kannst Du mal das Fenster zumachen?“
Es ist 5 Uhr. Morgens! Ich bin schnell wach und breche in brüllendes Gelächter aus. Später am Tag erzählt Corina, dass sie von diesem Moment an dann auch wach war – Nachbarzimmer! Linda meinte es gut mit mir, weil es wie Hechtsuppe ins Zimmer hineinzog und mein Bett dicht am Fenster steht. Warum sie allerdings nicht selber aufgestanden ist, um es zu schließen, sondern es vorzog, mich zu wecken, dafür fehlt es zu dieser frühen Stunde an plausiblen Erklärugsversuchen und der Tag beginnt, wie er später enden wird: Mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Weiterlesen „Zum Sterben schön“

Die Sendung mit der Maus

„Mit euch zu reisen ist, wie DIE SENDUNG MIT DER MAUS zu gucken!“, sagt Linda spöttisch-charmant von der hinteren Reihe, während wir die steinige Straße zum Natronsee entlang holpern. Sie kennt von diesem wundervollen Kontinent, den wir bereisen, bisher nur Namibia und ist fasziniert von der grundverschiedenen Landschaft hier im Rift Valley. „Wie heißt dieser Berg? Schau, so ein schöner Vogel! Gibt es hier…?“ Egal, wie die Fragen lauten, Linda erhält Antwort, denn wir alle, die ihre Reisegesellschaft bilden, sind da quasi in unserem Element. Andreas ist von Haus aus Archäologe und Ägyptologe und arbeitet als Reiseleiter für Studiosus, hauptsächlich in Zypern und Botswana. Corina lebt seit Jahren in Tansania und hat Gruppen in aller Welt geführt, vor allem im Orient. Wilson spricht und versteht gut Deutsch und ist ein wandelndes Lexikon für Tansanias Tier-, Pflanzen- und Bergwelt. Naja, und ich kenne zwar nicht jeden Piepmatz beim Vornamen, aber habe über die Jahre leidlich gute Spotter-Qualitäten entwickelt. Weiterlesen „Die Sendung mit der Maus“

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