1500

Krückeberg, Mitte der 90er Jahre

„Fünfzehnhundert!“, dröhnt die Stimme von Bobby Deichmann – das ist mein Vater – durchs Treppenhaus, die Tonlage ist eindeutig fragend und auffordernd. Ich sitze zu der Zeit gerade am Schreibtisch in meiner Zweizimmerbude unterm Dach unseres Elternhauses und schwitze über den Mathe-Hausaufgaben der 11. Klasse. Warum in Dreiteufelsnamen müssen die jetzt Pfeile über Buchstaben setzen, um eine Ebene zu bestimmen? In meinem ganzen Leben werde ich nichts mehr nach X auflösen, das weiß ich ganz sicher. Das braucht doch echt kein Mensch. 1500? Was will er nur? Ich checke es nicht und richte meine Aufmerksamkeit wieder auf den sich mir nicht erschließen wollenden Code im Buch vor meinen Augen. Kurze Zeit später schallt es erneut durchs ganze Haus, dieses Mal noch eindringlicher und mit leicht spöttischem Unterton: „Fünfzehnhundert!“ Das scheint irgendwie mir zu gelten.
Ach sooooo! Na loggisch, er meint natürlich mich! Ich renne die Treppe hinab, froh über die Erlösung von dieser idiotischen Mathe-Aufgabe, der ich mich trotzdem tapfer gestellt hatte, springe durch die offene Tür in die Wohnung meiner Eltern und grinse. „Was’n, Papa?“ Er strahlt mich wohlwollend an, während meiner Mutter die Fragezeichen noch deutlich ins Gesicht geschrieben stehen. „Ist doch klar, Mama!“, kläre ich sie auf. „1500 – MD, römische Zahlen!“

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