Tage 35/36: 6./7. August: Südpazifik

„Muss die Sonne genau passend durch das Bullauge in mein Gesicht scheinen?“ frage ich mich, als mein linkes Auge aufklappt. Es ist sechs Uhr morgens, ich bin schlagartig wach und in Windeseile springe ich in Jeans und Shirt und bin an Deck. Land in Sicht! Als wir das Riff passieren wird es ganz schön schaukelig und nun fahren wir innerhalb der Lagune schon eine ganze Weile backbord an einem schmalen Inselstreifen entlang. Das muss Fakarava sein! Ich sehe jetzt deutlich den kleinen Flughafen.
Als ich noch überlege, welcherseits wir wohl anlegen, muss ich über mich selber lachen. Wo sollen wir denn hier wohl anlegen? Die Insel ist vielleicht zwei Meter fünfzig hoch. Jörg hat es gestern außerdem erwähnt, der Kapitän bringt das Schiff in der Lagune quer ab und wirft den Anker. Ab acht Uhr wird dann getendert, die oberen Decks zuerst und wir dann ganz zum Schluss.
Unsere Kabine auf Deck 3 ist perfekt und ich möchte nicht tauschen. Sie ist klein, aber groß genug für den Zweck, darin zu übernachten. Es schaukelt unten viel weniger. Und eine Balkontür würde ich bei der Hitze hier sowieso nicht öffnen. Ganz abgesehen vom Preis, der sich mit Höhe des Decks erheblich steigert.
Schnorchelausrüstung gibt’s an der Rezeption und mit ausreichend Trinkwasser ausgestattet verlassen wir das Schiff und gehen an der kleinen Pier an Land, wo gleich wieder ein Barde mit Klampfe steht und trällert. Wir marschieren die einzige Straße entlang und stellen fest, dass hier sonntags nichts viel los ist. Außer in der katholischen Kirche, da ist allerhand los. Mission accomplished (anscheinend).

Fakarava ist das berühmteste Tauchrevier frz. Polynesiens. Später berichten mir Gäste, dass sie beim Tauchgang Haie und Moränen um sich hatten, und ich frage mich, was daran wohl erstrebenswert ist?! Mit meinem Schnorchel treffe ich im seichten Wasser altbekannte Freunde aus Moorea wieder an und Abi uns ich liegen unter Palme 7, als zwei Hunde zu Besuch vorbeikommen. Der Weiße hat seinen Spaß, indem er Schuhe unserer Reisekameraden wegschleppt und tappt mitten über mein Handtuch, das ich so sorgfältig von Sand freihalten wollte. Das sind aber auch schon unsere einzigen Sorgen an diesem paradiesischen Ort. Eine Strandbar ein paar hundert Meter weiter die Straße hinauf serviert kalte Getränke und bietet leidlich gutes Internet an. Texte gehen durch, Bilder gar nicht. Von einem der Aranui-Tourguides erfahre ich, dass auch das Schiffs-Internet keine Bilder transferieren können würde. Auch nicht in noch so geringer Auflösung.
Schon mittags geht’s zurück an Bord, denn die Strecke bis zu den Marquesas ist noch sehr weit, knappe 1500 km waren es von Papeete.

Es folgt ein voller Tag auf See und Jörg bereitet uns beim Meeting perfekt auf den kommenden Tag an Land auf Nuka Hiva vor. Da gibt es also „Nonos“, eine Art Waldsandfloh, der sich gerne im weichen Fleisch, wie zwischen den Zehen oder an der Innenseite der Arme, festbeißt, einen kleinen Krater knabbert, dort eine Flüssigkeit hineinspritzt und dann den entstehenden Cocktail schlürft. „Bemerken werdet ihr davon nichts, das beginnt erst einen Tag später zu jucken, dafür dann aber sieben Tage rund um die Uhr.“ Na, das sind ja Aussichten! Zum Glück habe ich meine eh schon umfangreiche Sammlung aus Mücken-Repellents in Kanada noch reichlich aufgestockt und werde einfach alles auftragen, was ich habe.
Bei diesem Briefing in der Sky Bar erfahren wir ausserdem Details zur Ladung. In gut 300 Containern versteckt sich alles, was per Kleinflugzeug nicht geliefert werden kann: Autos, Boote, Waschmaschinen… wir befinden uns eben 1400 km von Tahiti, dem nächsten Flughafen, wo auch große Maschinen landen können, entfernt. Es wird spannend sein morgen zu beobachten, wie diese Ladung gelöscht wird.

Wir haben heute ordentlich Seegang und so ganz hundertprozentig wohl fühle ich mich nicht. Nicht, dass ich mich übergeben müsste aber von genießen kann auch keine Rede sein. Ich verziehe mich mit meinem Buch auf die Kabine und lese, schlafe ein, lese…. und so geht der Tag dahin.

Abends um 18 Uhr wird uns heute die komplette Mannschaft namentlich und mit Rang vorgestellt, jeder einzelne unter großem Applaus. Es sind ja nicht so viele. Eine wirklich sympathische Veranstaltung! Und ihr werdet es nicht glauben, dieser junge Smartie hier (in der Hoffnung auf besseres Netz auf Nuka Hiva morgen) ist unser Kapitän:


PS: Bitte Schreibfehler entschuldigen, ich habe zur Zeit nur dieses Mäuseklavier auf dem iPhone zur Verfügung und meinen Spaß mit der Autokorrektur 🙂

 

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