Tag 51, 22. August: Pearl Harbor

„Was willst Du denn da?“ hatte mich der Professor an Bord gefragt, als wir über seine Heimat Hawaii redeten und ich Pearl Harbor zur Sprache brachte. „Naja, in Deutschland ist das schon ein berühmter Ort und ich komme mit dem Bus gut hin aus Waikiki, habe ich gesehen“ entgegene ich. „Also wenn Du meinst, dass Du Dir das ansehen musst, dann mach, aber nimm nicht den Bus und ich denke es ist ratsam, vorher im Internet eine Reservierung zu machen!“
Das waren drei gute Ratschläge von Dr. Hunt, die wir besser beherzigt hätten. 

Und so war das heute:
Um halb neun sind wir schon unterwegs und wollen mit dem 42er Bus, der direkt am Hotel abfährt, zu diesem geschichtsträchtigen Ort fahren, wo die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten sind. Busfahren ist wirklich günstig, 2,5 Dollar pro Person und Strecke und wir haben nichts gegen Öffis. Wir stehen also an der Haltestelle herum und warten und warten, bis endlich die richtige Linie vor unserer Nase hält. Die Fahrt dauert eine halbe Ewigkeit. Wir verfolgen alles auf dem Stadtplan und merken, dass wir nur sehr langsam vorankommen. Alle zweihundert Meter ein Stopp. Außerdem ist es eiskalt hier drinnen. Die sind verrückt mit ihren Klimaanlagen hier in den Staaten! Wir passieren das Trump-Hotel von Waikiki, später Honolulu Downtown und Chinatown, schließlich den Flughafen und erreichen irgendwann reichlich angenervt Pearl Harbor. Geschlagene 90 Minuten sind wir jetzt für vielleicht 15 Kilometer unterwegs! Hätten wir doch nur auf den Professor gehört…. Am Eingang nehmen sie uns alle Taschen ab, nicht einmal meine Handtasche darf mit hinein. So verstauen wir Handy und Portemonnaie mehr schlecht als recht in den Hosentaschen und erhalten unser Ticket für den Besuch des Denkmals über dem Wrack der USS Arizona, untergegangen am 7. Dezember 1941 im Hafenbecken, als die Japaner die US-Pazifikflotte auf einen Schlag vernichten wollten. Unsere Einlasszeit ist 13.15 Uhr, das ist in beinahe drei Stunden. Da kommt Freude auf! (Hätten wir doch nur auf den…). Schattenplätze sind rar und so tingeln wir durch die vorbereitenden Ausstellungen. Als wir endlich aufs Schiff dürfen merkt Abi, dass sein Handy nicht mehr da ist! Er muss es im Kinosaal verloren haben, wo ein einführender Film gezeigt wurde. Es gibt aber zunächst kein Zurück. „Machen Sie sich keine Gedanken, das haben wir dauernd.“ [Ja, kein Wunder, wenn ihr den Gästen alle Taschen wegnehmt!] „Wenn Sie zurückkehren, händigen es Ihnen die Ranger wieder aus.“ Um es kurz zu machen: Das Handy ist weg. Wir laufen noch zig mal hin und her, ich gebe meine Nummer im Lost & Found an und ohne WLan (gibt es hier nicht) lässt sich die „Find my Devices“-Funktion von Google über mein Gerät nicht abrufen. Wir beschließen irgendwann, dass es keinen Sinn mehr macht hier zu warten und nehmen, um Zeit zu gewinnen, ein Taxi für sage und schreibe 70 USD zurück zum Hotel. Hier können wir online checken was zu tun ist, wenn man sein Smartphone im Ausland verliert und versuchen vor allem es zu orten, so lange es noch Strom hat. Es klingelt nämlich, wenn man es anwählt, ins Wasser ist es also vermutlich nicht gefallen. Die Ortung klappt leider nicht, weil es nicht online ist. Ich wähle zum x-ten Mal die Nummer an und – Trommelwirbel – das Museum geht dran! Das Handy ist gefunden!

Bei aller Freude bedeutet das jetzt allerdings – Ihr ahnt es – dass wir erneut in den 42er Bus müssen. Leute nee, wenn mir das heute morgen einer gesagt hätte, dass ich die Strecke heute noch zweimal fahre, das hätte ich nicht geglaubt…

Und ist Pearl Harbor an sich nun sehenswert oder nicht?
Wir meinen, dass es einen Besuch wert ist.

 

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