Moby Dick

‚Maren, ich hab‘ ne tolle Nachricht für dich‘ sagt Ralf, ‚wir schaffen sowohl das Apartheid Museum als auch den Besuch von Soweto heute Vormittag.‘ Die SAA hatte unseren Flug vor drei Wochen um zwei Stunden nach vorne verlegt und eigentlich bedeutete das, eins von beidem aus dem Programm zu streichen. Aber mit dieser disziplinierten Gruppe geht das trotzdem, denn ein strenges Zeitmanagement sind sie inzwischen ja gewöhnt 😉 Die Choreografie dieser Reise ist absichtlich so angelegt, dass wir möglichst umfassend zur südafrikanischen Geschichte informiert sind, bevor wir zum Ende hin die echte Gelegenheit bekommen, mit Einheimischen zu kochen, die noch direkt unter der Apartheid zu leiden hatten. Das ist ja alles nicht einmal 30 Jahre her! Man kann es sich einfach nicht vorstellen, was noch in den 80er Jahren hier abging. In den 1980ern bitte schön, als wir zu Hause mit Derrick und Denver Clan zu Bett gegangen sind und den Mauerfall gefeiert haben.

Soweto hat sich stark verändert, seit ich es 2003 zuletzt besucht habe. Mehr schicke Häuser, es ist heute noch mehr eine Touristenattraktion. Sensationell anzusehen finde ich aber das Bungee Jumping zwischen zwei Kühltürmen. ‚Für Rentner kostenlos‘ lacht Ralf. Also das ist ja nichts für mich.

Am Straßenrand wird derweil noch immer alles erledigt, was so anfällt – einer verkauft Auspuffe, der nächste Reifen und die Werkstatt ist der Grünstreifen. Funktioniert einwandfrei. Wir werden auf dieser Reise keinen Spaziergang durch ein Elendsviertel unternehmen. Dazu habe ich mich im Mai 2015 auf unserer Reisebuero-Facebookseite geäußert und bin gedanklich keinen Schritt weiter… am Ende finde ich es einfach immer noch degoutant und zumindest für Gruppen ungeeignet. Wenn ich da reingehe, dann muss ich auch B sagen, will heißen: die ausgestreckte Kinderhand entgegennehmen, und wenn sie noch so schmutzig ist. Das Kind auf den Schoß nehmen, wenn die Mama es mir anreicht, auch wenn die Nase läuft. Kein Mitleid zeigen, erst recht keine Abscheu. Ich bin der festen Überzeugung, dass man sowas nur privat tun sollte und nicht mit Leuten, die man nicht kennt. Gestern Elefanten fotografieren, heute mittellose Menschen… und weiter geht das Programm? Ich weiß nicht…

Szenenwechsel. Wir fliegen nach Port Elisabeth und Ralf bringt uns zum ältesten Leuchtturm am Südkap. Keiner da, nur wir, waghalsige Wellenreiter, der Wind und das Meer. Wir mixen ein paar Drinks und essen den frischen Billtong dazu, den ich vorgestern erstanden habe. Einige sammeln Muscheln, andere genießen einfach die Stille und die frische Luft. ‚Sag mal Maren, sind das da hinten am Horizont nicht Wale?‘ ruft mir Reinhard zu, als wir schon wieder halb im Bus sind. ‚Das sind aber sowas von Wale!‘ brülle ich sogleich Richtung Bus und alle kommen wieder heraus. Da bläst er! Eine Flosse nach der anderen klatscht ins Meer, das sind mindestens drei und sie scheinen zu spielen. Ein Regenbogen vervollständigt die Kulisse, die untergehende Sonne taucht die Dünen in warmes Licht.

Reiches Land am Kap, wir freuen uns auf alles, was Du uns noch zu bieten hast!

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