Serengeti darf nicht sterben!

„Hi, nice to meet you!“, sagt er, und dann steht er da und lächelt uns an.

Ich schwebe Stunden später noch immer drei Meter über dem Boden, weil Rian Labuschagne, Nachfolger vom legendären Prof. Bernhard Grzimek im Amt des Leiters des Serengeti-Projekts der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, sich höchst persönlich ausführlich Zeit genommen hat, um mit uns zu sprechen. Das tut die FZS in normalen Zeiten nicht. Dafür haben sie gar keine Zeit. Wenn der Bundespräsident kommt, der wird empfangen. Aber sonst eigentlich niemand.
Es sind aber keine normalen Zeiten. Wir sind die einzigen Gäste weit und breit. Ein paar Einheimische sind in Land Rovern unterwegs, aber ich habe seit Eintritt in die Serengeti kein einziges anderes Fahrzeug mit Touristen gesehen. Auch am Seronera Visitor Center waren wir gestern Mittag zum Picknick mutterseelenallein und sind es heute wieder. Keiner da!
Rian erzählt von seiner Arbeit, vom sich verändernden Tierverhalten und von der schwierigen Aufgabe, jetzt Spenden zu sammeln. Sie brauchen Hilfe, die Serengeti braucht Geld. „Es sind nicht Hunderte Menschen arbeitslos geworden, wie überall zu lesen ist, sondern Tausende!“, betont er. „All die Camps, die jetzt leer stehen, die Lieferketten, die Safari-Guides. Das ist ein großes Problem!“

Alleine 150 Leute beschäftigt er direkt, die meisten in den Projekten, die gegen Fallensteller tätig sind. Insbesondere in den Randgebieten des nicht eingezäunten Nationalparks (kein Park in Tansania ist eingezäunt) ist Wilderei ein riesig großes Problem.
Der Tourismus ist ein bisschen Fluch und Segen zugleich für den engagierten Tierschützer. „Wir müssen den Zugang zum Mara-Fluss, wo die weltberühmten Flussüberquerungen der Gnu- und Zebraherden im Juli und August stattfinden, in normalen Jahren über eine Zusatzgebühr limitieren!“, sagt er und macht seinen Standpunkt deutlich. „Das ist so besonders, was die Serengeti da zu bieten hat, das ist auf einem Level mit den Gorillas in Uganda und Ruanda. Das muss mehr Geld einnehmen. 90 Dollar Serengeti pro Tag, 1600 Dollar für einen Tag bei den Gorillas, da stimmt was nicht! Etwas mehr als 90 Dollar dürften es schon sein!“ Bei uns, ABENTEUER TANSANIA, rennt er damit offene Türen ein. Es dürfen einfach nicht zu viele Autos dort herumgurken. „Viele Krokodile erwischen die Tiere nur, weil die LandCruiser den Ausweg für die Gnus blockieren. Das ist ein Eingriff in die Natur, wir dürfen das nicht zulassen!“
Mit Interesse höre ich mir die Ideen an, wie man all das zukünftig technisch regulieren und somit das Ökosystem Serengeti mit all seinen modernen Herausforderungen langfristig erhalten kann. Spannend! Wilson klinkt sich ins Gespräch ein und erklärt aus seiner Sicht, wie schwierig es ist, die Regeln, nämlich den gebotenen Abstand zu den Tieren zu wahren, einzuhalten, wenn alle anderen es nicht tun. „Ich kann meinen Gästen im Auto nicht sagen, dass wir gemäß der Vorgaben stehenbleiben und nichts sehen können, wenn alle anderen ans Ufer vorziehen. Die killen mich doch! Was soll ich tun?“ Auch Wilson begrüßt eine Neuregelung sehr, denn er will – wie die große Mehrheit der Guides – die Regeln ausdrücklich nicht brechen. Der Tierschutz liegt ihm genauso am Herzen wie dem großen und preisgekrönten Mann aus Südafrika, der hier in Seronera die Leitung inne hat. Die dynamische Entwicklung des Tourismus der letzten zwei Jahre war nicht vorauszusehen und im Moment haben wir es ja leider mit ganz anderen Problemen zu tun. Doch es ist bestimmt gut und richtig, jetzt technische Innovationen zu testen und dann schrittweise einzuführen. Mit GPS in den Autos kann man nicht nur überwachen, wer wo ist, sondern auch die Einhaltung der maximalen Geschwindigkeit oder unerlaubtes Offroad-Fahren sanktionieren. Für Wilson sind das alles sehr gute Nachrichten, denn er ärgert sich über die vielen Low-Budget-Anbieter, die in den stark gebuchten Jahren 2018 und 2019 für Dumpingpreise alles auf die Straße geschickt haben, was leidlich vier Räder hatte, und die angebliche Guides an die Steuer gesetzt haben, Männer, die gerade einmal ein Gnu von einer Pferdeantilope unterscheiden konnten.

„Ich habe mir die Flussüberquerungen in den letzten Jahren nicht mehr angesehen“, sagt Rian, „aber dieses Jahr fahre ich hundertprozentig hin. Dieses Jahr wird großartig!“.

„Versprechen Sie mir, dass die Löwen nie mit einem Chip versehen werden, so dass die Guides am iPad gucken können, wo welches Rudel gerade herumläuft?“, frage ich bang ob all der technischen Finessen, die im Raum stehen. „Hundertprozentig passiert das nicht!“, verspricht er zum Abschied.

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