Tag 20, 22. Juli: Wundervolles Utah

Heute gehts ins Indianerland und weil im Navajo Reservat, das das Monument Valley beherbergt, kein Alkohol verkauft wird, decken wir uns vor Abfahrt in Moab mit einem Sixpack Dosenbier ein. Das war nur einer von vielen guten Ratschlägen meines Kollegen Roman Müller, der mich auch überzeugt hatte, das „The View“ zu buchen, dem aberwitzigen Preis zum Trotz. Aber dazu später mehr.

Nach ein paar Kilometern auf dem Highway passieren wir „Wilson’s Arch“. Ich muss natürlich anhalten und das zugehörige Schild für meinen lieben Freund Wilson in Arusha, Tanzania, fotografieren. Und weil wir einmal da sind, klettere ich ganz hinauf und genieße einen herrlichen Blick von oben. 

Heute haben wir viel Zeit und so sucht Abi, der natürlich eine vernünftige Straßenkarte erstanden hatte, uns eine „Scenic Route“ aus und wir verlassen die 191 South hinter Blanding und nehmen die 95. Immer wieder gibt es rechts und links der Straße etwas zu sehen, wie etwa 700 Jahre alte Felsmalereien der Pueblo oder eine alte indianische Höhlensiedlung, zu der wir in sengender Hitze allerdings ein gutes Stück hinlaufen müssen. Wir biegen planmäßig auf die 261 South ab und sind gedanklich schon im Momument Valley, als etwas ganz und gar Unerwartetes passiert: Der Karte war es nicht zu entnehmen und ich habe in 20 Berufsjahren noch nie davon gehört, aber plötzlich liegt vor uns eine endlose Ebene aus roter Erde und grünen Büschen mit bizarren Steinformationen so weit das Auge reicht. Wir stehen oben auf der Kante eines Hügelkamms und ganz weit unten und bis zum Horizont und weiter, immer weiter reicht das „Valley of Gods / Tal der Götter“. „Das müssen an die 100 Kilometer Fernsicht sein“ murmelt Abi. Kein Mensch weit und breit, nur wir, der Wind, die Sonne und die Wolken. Auf den Fotos kommt nicht wirklich rüber, wie sich dieser Blick anfühlt. Es ist zu groß für meine Kamera. Demut heißt das Gefühl, das sich in mir ausbreitet und ich denke, dass ich dergleichen noch nie in meinem Leben gesehen habe. Vermutlich nicht zum letzten Mal frage ich mich, welche Überraschungen die Staaten noch für mich zu bieten haben.

Wir nähern uns dem Monument Valley und ich traue mich schon gar nicht mehr Abi zu bitten, mal kurz anzuhalten. Ich muss das alles fotografieren. Alles.

Unsere Premier Cabin im „The View“ ist der Hit und zum Glück klimatisiert. Hier gibt es sogar leidlich gutes W-Lan. Und so sitze ich auf unserer nicht von Dritten einsehbaren Veranda und vor meinen Augen liegt dieses berühmte Tal, das schon Drehort so vieler Wild West-Filme war. Wenn jetzt noch Winnetou vorbeireitet, ist die Kulisse perfekt.

Winnetou kommt nicht, dafür aber ein ordentlicher Regenguss. Ich sprinte hinein und weil diese Cabin nach vorne heraus voll verglast ist entgeht mir nicht, was plötzlich am Himmel passiert. Ich jage Abi aus dem Bett und wir stehen draußen und staunen: Die Sonne scheint haargenau, zwischen den dichten Wolken hindurch, auf die beiden Felsformationen vor unserer Nase und sie leuchten um die Wette, während der böige Wind uns lautstark um die Ohren pfeift. In zwei, drei Minuten ist alles vorbei und nun legt sich die Dunkelheit der Nacht über das Tal, das für die nächsten 48 Stunden unser zu Hause ist.

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