Tag 11, 13. Juli: Jasper – Bären in Sicht! 

Wer von uns ist eigentlich dreißig Jahre älter? Diese Frage stelle ich mir. Denn während ich mit letzter Kraft nach zweistündigem Tiefschlaf am Nachmittag diese Zeilen tippe, lotet Abi quietschvergnügt die Strecke für morgen aus. Aber der Reihe nach.

Am frühen Morgen nehmen wir die Seilbahn auf den Mount Whistler und oben angekommen sind es nur noch 1,2 Kilometer zu Fuß bis zum Gipfel, die es jedoch in sich haben. Der Weg ist gut in Schuss, aber steil. „Und du willst auf den Kilimandscharo, Maren?“ frage ich mich selbst. Mit dem Ballast wird das nichts, das ist mir spätestens heute klar. Bevor da nicht 10 kg runter sind, brauche ich den Versuch gar nicht erst zu starten. Ausgiebige Fotopausen verhindern im weiteren Verlauf des Anstiegs, dass ich einfach umfalle. „Ich bin auch nicht zum Bergsteigen geboren“ meint Abi, nölt indes nicht einmal halb so viel wie ich. 

Aber: Diese Aussicht hier oben ist ein Traum. Die vielen Wolken am Himmel schaffen eine dramatische Atmosphäre und der Wind bläst ordentlich dazu. Am Gipfel befinden wir uns jetzt auf 8080 Fuß, das sind 2470 Meter. Ganz weit weg (genauer gesagt 75 km weit weg) meinen wir die Umrisse des höchsten Bergs der Rockies, des Mount Robson, ausmachen zu können. Die Richtung stimmt jedenfalls. Ich entdecke ein Hörnchen und Abi ein Murmeltier, die sich alle beide von uns Wanderern wenig beeindruckt zeigen und willig in die Kamera schauen, bevor wir bei einer Tasse Kaffee die Karte konsultieren und weitere Pläne für den Tag schmieden. Die Wanderung durch das „Valley of the five Lakes“ soll es sein. Nicht zu viele Höhenmeter, nicht zu lang.

Auf der kurzen Fahrt dorthin stockt plötzlich der Verkehr, mir ist gleich klar, was das bedeutet. Und tatsächlich, im Wald marschiert eine Bärin mit ihrem Jungen des Wegs. Zu weit weg zum Fotografieren, aber wunderschön anzusehen. Wir staunen, wie nah am Ort diese Raubtiere sich aufhalten und ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen noch einen vor die Linse bekomme.

Unsere Wanderung ist wunder-wunderschön, ein See bezaubernder als der andere, aber es geht unausgesetzt hoch und runter. Nach dem Anstieg vom Vormittag bringt mich die gut zweistündige Tour tatsächlich an meine Grenzen. „Soll ich dir einen Hubschrauber bestellen?“ spottet mein Mann. Nein, danke, zwei Liter kaltes Mineralwasser würden mir für den Anfang schon genügen.

Morgen geht es über den Icefields Parkway 300 km durch die Rockies nach Süden, Banff heißt unsere nächste Station. An Fotomotiven wird es gewiss nicht mangeln, denke ich nur an den Lake Louise oder den Morraine Lake. Ich mache mich gleich mal auf in die Lobby und versuche, wenigstens ein paar Impressionen der letzten Tage durch die Leitung zu quetschen. Gute Nacht allerseits in Deutschland!

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