Tag 74, 14. September: endlich Berge und Natur

Wir nehmen den Zug, genauer gesagt drei Züge hintereinander, und fahren über Land raus aus den Ballungsräumen. Außer Fischen habe ich hier in Japan bisher genau zwei Katzen gesehen. Keine Kuh auf der Wiese (und genau genommen nicht einmal eine Wiese) keinen Hund, kein Pferd. Das ändert sich heute, als wir mit dem Zug in die Berge fahren. Ich sehe viele Reisfelder und sogar Bauern mit diesen typischen spitzen Hüten auf dem Kopf, die aussehen wie, tja wie…. wie eine runde Pyramide.

Sie haben hier am Fluss alle Nasen lang Wasserkraftwerke. Das Flusswasser ist so klar, dass ich aus dem fahrenden Zug heraus die roten Koi-Karpfen darin schwimmen sehen kann!

Nachmittags spazieren wir durch die hübsche Kleinstadt Takayama und Ito-San gibt ein Glas Sake aus. Kanpai! Wir genießen anschließend zwei Stunden für uns und streifen durch die Gassen und Läden der Stadt, die viele alte Holzhäuser aufzuweisen hat. Ich genieße die ländlich anmutende Idylle, nachdem wir hier im Land bisher praktisch nur in Großstädten und deren umgebenen Ballungsgebieten unterwegs gewesen sind.

Unser Hotel für heute Nacht liegt leicht erhöht mit herrlicher Aussicht auf die Bergkette der Japanischen Alpen. Im Japanischen Bad genieße ich den Freiluft- Infinitypool im sechsten Stock und beobachte fasziniert, wie sich der Horizont rosa verfärbt und die Berggipfel langsam zu leuchten beginnen. Übrigens: Zum Glück bin ich nicht tätowiert, denn dann hätte ich keinen Zutritt zu einem Japanischen Bad! Es ist ausdrücklich verboten, für Ausländer hängen Schilder mit Skizzen aus. Tätowierungen tragen in Japan nämlich die Yakuza, Mitglieder krimineller Organisationen. Überhaupt ist die Badekultur eine interessante Angelegenheit. Getrennt nach Männlein und Weiblein reinigt man sich überaus gründlich, bevor man in die heißen Bäder steigt. Dafür stehen zahlreiche Sitz-Duschen mit umfangreichen Seifen-Arsenalen bereit. Das geht nicht mal eben zack-zack, sondern es wird erwartet, dass man sich regelrecht abschrubbt. Für die Japaner ist es ein Graus, wenn die unkundigen Europäer unzureichend gereinigt in die Bäder steigen. Ich stehe – merke ich genau – deswegen unter Beobachtung, als ich mich wasche, und bin ganz besonders gründlich. Ein nickendes Lächeln von gegenüber zeigt mir, dass ich alles richtig gemacht habe.

Heute Abend gibt es für uns Sukijaki, das ist ein japanischer Eintopf. Hui, und ich sehe gerade, den gibt es in 16 Minuten und ich muss mich noch anziehen. Also dann, bis morgen! 🙂

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