G’schichten aus dem VIP-Raum

Hannover 96 spielt an einem trüben Samstagnachmittag gegen den BVB. In der Einladung an meine Gäste habe ich vor drei Wochen dick aufgetragen. Wie man das so macht, ein Spaß, den sich der Underdog gegenüber dem übermächtigen Gegner erlauben darf. Ein vorlauter Gruß von unten eben, der getrost als Bewunderung für die Schwatzgelben gewertet werden darf.

Mit zunehmendem Glamourfaktor des Gegners steigt im beschaulichen VIP Raum von Hannover 96 die Event-Fan-Dichte. Es ist brechend voll, ein Geschiebe wie auf einem Rockkonzert. Es ist jetzt 14.55 Uhr, zwei meiner Gäste sind bereits eingetroffen, zwei weitere erwarte ich. An unserem reservierten Tisch nehmen inzwischen zwei mir fremde Personen Platz.

Ich: „Entschuldigen Sie, es kommen noch weitere Gäste, die Plätze gehören zu unseren Tickets.“ Ich zeige auf den Aufsteller

Er: „Noch sind sie ja nicht da, oder?“

Ich: „mhmmm“

Eine Minute später

Ich: „Ich muss Sie jetzt bitten, aufzustehen, meine Gäste sind jetzt da.“

Er: „Sie sehen doch, dass ich noch esse!“

Ich: „Deswegen hatte ich Sie ja gewarnt. Das ist jetzt schwierig, aber ich muss Sie bitten…“

Er: (giftig) „Das ist nicht nur für Sie schwierig, das kann ich Ihnen sagen!“

Ich: „Wenn Sie einen Platz am Tisch haben möchten, müssen Sie sich einen solchen kaufen, da kann ich jetzt auch nichts ändern. Bitte geben Sie unsere Plätze jetzt frei.“

Wutentbrannt quetscht er sich mit seinem vollen Teller und seiner pikiert dreinblickenden Frau von dannen.

In dieser Gesellschaft gibt es zunehmend mehr Menschen, die glauben, dass Regeln für sie nicht gelten. Dass Sie über allem stehen, sich alles erlauben können und ihr dickes Konto und ihre Beziehungen zu anderen ihrer Art ihnen immer den Weg ebnen. Sonnenkönige. Wenn ICH mich hier hinsetze, dann sitze ICH hier.

Dieses abgehobene, den Boden unter der Füßen verlierende Verhalten hat auch Herr Aubameyang demonstriert, der mit drei Autos zum Abschlusstraining kam, ein goldenes mit – was war das? 900? – PS, im Gefolge zwei weitere dicke Schlitten. Aber was hat es ihm gebracht, als er Waldemar Anton gegenüber stand? 😆

‚Deinen’ Platz an unserem Tisch, lieber berühmter Arzt, hat jedenfalls eine schwer arbeitende Krankenschwester eingenommen, die vom Dienst direkt im Tiefflug nach Hannover gebraust ist und etwas essen musste, weil sie seit fünf Uhr auf den Beinen war.

Und der Rest ist Geschichte.

Schönen Sonntag allerseits!

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