Autsch!

Das Ehepaar aus Simbabwe neben mir im Flugzeug ist wunderbar freundlich und hilfsbereit. ‚Hier, meine Karte. Wenn ihr irgendwas braucht in Kasane, sei es Hilfe oder Unterkunft, dann ruf mich bitte an!‘ Das ist sehr großzügig und kommt natürlich nicht von ungefähr – in Addis ist eine Mitreisende beim Einstieg in den Bus zum Flieger böse gestürzt und hat große Schmerzen. Tapfer, aber leise jammernd sitzt sie neben mir und muss es irgendwie noch bis Kasane schaffen. Dort gibt es ein Krankenhaus mit Notfall-Ambulanz. Noch vier Flugstunden und 90 Minuten Busfahrt inklusive Grenzübergang liegen vor uns. Puh.

Das nette Paar aus Gaborone möchte inzwischen von mir wissen, was ich an Afrika am meisten liebe. Well. Wie viel Zeit habe ich für die Antwort? Als wir bei Tansania ankommen, wird es interessant. Sie möchten mit ihrer über den Erdball verstreuten Familie dort die Great Migration sehen und fragen mich aufgeregt, ob ich nicht helfen kann. Klar kann ich! Sie reicht mir Stift und Papier und in Kürze schreibe ich auf, was auch für solche Leute großartig ist, die im Safari-Land Botsuana zu Hause sind:

‚Das ist das erste Angebot, das ich je auf eine Kotztüte geschrieben habe‘, sage ich, als ich den Wisch rüberreiche, und kann damit sogar der maladen Renate ein Lächeln abluchsen.

Nun sitzen wir im Krankenhaus von Kasane. Interessant! Hat Ähnlichkeit mit einer Werkstatt. Oder einer Garage. Das Sauerstoffgerät ist eine überdimensionale Gasflasche mit Schläuchen dran. An der Wand hängen abgegriffene Poster mit anschaulichen Fotos der gängigen Geschlechtskrankheiten.

Aber der Pfleger vom Dienst in seiner weißen Uniform ist hilfsbereit und sehr lieb. Ich fühle mich trotz allem wohl und gut aufgehoben. Bis ein würgendes Kind mit einer Spar-Tüte vor dem Hals an mir vorbei läuft. Das ist mir jetzt deutlich unangenehm. Unser Fahrer lacht aber laut auf. ‚Was ist?‘ frage ich. Das Kind habe Münzen gegessen berichtet er. Na, das klackert später auf dem Klo. Ich seufze. 30 Stunden ohne Schlaf in einem Krankenhaus im Busch und wir warten auf den Doktor. Ich will duschen, ich habe Durst und vor allem will ich jetzt sofort aus diesen Trombosestrümpfen raus. Kein Internet. Telefonieren klappt auch nicht. Der ADAC will erstmal was Schriftliches. Herrschaftszeiten. Wie denn, bitte? Wenn die Schulter gebrochen ist, brauchen wir MORGEN einen Rettungsflug nach Windhoek. Hier kann es keine OP geben und wir sind mit der Gruppe ab übermorgen im tiefsten Busch… 19:30 Uhr. Zum Glück ergibt das Röntgenbild (es ist schon irgendwie alles vorhanden an Gerätschaften, denkt man gar nicht), dass ’nur‘ etwas ausgekugelt ist und der smarte junge Arzt, der absolut weiß was er tut, rückt alles wieder an Ort und Stelle. Renate strahlt. Die Reise, auf die sie sich so lange gefreut hat, geht für sie weiter.

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