Anreise mit Hindernissen

Vor ungefähr vier Wochen habe ich beschlossen, dass ich nach Ende des Corona-Lockdowns nach Afrika reisen will. Aber auch für einen alten Hasen der Touristikbranche wie mich gestaltete sich dieses Unterfangen durchaus schwierig. Also, nicht für den Teil in Tansania! Da war ganz schnell alles klar. Corina, Inhaberin unserer örtlichen Agentur, freut sich über Besuch und hat ein wundervolles Programm gebastelt.

Aber erst einmal hinkommen!

Eigentlich wollte ich heute mit meiner Mutter nach Zanzibar fliegen und hatte auch ein Ticket mit Turkish Airlines. Doch haben Mary, meine Freundin in Afrika und Mutter meines Patenkinds Daniel, und ich gemeinsam entschieden, dass das nicht geht. Es wäre unmöglich gewesen, die Kinder auf Abstand zu halten. Früher oder später wäre jemand auf meinem Schoß gelandet und man weiß ja einfach nicht, ob man selbst Überträger ist! Jedenfalls wäre ich meines Lebens nicht mehr froh geworden, wenn ich sie angesteckt hätte.

Stattdessen also Safari! Serengeti, Ngorongoro, Great Rift Valley. Keine so schlechte Alternative, und unter Erwachsenen ist jede gebotene Abstandsregel in Tansania ebenso gut einzuhalten wie in Grömitz oder Mallorca.

Ich will also mein TK-Ticket von Sansibar nach Kilimandscharo International (JRO) umbuchen. Es gibt nur leider keinen Flugplan. Und so war das:

18.5. Ich erzähle meinem Freund Andreas Trapp von meinen Plänen.
18.5. (abends) Trapp ist mit von der Partie.
19.5. Der Flugplan der TK soll bis Ende Mai stehen. Aber nichts Genaues weiß man nicht.
27.5. Das Landprogramm steht, aber kein Flugplan in Sicht! Heiko Maas haut einen raus: “Das wird aber kein normaler Urlaub!”
29.5. Die Reisewarnung soll zum 15.6. fallen. Für welche Länder? Man weiß es nicht. Man munkelt, Europa. Aber das ist Spekulation. Die Airlines resignieren. So kann niemand arbeiten. Ich habe kein Flugticket!
2.6. Ethiopian fliegt verlässlich, aber meine Meilen stecken im TK-Ticket. Ich storniere es. TK macht keine Anstalten, den Flugbetrieb nach Afrika kurzfristig wieder aufzunehmen. Da geht auch keiner ans Telefon, mein an sich total verlässlicher Kontaktmann ist leider im Urlaub.
3.6. Trapp und ich haben je 71.000 Meilen. 70 kostet der Return nach JRO. Wir greifen zu und erhalten umgehend die Bestätigung. Ging irgendwie zu einfach.
3.6. (später) Meine Freundin Linda will mit. Eigentlich wollte sie dieses Jahr nach Ecuador-Galapagos. Nun wird es Afrika. Refugees welcome! Sie muss allerdings voll zahlen für das Ticket, weil sie seit Jahren nicht auf mich hört – dabei ist nichts einfacher als Miles&More! Wir fliegen Business. Das wird teuer. Autsch!
6.6. Wir treffen uns erstmals zu Dritt und begießen die Tour feierlich.
8.6. Linda schickt mir eine Nachricht. “Ist unser Flug verschoben?” Ich weiß von nichts, habe auch keine Nachricht erhalten. Ich öffne meine Buchung. Alles klar:  Der Rückflug von JRO nach Addis Abeba geht nicht mehr täglich. Wir sind umgebucht, zumindest für diese Strecke, jetzt einen Tag später. Blöd ist, dass der Anschluss nach Frankfurt noch auf den Vortrag reserviert ist. Ohne Hermine Grangers Zeitumkehrer wird das durchaus schwierig! Egal, es ist spät. Ich bin müde. Darum kümmere ich mich morgen.
9.6. (morgens) “Es tut mir leid, auf der Strecke ADD-FRA habe ich leider keine Plätze frei!”, flötet die Dame von der Hotline in mein Ohr. “Corona, wissen Sie ja, alles anders und wir erreichen jetzt auch niemanden bei Ethiopian!” Aha. Und nun? Mein Hinflug steht zum Glück. Ich bin noch relativ gelassen. Bis zum Rückflug fließt noch viel Wasser den Mara runter.
10.6. Gut geschlafen hab’ ich nicht. Ich mache ja alles mit, aber ich hätte dieser Tage doch eigentlich gerne einen bestätigten Rückflug, wenn ich schon ohne den Segen der Republik nach Afrika fliege… ein Anruf bei Miles&More ergibt, dass die Situation unverändert ist. Keine Plätze. Allein, das glaube ich denen nicht! Ist garantiert ein technischer Fehler. Ist mir… auch egal jetzt! Ich mache jetzt gewiss keinen Rückzieher mehr. Irgendwie komme ich schon nach Hause und mich braucht auch keiner abzuholen! Im Zweifelsfall nehm’ ich ein Motorrad. Ich habe einen Pass, einen Impfpass und eine Kreditkarte. WTF. Ich schreibe den Kollegen von Ethiopian und bitte um Problemlösung, doch ich erhalte heute keine Antwort mehr.
11.6. (Einen Tag vor Abreise, morgens) Als ich morgens die Augen aufklappe, finde ich zahlreiche neue Nachrichten in unserer what’s app-Gruppe. Andreas: “Ich kann nicht online einchecken – Ticket not found!” Ähm. Das klingt irgendwie scheisse, und ich habe auch kein zivilisierteres Wort, das mein Empfinden in diesem Augenblick besser beschreiben könnte. Ich hänge mich in die Hotline. “Mit der unbestätigten Strecke kann kein Meilenticket erstellt werden! Möchten Sie Oneway?” – Wieder was gelernt. Nein, ich möchte keinen Oneway. Denn ein Oneway zurück kostet ein Vermögen. Das sind die oft so wenig nachvollziehbaren Regularien im internationalen Flugverkehr. Oneway nach Afrika: 600 Euro. Oneway aus Afrika: 3000 Euro. Returnticket: 900 Euro.
Bei Ethiopian läuft eine Bandansage, man sei ab 9 Uhr erreichbar. Es ist 10. Ich gehe erst eimal in die Stadt, habe noch Tausend Dinge zu erledigen.
Was machen wir jetzt? Es ist inzwischen Donnerstag, 12 Uhr und ich will morgen Abend abfliegen! Und Linda hat ihr (nicht erstattungsfähiges!) Business-Special Ticket. Das Vorort-Programm ist bezahlt. Corina kriegt ne Krise, weil sie ihrerseits auch schon alles bezahlt hat. Die Lodgebesitzer freuen sich so sehr auf uns, denn unser Besuch gibt ihnen Hoffnung.
Ich rufe Andreas an und melde mich an. Wir müssen reden.
“Kaffee schwarz und stark?”, fragt er mich zur Begrüßung. Wir sind Nachbarn. “Ganz stark!”, sag ich. Und dann rufen wir meine Kollegen in Hannover an. Zwei Tickets gegen Cash, statt Meilen. Obwohl die Maschinen vermutlich total leer sind, kann ich Linda das wohl kaum antun, alleine vorne zu fliegen, wo sie das arschteure Ticket nur deswegen genommen hat, weil wir beiden da gebucht waren. Also Kreditkarte hinlegen und lächeln. Wenn der angesagte Börsencrash kommt ist eh alles weg. WTF.
11.6. (nachmittags) Ich kann nicht einchecken. Ticketstatus “pending”. Ich rufe meine Kollegen an. Die Buchung ist aktiv, das Ticket ausgestellt, alle Strecken “HK”, was reisebürodeutsch für OK ist. (Ist so..). „Pending“ klingt nicht gut. Aber da steht auch “Your flight is booked!” Ich brauche was zu trinken!
12.6. (Tag der Abreise) Ich frühstücke gerade, als der Screenshot einer Email von Linda in unserer Gruppe eintrudelt. “Your flight from ADD to JRO on JUN 13 has been cancelled, we apologize for any inconvenience!” Zeitgleich klingelt mein Handy. Vanessa (meine Kollegin) ruft an. “Bevor du gleich einen Herzinfarkt kriegst, dein Ticket ist jetzt unable, aber nur eine Strecke. Rerouting von Addis nach Kili via Zanzibar, Landung JRO neu 17:10. Wir schreiben die Tickets jetzt um! Wann war das am Bahnhof? 14:41? Ist ja noch lange hin!” Die Frau hat Nerven wie Drahtseile. Aber ich bin so unendlich dankbar, dass sich jemand um mich kümmert und mir den ganzen Quatsch abnimmt, ich einfach weiter frühstücken kann und weiß: alles wird gut.
Das ist ein gutes Reisebüro mit den besten Kollegen der Welt.

Ich schreibe (tiefenentspannnter als ich mich tatsächlich fühle) in unsere Gruppe:
Maren: „Cool bleiben!“
Linda: „…ich komme einfach um zwei zum Bahnhof!“
Andreas: „İnşallah!“
Corina: „Schade um den wegfallenden Nachmittag in der Masailodge…“

Wir treffen uns am Bahnhof. Wagenreihung umgekehrt. Und zwei Waggons fehlen! Unserer ist natürlich dabei. Natürlich.

Linda: „Ey, da reise ich EINMAL mit Profis!“

to be continued….!

PS.: Es ist in normalen Zeiten wirklich nichts einfacher als Miles&More! Wenn man das ein bißchen schlau anstellt, braucht man Langstrecke nie wieder Eco zu fliegen. Wer Fragen dazu hat, kann sich gerne im Reisebüro melden. Anfang Juli bin ich zurück.
PPS.: Mein „N“ klemmt, sorry für alle etwaigen Schreibfehler..

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