DAR

,Jetzt aber flott‘ heißt es am kleinen Flughafen von Arusha, als ich mit Wilson nach Dar Es Salaam fliegen will. ‚You are late‘.

Die kleine Cessna ist ausgebucht und wir nehmen direkt hinter den Piloten Platz. ‚Maren, die Jungs können alle fliegen‘ habe ich die Worte eines lieben und flugkundigen Reisegenossens im Ohr. Wenn er das sagt. Na gut.

Die Landschaft ist auch aus der Vogelperspektive herrlich grün und Wilson tippt mich an ‚Schau, Kilimandscharo‘. Hach. Hinter vielen Wolken zwar, aber die Spitze ist zu sehen. Er hat wahnsinnig viel Schnee dieser Tage, kein Wunder bei dem Niederschlag der letzten Wochen.

In Dar gelandet ist unser Hotel-Pick Up noch nicht eingetrudelt, aber wir haben was zu lachen. Am Taxistand ist die übliche Ansammlung an wartenden Chauffeuren vertreten, die angeregt ein lokales Fussballmatch im knatternden Radio verfolgen. Einer der Herren trägt arabische Kleidung, einen kleinen goldenen Hut und dazu fesche quietschblaue Wassersandalen. Der sieht zum Schießen aus! Bei sintflutartigen Regenfällen hier am indischen Ozean zu dieser Jahreszeit hat aber auch der Gummistiefel in allen Variationen Hochkonjunktur.

Inzwischen stellt sich heraus, dass unser Pick Up sich verfahren hat. Geraume Zeit später trudeln sie dann sogar zu zweit ein, Reservierungschef Jacob plus Fahrer. Also hier hätten sie ja noch nie jemanden abgeholt, ist Jacob sicher.

Ich habe uns ein einfaches Hotel gebucht, dass nahe an Marys Wohnung liegt und meine beiden eifrigen Experten hier versinken munter weiter im Chaos. Wir sind startklar, können aber nicht raus, weil die Parkkarte nicht bezahlt ist. Also zurück (macht ja nix, sitzen ja erst 90 Minuten hier rum), löhnen und wir versuchen es nochmal. Wieder nix. Der Apparat ist kaputt. Jacob konsultiert den Dienst habenden Schrankenwärter in seinem Häuschen, der nimmt das Ticket, schmeißt es in den Mülleimer und öffnet die Schranke. Geht doch. Hätten wir auch gleich haben können. Aber nun, ehrlich währt am längsten.

Also vom Reservierungschef persönlich bin ich auch noch nicht abgeholt worden! Tatsächlich sehe ich die ganzen drei Tage lang hier im Hotel und der Umgebung kein einziges anderes weißes Gesicht. Im Hotel gehts noch, aber in den Straßen werde ich wie ein Alien beäugt. Witzig, aber immer nett. Mary und Wilson feixen später weil sie hören, was die Leute reden. Mit mir im Schlepptau sind wir im Quartett mit Dani die Attraktion schlechthin in dieser Ecke von Dar Es Salaam.

Ich muss ein paar Worte über das Silver Paradise Hotel verlieren. Zum Piepen. Pagen in Uniform stehen am Eingang und halten die Türe auf wie im Sternehotel. Im Fahrstuhl läuft in Dauerschleife eine instrumentale Version der Auld Lang Syne. Zum Frühstück gibt es indes trockene Kochbananen (also ehrlich, das ist wie Sand kauen) und Rindfleischsuppe. Ein großer Pott Margarine steht auf dem Buffet, in dem jeder nach Kräften herumprokelt. Gleiches gilt für ein Glas Marmelade. Mein Zimmer ist super, mit einem bequemen, breiten Bett ausgestattet und irgendwann finde ich sogar den Lichtschalter, den sie hinter dem Bett an der Wand versteckt haben.

Bleibt die Lautstärke draußen. Also für Tansanier ist es top, wenn jeder Lautsprecher bis zum Anschlag aufgedreht ist. Das ist dann zum Teil furchtbar übersteuert, macht aber nix. Hauptsache Krach. Wir gehen zu Dritt etwas trinken aber an ein Gespräch ist nicht zu denken. So laut kann ich nicht brüllen. Also lächeln wir uns an und freuen uns, dass wir zusammen sind.

Mein Patenkind und seine Mutter zu besuchen ist mir eine besonders große Freude und Wilson, der beide gut und lange kennt, begleitet mich gerne. Daniels Geburtstag bekommt gleich noch einen extra Artikel. Er sieht meinem verstorbenen Freund Emanuel so unwahrscheinlich ähnlich! Er lacht wie sein Vater und er geht wie sein Vater. Kleiner Kimario, Du bist einfach zuckersüß!

Kommentare sind geschlossen.

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑