On the Road again

Ich muss mich erst einmal sammeln. Der Tag war so lang und ereignisreich, dass ich mir jetzt gerade, da ich diese Zeilen tippe, kaum mehr vorstellen kann, dass sich folgendes erst heute Morgen zugetragen hat: Wir haben die weiße Löwin von Timbavati gesehen. Aber der Reihe nach. Kein Mensch glaubt mir mehr, wie außergewöhnlich die Sichtung der Wilden Hunde war, als heute morgen eine weitere Meute direkt vor unserer Nase herumtobt. Der folgende GameDrive in einem anderen Teil des großen Krügerparks beschert uns wieder etliche Tiere, vor allem sehr nahe Begegnungen mit Hyänen und Elefanten. Es schifft übrigens, wir frieren und sehen in den gefütterten Ponchos der Lodge alle gleich witzig aus – ein bißchen wie die sieben Zwerge. Die Pirschfahrt heute unterscheidet sich besonders deswegen von den gestrigen Erlebnissen, weil wir die festen Wege mehrfach verlassen und uns auf sandigen Pisten durchs Gebüsch schlagen. Da hat man mal hier einen Zweig im Gesicht oder rumpelt dort durch ein trockenes Flussbett. Als unsere Safari Guides uns mitten im Busch auf einer Lichtung ein Buffet aus Keksen und duftendem Kaffee aufbauen kommt sogar die Sonne heraus. ‚So habe ich es mir vorgestellt, es ist wunderschön hier‘ höre ich es von vielen Seiten und freue mich riesig. Mission accomplished.

Und wie es so oft ist, wenn du denkst es kommt nichts mehr, dann schlägt das Leben einen Haken. Längst auf der Hauptstraße und keine zwei Kilometer vor der Lodge liegt doch tatsächlich die berühmte weiße Löwin von Timbavati am Zaun und säugt vier winzige, wenige Tage alte Junge! Das kann man nicht planen und nicht buchen, das kann man vom Schicksal nur geschenkt bekommen.

Der Weg nach Johannesburg gestaltet sich kurzweilig, weil die Landschaft so schön ist und die Geschichten von Ralf so spannend sind. Er hat das Ende der Apartheid im Land miterlebt und aktiv an Demos für Freiheit und Gleichheit teilgenommen. Wir haben heute viel über Südafrika verstanden, was kein Film und kein Museum erklären kann.

Wir geraten in einen Wolkenbruch, aus dem ein übler Stau resultiert und sitzen dank kluger Umfahrung später pünktlich in Johannesburgs Stadtteil Melrose draußen beim Essen, während um uns herum das Leben tobt. Ich erinnere mich, dass ich vor 15 Jahren mit meiner Gruppe in JoBurg, dieser Stadt, die als gefährlichstes Pflaster der Welt galt, an den Ampeln den Bus von innen abgeschlossen habe und empfinde es als Hoffnung für die Welt, was hier in so kurzer Zeit passiert ist. Heilung ist möglich. Wie Nelson Mandela es formulierte: Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz als viel natürlicher als ihr Gegenteil.

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