Tage 9/10, 11.-12. Juli: Jasper

Auf der Fahrt nach Jasper bleibt uns die Aussicht auf die Rocky Mountains verwehrt, zu tief h√§ngt die Suppe aus Nebel und Regen √ľber dem Horizont. Angesichts der schlimmen Berichte √ľber die Waldbr√§nde in British Columbia sind wir dar√ľber aber eher froh, soll der Boden ruhig richtig durchn√§ssen, besser f√ľr uns, besser f√ľr alle.¬†Bei der Einfahrt in den Jasper Nationalpark freuen wir uns √ľber unser kostenloses Pickerl, das Kollege Roman M√ľller vorab besorgt hat, und k√∂nnen einfach ohne weitere Registrierung durchfahren. Diesen Sommer sind zum 150j√§hrigen Bestehen des Landes alle kanadischen Nationalparks kostenlos zu befahren.

Der Ort Jasper selbst begr√ľ√üt uns nachmittags mit Sonnenschein und wir beziehen ein sch√∂nes Zimmer im „Whistler Inn“ mit Aussicht auf einen schneebedeckten Gipfel.

12.Juli
Kaum haben wir Jasper f√ľr unseren Tagesausflug hinter uns gelassen, begegnen wir am Wegesrand einem Wolf. Ich bin gespannt, welche wilden Tiere uns heute noch vor die Nase laufen. Es soll hier B√§ren, Elche, Wapiti-Hirsche und allerlei andere geben. Es f√ľhlt sich fast ein bisschen nach Safari an.

Der Maligne-Canyon ist unser erstes Ziel und wir wandern ein gutes St√ľck darin entlang. Die Japsen-Dichte ist hoch, ich staune √ľber kichernde Frauen in knallroten Pl√ľschanz√ľgen („for those who like that sort of thing, that’s the sort of thing they like“) aber sonst gibt’s nicht viel zu sehen. Ein Wasserfall ist ein Wasserfall ist ein Wasserfall. Am Medicine Lake gelingen mir sp√§ter sch√∂ne Fotos im diesigen Licht und, ohne ein einziges Wildtier gespottet zu haben, erreichen wir nach 40 Kilometern den ber√ľhmten Maligne Lake. Hier wollen wir nachmittags eine Bootstour machen, aber zuerst brechen wir zu einer Wanderung auf gut ausgeschilderten Pfaden auf. ICH WILL WILDE TIERE SEHEN! Um es kurz zu machen, ein Eichh√∂rnchen gibt sich die Ehre, ansonsten muss mir die wundersch√∂ne Landschaft bis auf weiteres gen√ľgen. Selbst am ‚Moose Lake‘ ist kein Elch weit und breit zu sehen. Die k√∂nnen anscheinend nicht lesen. Zur√ľck am Maligne Lake wollen wir uns die Tickets f√ľr die Bootsfahrt besorgen und erfragen den Preis. 72 kanadische Dollar pro Person. Die sind doch verr√ľckt, k√∂nnen uns mal gerne haben, und da es gerade wieder zu tr√∂pfeln beginnt, kehren wir zum Lunch zur√ľck nach Jasper und machen am Nachmittag stattdessen einen herrlichen, fordernden Spaziergang im Gebirge. Blauer Himmel, Sonne-Wolken-Mix und nicht zu heiss, das ist bestes Wanderwetter. Wenn da nicht die Moskitos w√§ren, die eine echte Plage sind.

Exkurs Moskito
Ich habe es vorher gewusst und wir sind gut vorbereitet: Gott sei Dank haben wir die m√ľckendichte Kleidung. Nat√ľrlich w√§re es in kurzen Hosen sch√∂ner, aber die zerstochenen Beine entgegenkommender Autan verspr√ľhender Familien erregen mein tiefstes Mitleid. So wird der Urlaub zum Horrortrip. Ohne diese Klamotten w√§re ich hier restlos aufgeschmissen. Schreibt es Euch hinter die Ohren, Freunde, solltet Ihr nach Westkanada reisen wollen: Es ist haargenau so schlimm, wie es in jedem Reisef√ľhrer geschrieben steht. Die perfekt funktionierenden Spezial-Klamotten erh√§lt man in jedem gut sortierten Outdoor-Gesch√§ft, z.B. Bei Blue Sky in Hannover, da gibts die kompetente Beratung kostenlos dazu.¬†

Immer wieder kreuzen Reiter unseren Weg, der irgendwann nicht mehr ausgeschildert ist. „Sind wir noch auf der roten Route 1 Richtung Thors Zwillinge?“ frage ich Abi, der mich verst√§ndnislos anblickt, die Karte konsultiert und irgendwas von 2b und 2f redet. Ich bleibe gedanklich auf meinem raupenbetriebenen Atom-U-Boot unter dem Kommando von Kapit√§n Ramius. N√§chste Kurs√§nderung in 30 Minuten. Gib mir ein Ping, Vasily. Nur ein Ping.

Nat√ľrlich findet Abi den Weg zur√ľck und was soll ich Euch sagen – direkt am Wegesrand steht keine zehn Meter vor unserem Auto ein Red Deer, futtert in aller Seelenruhe und posiert h√∂flich f√ľr meine Kamera, bevor es mit zwei gro√üen Spr√ľngen wieder im Dickicht verschwindet. Danke sch√∂n, liebes Universum, dass du mir auch diesen Wunsch erf√ľllst.
[Bilder folgen, Internet ist lausig hier]

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