Sherry with the Fruits

Ein warmer Wind weht mir durchs Gesicht und in der untergehenden Sonne sehen die Zebras nochmal so schön aus. Ich habe einen Sonnenbrand und zuletzt zu viele Gin&Tonics getrunken, aber die Romantik des Augenblicks ist nahezu vollkommen. ‚Malaika, wollen wir uns wieder vertragen?‘ trällert Markus, holt mich in die Realität zurück und hält mir ein Schnapsglas mit Jameson unter die Nase. ‚Weißte doch, Prophylaxe, ne?‘ Ich lehne dankend ab und widme mich wieder meinen Aufgaben auf dieser Tour. Gestern sind wir durch die Kleine Karoo gefahren, haben eine Tropfsteinhöhle und eine Straußenfarm besucht. In der Umgebung von Oudshoorn grasen aber auch etliche Wollknäuelle. ‚Oh, wie niedlich‘ rufe ich ‚Schafe‘! ‚Deine Schafe sind Ziegen, Maren‘ antwortet Ralf. ‚Klar, Ralfische Ziegenschafe vielleicht‘ lache ich zurück. Aber es sind tatsächlich Ziegen, die ihrer Wolle wegen gehalten werden, und das ist in diesem Fall die berühmte Mohairwolle. Überhaupt spielt Landwirtschaft in der Kapregion eine große Rolle und Ralf erklärt uns, dass Südafrika sich komplett selbst ernähren kann und sogar Lebensmittel exportiert. Die Straußensteaks zu Mittag sind köstlich, wie überhaupt die südafrikanische Küche bisher bei allen Gästen punkten kann.

Jetzt ist Genießer-Zeit: die private Lodge Botlierskop mit 5000 Hektar Land beherbergt ausschließlich wilde Tiere, die in dieser Region einmal heimisch waren. Dazu zählen neben einer Vielzahl von Antilopen auch Nashörner, Elefanten und Löwen. Anders als im Nationalpark leben die Raubtiere in einem separaten Gebiet, wo sie zwar selbständig jagen, aber den Gästen nicht zwischen den Füßen herumlaufen können. Das möchte ich wirklich nicht entscheiden müssen, welche Herden zum Spießrutenlauf antreten und welche auf dem sicheren Gebiet der Lodge leben dürfen.

Die Safarizelte sind im weitläufigen Gelände zum Fluss hin ausgerichtet und lassen keine Wünsche offen. Obst und Sherry stehen zur Begrüßung bereit, eine freistehende Badewanne lädt zur Entspannung ein und als ich in mein Bett krabbele, hat eine gute Fee die Heizdecke am Fußende schon eingeschaltet. Irgendetwas Vierbeiniges streitet sich des Nachts lautstark jenseits der Segeltuchwand und im Morgengrauen zwitschern etliche Piepmätze um die Wette. Ich möchte ihnen am liebsten den Schnabel stopfen, aber als ich den Sonnenschein durch die Ritzen erblicke, bin ich im Handumdrehen auf den Beinen. Gleich beginnt die Fusspirsch, doch zunächst bringen uns unsere wunderbaren Guides Loiece, Jade und Simba in offenen Geländewagen durch den Morgennebel und über Stock und Stein an ein altes Flussbett. Beim Spaziergang über taubedeckte Wiesen widmen wir uns heute morgen hiesigen Pflanzen, dem Fährtenlesen und der Vogelwelt. ‚Dieses Buch hier war während des Studiums meine Bibel‘ grinst Jade. ‚Ich musste über 250 Pflanzenarten an ihren Blättern, Blüten oder Samen bestimmen lernen‘ erzählt der ausgebildete Nature Conservation Manager. Den erwachenden afrikanischen Morgen zu Fuß zu erleben ist wieder eine neue Facette des Gesamterlebnisses und um 8 Uhr machen wir uns ausgehungert über das Frühstücksbüffet her.

‚Chacun à son goût‘ heißt es für den Rest des Tages. Pool, SPA, süßes nichts tun oder ein Ausritt stehen zur Auswahl und ich mache mich mit Kerstin und Joana auf den Weg zum Stall, wo unsere Pferde schon gesattelt auf uns warten. Wir streifen vorbei an Impala, Nashorn und Co. und genießen eine unbeschwerte Stunde voller grandioser Ausblicke abseits der Schotterpisten. Cassidy ist ein braver Brauner, später am Tag sattelt mir der Horse Guide den spritzigen Roger und wir galoppieren im Affentempo auf den Hausberg. Atemlos und mit klopfendem Herzen kommen wir vor einer Gnuherde zum stehen, die sich an den Pferden nicht weiter stören aber misstrauisch auf meine Panono-Kamera reagieren. Als ich absteige und sie in die Luft werfe wird es ihnen zu bunt und sie machen sich empört vom Acker. Roger kann sogar tölten und so überqueren wir einen Fluss in einer Furt, nähern uns Giraffen und Elandantilopen und ich fotografiere, filme und konzentriere mich darauf, nicht runterzufliegen, denn mein Pferd hat kein Interesse an langsamen Gangarten und freut sich, dass er’s mit mir flott angehen lassen kann. Im gestreckten Galopp geht’s schließlich durch das Tal zurück nach Hause, meine Panono links, das iPhone rechts in der Hand und gelenkt wird mit den Knien. Geil!

Ich könnte noch so viel mehr erzählen, zum Beispiel vom Lagerfeuer auf der Aussichtsplattform oder vom abendlichen Game Drive mit Sundowner in Zebra-Geleitschutz oder vom Sechsgang-Dinner mit Krokodil und Wild-Filets vom Buffet, von den Kerzen auf dem Badewannenrand, dem Veuve Clicquot im Kühlschrank oder dem beheizten Handtuchhalter… aber ich glaube, das wollt Ihr zu Hause alles gar nicht wissen…

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