Tage 5/6, 7. und 8. Juli: La Reata – Edmonton 

Heute reiten wir mit George und ich genieße es, diesem Stilisten im Sattel bei der Arbeit mit den Rindern zuzusehen. Sein Pferd Juma ist eine Augenweide. George hält im übrigen nicht allzu viel davon, anzukündigen was er tut: Zack Zack hinterher und aufgepasst, heißt die Devise. Er möchte, dass Maria und ich unsere Köpfe benutzen und uns in die Arbeit auf dieser sogenannten ‚Working Ranch‘ einbringen, heißt: dafür sorgen, dass immer alle Rinder mitgehen, keine zurückbleiben oder ausbrechen. Das wäre leichter zu erfüllen, wenn man denn wüsste, ich welche Richtung genau George sie haben will…. nun, 50 Prozent meiner Entscheidungen scheinen richtig, denn ich höre keine Klagen. Die anderen 50 Prozent gehen in die Hose und ich kassiere spöttische Blicke. Ich verkneife mir – nicht ohne Mühe – Kommentare dazu, beiße die Zähne zusammen und mache weiter. Never surrender. Ich komme mir vor wie ein Azubi am ersten Tag.
La Reata, das ist eine recht authentische Erfahrung, lässt George, Herrscher aller Reussen auf dieser Ranch, seine Gäste doch an seinem täglichen Leben teilhaben. Und das läuft natürlich – geht ja auch gar nicht anders – nach seinen Regeln ab. Das als Gast mit zu erleben ist eine seltene Chance im modernen Tourismus. Festgelegt sind die Zeiten fürs Frühstück und Abendessen, alles weitere folgt keinem festen Ritual, sondern passiert einfach. Darauf muss man sich freilich einlassen können, etwaige Fragen nach so etwas wie einem Plan für den heutigen Tag werden weggelächelt. „Keep calm, relax“. So lerne ich zu antizipieren, was wohl als nächstes kommen mag. Diese Rolle bin ich nicht gewohnt und sie anzunehmen fällt mir, wohl besonders wegen der großen Hitze, zunehmend schwerer, statt leichter.

Stellt Euch vor, heute ist es hier so heiss gewesen, dass mein Nagellack auf den Zehen geschmolzen ist! „Das zieht alles aus den USA hier herüber“ weiß George. „Große Hitzewelle rund um Denver“. Okay….na hoffentlich ist die vorüber, bevor wir am 18. dorthin fliegen.

Ich freue mich riesig, als Abi abends in den Hof gebraust kommt und plappere wie ein Wasserfall über meine erlebnisreiche Zeit, meine wunderschönen Spaziergänge, von Kühen und Kälbchen und von meinem Schatz Hollywood. Die Tage hier waren aufregend, lehrreich und inspirierend und ich habe hochinteressante Menschen mit tollen Talenten getroffen. Zu fünft drei Tage lang auf einem Haufen, ohne Zugang zu irgendwelchen Medien, da gibt es plötzlich wieder Zeit für lange Gespräche. Es fühlt sich ein bisschen retro an.

Ach, und bevor ich es vergesse: Es waren kaum Moskitos da. In der Dämmerung natürlich und beim Baden am See hat mich auch eine erwischt, aber vor allem nachts war gar nichts.

Am nächsten morgen heißt es Abschied nehmen. Die La Reata Ranch werde ich so schnell nicht vergessen, aber es liegt noch so viel spannendes vor uns! One door closes, another opens…. nicht wahr, Maribel?

Edmonton

Edmonton selbst gibt auf den ersten Blick nicht viel her. Die Feierlichkeiten zu „150 Jahre Kanada“ dauern an und in der Stadt gibt es Kleinkunst und Fressbuden. Hier laufen mir irgendwie zu viele menschliche Wracks herum und überall liegt Müll am Straßenrand, ohne dass ich sagen könnte, die Stadt sei besonders dreckig. Trotzdem komme ich nicht klar mit diesem Kulturschock, aus dem Nichts in die Big City. Jetzt gehen wir erstmal schlafen und morgen geht – so viel ist gewiss – die Sonne wieder auf und further on it goes.

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