Dan

Die sandigen Straßen von Dar Es Salaam sind um diese Jahreszeit in katastrophalem Zustand. Dani hüpft über alle Pfützen hinweg während Mary in ihren Lackschühchen anmutig wie eine Königin durch den Schlamm spaziert und dabei aussieht wie geleckt. Auntie Maren, wie ich hier von jedem genannt werde, kämpft sich unterdessen in Sneakers und Jeans tapfer hinterher und sieht am Ende aus wie ein Ferkel. Das war schon immer so und wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Meine Freundin Kathi kam schon als Kind am Ende eines abenteuerlichen nachmittags tadellos in Schuss aus dem Bach geklettert, während an mir alles eingesaut war.

Danis großer Tag beginnt mit einer Überraschung für mich. Na sowas! Bei Marys Schwester zu Hause machen die beiden mir die Haare auf afrikanische Art. Oha. Spontan erinnere ich mich an einen gewissen Friseursalon in Papeete. Aber Marys Schwester macht das professionell und ich freue mich wirklich sehr über die Geste.Weil die Prozedur auf der Terrasse stattfindet, ziehen wir allerhand Schaulustige an. Nachbarn nicken uns anerkennend zu, während Cousine Maffian die zu verflechtenden Haarsträhnen anreicht. So geht das eine ganze Weile, mehrere Stunden, während eine weitere Nachbarin hier draußen das Festmahl zu Danis Ehren zubereitet. Da wird Reis in einem ovalen Holzgefäß geschwenkt und die Spreu aussortiert, es werden Kartoffeln geschält und als auf dem Gasbrenner Knoblauch und Zwiebeln in heißem Öl angebraten werden, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Wie schade, dass ich nicht mitessen kann. Aber ich muss vernünftig sein – das macht mein Mzungu (=weißer) Magen nicht mit. Elektrizität gibt es hier keine.

Der wenige Monate alte Innocent langweilt sich und zieht sich mit wachsender Begeisterung an meinem Bein hoch, bis er wieder hinplumpst. Und er strahlt.

Dani und sein bester Freund, Cousin Junior, spielen unterdessen drinnen mit meinem mitgebrachten Ballon, den eine große 7 ziehrt, und gehen über Tisch und Bänke, denn die Straßen draußen sind durch die heftigen Regenfälle der letzen Wochen noch restlos verschlammt. Heute scheint aber wie zu Danis Ehren die Sonne.

Es ist vollbracht – ich bin fertig. Sehr ungewohnt und neben der bildschönen Mary sehe ich einfach nur bescheuert aus, finde ich. Das tut der Begeisterung um mich herum aber keinen Abbruch. Mamas in bunten Gewändern schlendern vorbei und rufen mir Worte zu, die ich nicht verstehe. Da aber gleichzeitig immer der Daumen hoch geht, kann ich mich schon irgendwie verständigen. Die Nachbarschaft hier gleicht einer großen, liebenswerten Familie.

Mit Wilson und Mary gehts nun per Dalla Dalla und Tuktuk-Taxi raus aus dem Viertel zu einer großen Einkaufsmall, wo Mary arbeitet und Danis Geburtstagskuchen in Auftrag gegeben hat. Ich erstehe eine hübsche Kette für die neunjährige Maffian und nutze meine Chance auf eine kleine Mahlzeit bei Pizza Hut, während die anderen noch Besorgungen erledigen. Ich bin so gut wie alleine im modernen ‚Restaurant‘ und lache mich halbtot als ich realisiere, dass ein Mitarbeiter nach dem anderen wie zufällig an mir vorbeischleicht und so tut, als wäre hier etwas zu erledigen. In Wahrheit ist die Mzungu-Frau mit der afrikanischen Hochsteckfrisur offenbar eine Attraktion, die man nicht verpassen darf. Sie kichern vor sich hin wenn sie an mir vorbei sind und schließlich holt Willi mich wieder ab. Wir quetschen uns mit dem Kuchen in ein Tuktuk und auf die überfüllten Straßen der Stadt zurück zu Marys Schwester.

Nachmittags kommen dann viele Kinder vorbei und der Kuchen wird feierlich angeschnitten. Hier ist es Brauch, dass das Geburtstagskind nun mundgerechte Happen an die Gäste verteilt und ich bekomme das erste Stück. Da muss ich doch glatt ne Träne verdrücken. Aber so rührselig ist es dann doch nicht, denn die Melodie von Happy Birthday plärrt aus einem Plastikaufsatz auf dem schrillbunten Kuchen und daran ändert sich auch nach der x-ten Wiederholung nichts. Tüdelüdüdüdüüüüü. Hilfe!

Nun packt Dani meine Geschenke aus und freut sich wie ein Schneekönig über die neuen Lego-Sachen. Wir machen es uns mit der ganzen Truppe aber erst einmal auf der Terrasse bequem und spielen das witzige Würfelspiel, das ich auch den Kindern der Mitarbeiter unserer Safari-Agentur mitgebracht hatte. Was für ein Spaß, als Maffian versteht worum es geht und sich nicht mehr hereinlegen lässt! Wilson kämpft am Ende mit Junior um die goldene Ananas und setzt sich knapp durch. Den Moment könnten wir jetzt festhalten, bitte.

Doch leider muss ich Abschied nehmen aus Dar Es Salaam-Manzese. Ich schätze, hier ist Auntie Maren aus Germany jetzt eine kleine, skurrile Berühmtheit.

Aber ich sag Euch was: Ich freue mich auf zu Hause.

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