Im Rechtfertigungsmodus

Ich fliege also nochmal nach Afrika. Ich erwarte nicht, dass das jedem gefällt. Erfreulicherweise gibt es aus dem persönlichen Umfeld entweder Zuspruch oder begründete Äußerungen der allgemeinen Besorgnis.

Aber ich frage mich doch: Was erlaubt sich eigentlich die Medienlandschaft quer durch alle Kanäle gerade? Kann es wahr sein, dass ich mich rechtfertigen muss, nur, weil ich es wage, meine afrikanischen Geschäftspartner und Freunde nicht im Stich zu lassen?

Oh, wie mir dieses eindimensionale schwarz-weiß-Meinungshoheit-Besitzertum-Gehabe auf die Nerven geht! Ganz so einfach ist es leider nicht. Mein Vater hat immer gesagt, er beneide diese Menschen, die immer genau wissen, was richtig und was falsch ist. Denn die bräuchten ja nie nachzudenken.

Wer Reisende in sogenannte Risikogebiete als egoistische potentielle Gefährder der Gesellschaft brandmarkt, den würde ich gerne fragen: Was sind denn Risikogebiete? Die definiert das RKI. Was weiß das RKI über die Maßnahmen der TATO in Tansania? Ich bin überzeugt: Wüßten sie mehr, dann würde Tansania nicht auf dieser Liste verbleiben. Privatreisen in geschlossenen Personenkreisen durch die Natur in Unterkünften, die klein und oft zu vielen Seiten offen sind. Mitarbeiter in Camps, die sich strikt an ein ausgefeiltes Hygienekonzept halten, weil sie die Notwendigkeit verstanden haben. Weiterlesen „Im Rechtfertigungsmodus“

Reisen in Zeiten von Corona

Versuch einer Auseinandersetzung

Ich fliege am Freitag nach Tansania. Ehrlich gesagt mache ich mir überhaupt keine Sorgen um mich selbst. Meine einzige Sorge gilt den Menschen in Tansania. Als eins der wenigen Länder auf der Fernstrecke hat Tansania zum 1.6. seine Grenze geöffnet und hofft auf eine schnelle Rückkehr zur Safari-Normalität. Das Land ist wirtschaftlich abhängig vom Tourismus, und nicht nur dieses Land: Wenn Tansanias Wirtschaft kollabiert folgt eine Kettenreaktion, dann sind abhängige Nachbarländer direkt und womöglich noch viel schlimmer betroffen. Denn Tansania, mit seiner reichen, fruchtbaren Erde und den verlässlichen Regenmengen, produziert und exportiert Lebensmittel für viele Anrainerstaaten. Ist es also das Risiko wert, Menschen aus aller Welt wieder einreisen zu lassen, die möglicherweise ein Virus im Gepäck haben, das einzudämmen mit den vorhandenen Strukturen im Gesundheitswesen kaum gelingen kann? Weiterlesen „Reisen in Zeiten von Corona“

Noch’n Gedicht

Edit Montagabend: ha! Na, da hab’ ich ja was gesagt! No worries, ich bin NICHT zu den Verschwörungstheoretikern übergelaufen. Ich bin einfach nur skeptisch, und das ist ja nun nichts Neues. Seid lieb. 😜

Manchmal scheint es dieser Tage in den Medien und in den sozialen Netzwerken en vogue zu sein, den Tourismus als die Wurzel allen Übels auszumachen. Der Schurke ist gefunden! Wir reisen zu viel. Muss man über’s Wochenende nach New York? – Nein! Das muss man sicherlich nicht.

Das Gute an der aktuellen Situation ist doch die viele Zeit, die uns geschenkt wird. Ich lese so viel wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich genieße die Zeit bei den Pferden, zu denen ich (was für ein glücklicher Zufall) Mitte Februar nach gut 20 Jahren zurückgefunden habe. Aber, sind wir ehrlich, gegenüber einer normalen Frequenz im Job bleibt darüber hinaus noch immer ganz viel freie Zeit, die ich – weil mein Mann nun wirklich zu Hause bleiben muss – auf ausgedehnten Spaziergängen oft alleine verbringe. Und so versuche ich seit dem 13.3. meine Gedanken zu sortieren und zu verstehen, was hier eigentlich passiert. Ich verstehe’s aber nicht! Als denkender Mensch kann man da irgendwann nur resignieren und akzeptieren, dass die liebe Sonne es eines Tages an den Tag bringt, was wirklich läuft. Oder auch nicht.
Ich bin über das Verstehenwollen sozusagen jetzt hinaus und in einem Zustand des interessierten Beobachters angelangt. Ich meine, wir haben es doch alle schon seit Ewigkeiten in flotten Sprüchen, auf Partys, herbeigeredet. Und jetzt ist es da, das Killervirus, das die Sache regelt. Huaaaa!
Vor allem er hier hat es doch herrlich beschrieben: „Wir müssen ein Exempel statuieren. Warum sollten wir diese Tiere* einfach so alles zerstören lassen? Drauf geschissen.“ (Sagt kein geringerer als Gott himself, GOTT BEWAHRE, John Niven, 2011).
*hier sind wir Menschen gemeint

Was hat das mit Tourismus zu tun? Weiterlesen „Noch’n Gedicht“

Der Rattenfänger von Hameln

Dieses berühmte Gedicht von Robert Browning kennt in England jedes Kind. Vorgetragen vom wunderbaren Ian Jelf hat er es mir als Geschenk zu Ostern zugedacht.

Aber das ist viel zu schön, um es nicht mit der Welt zu teilen ☺️

Nachtrag vom 14.4.:
Ich habe mir erlaubt, zu antworten 🙂

 

 

 

systemrelevant

Wer zieht eigentlich gerade den Karren?

Bäcker, Kassierer, Krankenpfleger, Altenpfleger, Müllmänner, LKW-Fahrer. Und, ja, auch unzählige Reisebüromitarbeiter, die sich für ihre Kunden aufopfern. Ohne sie alle geht im Moment gar nichts. Was vereint diese Berufsgruppen? Richtig: Allesamt arbeiten sie im Niedriglohnsektor. Da kann man mal drüber nachdenken, oder?

Im Vergleich stehen wir Reisebüros wohl ganz zurecht nicht an erster Stelle im Fokus des öffentliches Interesses. Aber dies ist ein Reiseblog und es gibt so einiges zu sagen. Meine persönliche Rolle war dabei eine äusserst bescheidene. Mein Team hat Großes geleistet, während ich – zufällig an den zwei ganz entscheidenen Tagen – bei meinem Mann an der See war. Ich bin letzten Freitag eingestiegen und seitdem im Krisenmodus. Erst einmal ging’s darum, diese Kunden, die unterwegs waren, nach Hause holen. Dann galt es zu beruhigen, denn auch die Menschen hier hatten Fragen. Was ist mit den Osterferien? Kann ich reisen? Bekomme ich mein Geld zurück? 83 abreisende Vorgänge sind es nur bei uns Stand heute noch, und nur bis Ende April. Das ist inzwischen alles abgesagt, alles aus. Jede einzelne Reise war ein Stück Handarbeit, die nun kassiert wurde. Da fühlt man sich wie ein Maler, dem jemand die Schere reicht. Nun sind wir Kummer gewohnt: Thomas Cook-Pleite, Airline-Insolvenzen, Naturkatastrophen und Streiks, Streiks, Streiks, die immer zu Mehrarbeit führen, die immer auf unseren Tischen landet, die aber niemals vergütet wird.
Diesmal ist die Situation noch perverser: Man nimmt uns das Geld für geleistete Arbeit rückwirkend zurück. Vom Konto. Zack. Denn Provision gibt’s auf den Reisepreis. Und x % von Null ist Null. Bäcker Bosselmann hat unser aller Herz berührt, aber ich sehe in den einschlägigen Tourismus-Foren täglich Kollegen und Reisebüroinhaber, die weinen, ja, die verzweifelt sind. Weiterlesen „systemrelevant“

280/15/10/Zero

280 Flüge auf die Kanaren sind am Wochenende wegen des Sandsturms aus der Sahara ausgefallen oder umgeleitet worden. Gehen wir einmal von einer durchschnittlichen 189er Standardbestuhlung für eine auf der Strecke gängige Boeing 737 aus, dann sprechen wir bei einer geschätzten 90%-Auslastung der Flugzeuge also von rund 50.000 gestrandeten Passagieren! An einem einzigen Wochenende! Erschwerend hinzu kommt, dass Samstag und Sonntag bei fast allen Reedereien die Wechseltage sind und wir uns Mitte Februar in der Spitze der Hochsaison für Reisen auf die Kanarischen Inseln befinden. Chaotische Zustände an den Flughäfen, in den Hotels und auch auf den Schiffen waren die Folge. Hunderte Gäste, die nicht abreisen konnten, mussten in den Bars der Schiffe oder Hotels ausharren. An den Flughäfen war die Situation nicht besser. Aufgebrachte Gäste, verzweifelte Gäste. Keine Reiseleitung und kein Reiseveranstalter der Welt kann sich von heute auf Morgen um 50.000 Menschen kümmern. Wir schlittern mit unserer Branche seit einigen Jahren von einer Katastrophe in die nächste: immer häufigere Streiks, Airline-Insolvenzen, Groundings von Flugzeugtypen, Tsunamis und andere Naturkatastrophen bestimmen den Arbeitsalltag. Weiterlesen „280/15/10/Zero“

Ein herzliches „Jambo sana“ auf der ABF!

Alle Jahre wieder am verlängerten letzten Wochenende im Januar ist Messe-Zeit in Hannover. Wie immer sind wir täglich zwischen 10 und 18 Uhr in Halle 19 an Stand F59 mit Abenteuer Tansania für Euch da und freuen uns auf inspirierende Gespräche über Gott und die Welt in Afrika.
Neu in diesem Jahr in unserem Angebotsportfolio ist die Aranui, dieser wunderbare Frachter in der Südsee, von dem aus ich im Sommer 2017 auf dieser Seite schon ausführlich berichtet habe. Weiterlesen „Ein herzliches „Jambo sana“ auf der ABF!“

Roman

„Und, wo feiert ihr Silvester?“ frage ich Roman, als wir dieser Tage mit den Reisebüro-Kollegen über den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt zu Hannover streifen, in Erwartung einer Antwort wie zum Beispiel „Berlin“.
„Auckland!“ sagt er indes und grinst mich an. Natürlich. Warum auch nicht? Die maximal mögliche Entfernung (innerhalb der Grenzen dieses Planeten) ist soeben weit genug weg für meinen Weltenbummler!

Ab heute muss ich also damit leben. Roman verlässt uns. Ab morgen ist er nicht mehr da. Was in anderen Firmen ganz normal ist, gilt hier bei uns eben noch lange nicht. Ich bin seit beinahe 20 Jahren bei ÜSTRA Reisen beschäftigt und in all der Zeit habe ich ab und zu Azubis in die Wirklichkeit entsendet, ja, das schon. Es sind auch mal Kollegen in Rente gegangen. Aber, dass mich ein Mitarbeiter nach über acht gemeinsamen Jahren einfach verlässt, das muss ich mit 42 Jahren tatsächlich zum ersten Mal mitmachen. Wo wir doch so unendlich viel zusammen erlebt haben:

Moskau 
Wir spielen mit 96 im Europapokal in Moskau. Wenn ich mich nur an das Drama mit der Visabeschaffung für unsere Spieler einerseits und unsere Gäste andererseits erinnere, läuft es mir kalt den Rücken hinunter! Darüberhinaus war ich bis einen Tag vor Abreise mit Gästen auf Sansibar und hatte nur soeben Zeit, die Taschen zu wechseln. Von plus 40 zu minus 20 Grad. Wie gut, dass ich Roman hatte! Ihn, der in den 90ern lange in Moskau gelebt hatte und sich auskennt. Also, wirklich auskennt!
Und so stehen wir mit der VIP-Gruppe an der U-Bahn und Roman hält mir Tickets hin. „Hier, halte die jeweils davor.. na, da, da vor den Sensor! Genau!“ Ich erledige die Aufgabe wie mir geheißen und meine Gäste passieren die Schranke einer nach dem anderen ohne Probleme. Pling. Pling. Ich verstehe allerdings nicht wirklich den Sinn, denn das Tor ist ohnehin offen. „Und was soll das?“ frage ich also „das ist doch alles offen!“ Gut 30 Leute sind inzwischen durch. Wir müssen unbedingt alle zusammen halten, denn die Anzeigen hier drinnen sind auf Kyrillisch ausgewiesen und die schiere Größe von U-Bahn einerseits und Gruppe andererseits erschwert unsere Aufgabe als Reiseleiter immens.
„Da kommen ganz fiese Stangen raus, wenn Du das nicht richtig davorhältst!“ sagt Roman nebenbei und erreicht damit für den Bruchteil einer Sekunde meine Aufmerksamkeit. Ich reagiere zu langsam, mein nächster Gast, ein etwas skurriler, älterer Geselle, der von seiner Mutti zum Flughafen gebracht worden war (und von dem ich ausschließe, dass er das hier jemals liest) kriegt die Dinger mit voller Wucht zwischen die Beine. Und was sagt mein Roman, wilde Grimassen reißend, zu mir: „Also, das musstest Du ja jetzt nicht unbedingt bei ihm ausprobieren!“ Sehr witzig, Roman. Sehr, sehr witzig!

Weiterlesen „Roman“

Nakupenda sana, Tanzania!

Ich kann es am Horizont schon sehen!
Heute in einer Woche startet ein neues Abenteuer. An den sepziellen Land Cruiser-Komfort habe ich mich gestern im Rahmen einer herrlichen Solling-Rundfahrt mit meiner Schwester Ulli und ihrem zauberhaft schönen Buschtaxi schon mal wieder gewöhnt. Es ruckelt, rummst und zischt, wird nicht warm und riecht nach Öl und Schmiere. Dieser Toyota ist über 40 Jahre alt und war sogar schon einmal in Afrika. Ein Traum von einem Auto!

The latest news:
Ich habe Neuland betreten und jetzt einen englischsprachigen Instagram-Account. Wer also Lust auf noch mehr Fotos von unterwegs hat, den lade ich ein, einen Blick zu riskieren: https://www.instagram.com/marens_travel_news/
Die Geschichten rund um meine Reisen bleiben indes wo sie sind, nämlich hier.

Bis bald aus Dar Es Salaam!

 

 

 

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