Ohhhhh! Mzungu!

Eigentlich kann ich jetzt abreisen!“, sage ich zu Linda. „Zebras gesehen, Kilimandscharo gesehen…ich bin ab jetzt wunschlos glücklich!“
Also, nicht ganz wunschlos, dieses klemmende N auf dem MacBook nervt mich 😉

Nach der Landung und einer Mütze voll Schlaf haben wir einen traumhaften Vormittag auf der Maasai Lodge verbracht und bei einer Wanderung die jahreszeitlich bedingte Blütenpracht in der Maasaisteppe und den Blick auf den Kilimandscharo genossen. Der höchste frei stehende Berg der Welt ist scheu und versteckt sich tagsüber oft unter dicken Wolken. Für uns hat er sich immer mal wieder für wenige Sekunden gezeigt und friedlich grasende Zebras bildeten den perfekten Vordergrund. Ich bin hingerissen von so viel Schönheit. Wir marschieren also über Stock und Stein, als Guide Joshua, seines Zeichens Maasai und äußerst kundig, uns auffordert, stehen zu bleiben und uns ruhig zu verhalten. „Puff Otter!“, sagt er. Ich sehe sie direkt vor mir im Gras. „Wenn sie Dich beißt, hast Du noch 10 Minuten!“. OK. „Ich überlege mir jetzt erst einmal, was ich Euch in 10 Minuten so alles auftragen muss!“, bemerkt Linda trocken. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir überleben das.

Im Blues&Chutney, Basis aller Abenteuer Tansania-Reisen und Gästehaus am Fuße des Mt Meru, kann ich meine lieb gewonnenen Mitstreiter im Dienste unserer Gäste, nämlich Witness, Jennifer, Vincent und Julius in diesen Zeiten nicht umarmen, was sich seltsam fremd anfühlt. Wir erfreuen uns trotzdem aneinander und alles notwendige Corona-Gedöns ändert nichts an der Tatsache, dass ich hier zu Hause bin. Ich weiß, wo der Weißwein steht 😉

„Oah, meine Klappe brennt!“, schimpft Andreas am nächsten Morgen. Er hat das berühmte hauseigene Chutney zum Frühstück für Marmelade gehalten, dick aufgetragen und herzhaft zugebissen. Blöder Fehler!
Heute steht eine ausgiebige Wanderung durch die Dörfer an den Ausläufern des mächtigen Mount Meru an, der nur wenig niedriger als der Kilimandscharo ist und dessen versteinerte Lavaströme die umgebende Landschaft sehr fruchtbar machen. Bananen, Kaffee, Mangos wachsen in großen Mengen und überall meine Lieblingsfrüchte, die Avocados. Kühe muhen, Hühner laufen frei durch die Gegend und ständig kreuzen Menschen unseren Weg, die geschäftig von A nach B eilen oder gelangweilt auf ihren Mopeds hocken und auf Inspiration zu warten scheinen. Das Wort, was wir heute ständig hören, ist MZUNGU, Suaheli für WEISSE. Da wird getuschelt und gekichert, gefeixt und hinter vorgehaltener Hand geredet. Wir sind heute sozusagen die Attraktion von USA River und werden mehr als interessiert beäugt. Das ist im Grunde furchtbar traurig, denn für unseren rundum angenehmen und fachkundigen Guide Leonard sind wir die ersten Kunden seit 3 Monaten. Dieses Land braucht Gäste. Unbedingt.

Zu keiner Zeit fühlen wir uns unsicher oder unwohl. Wir sind an der frischen Luft und erfreuen uns an Hundebabys, bunten Vögeln und Chameleons. Es blühen dank ergiebigen Regens im April etliche Blumen in allen Farben des Regenbogens, aber nichts ist so herzerfrischend wie all die freundlichen Menschen, denen wir begegnen. Aus Höflichkeit ihnen gegenüber kann ich nicht dauernd mit der Kamera draufhalten, von Zeit zu Zeit kann man mal fragen, und meist ist es total ok, zu fotografieren, aber erwachsene Menschen um ein Foto zu bitten ist mir immer unangenehm. Ich versuch’s mal zu beschreiben: Die Frauen sind auf offener Straße alle schnieke gekleidet, oft in traditionellen Gewändern in bunten Farben, manche auch modern mit hohen Schuhen, in denen ich auf diesen Wegen keine 100 Schritt weit käme. Sie sind graziös und erscheinen irgendwie besonders würdevoll, ob sie nun elegant ein großes Gefäß auf dem Kopf balancieren oder geschäftig zum nächsten Motorrad-Taxi eilen. Kinder auf alten BMX-Rädern liefern sich Rennen um uns herum, spielen fangen und verstecken. Viele alte Männer sind in Jackets unterwegs und ihre akkurat gestutzten Bärte umspielen das breite Lächeln, mit dem sie uns das herzliche MAMBO VIPI / wie geht’s? – entgegenrufen. Nein, es gibt hier in Tansania nicht diese bittere Armut, die wir aus den lebensfeindlichen Wüstenregionen des südlichen Afrikas kennen. Die Menschen sind offensichtlich zufrieden, auf jeden Fall aber sind sie brennend an uns interessiert!

Wir passieren einen Köhler bei der Arbeit, schwerst arbeitende Landwirte mit Spaten und Karren, Waldarbeiter ohne Schuhe mit riesigen Sägen und ein Fußballfeld, das ich den Rasen des 1. FC Mulala (so heißt das Dorf) taufe.

Am Ende waren’s heute 22 Kilometer, mindestens 400 Höhenmeter und 6 Stunden reine Gehzeit. Bei einer leichten Brise und schätzungsweise 22/24 Grad war’s herrliches Wanderwetter. Abends, wenn die Sonne untergeht, wird es um diese Jahreszeit sogar hier in Usa River richtig frisch! Zwei Fleecejacken übereinander und ein Feuer im Rücken verhindern, dass ich zittere. Wie eisig wird’s erst oben am Ngorongoro werden!

Morgen früh packen wir den LandCruiser, mein Freund und Safari-Guide Wilson stösst zu uns und wir starten zusammen mit Corina in unser Wildlife-Abenteuer mit der Fahrt zum Lake Natron. ICH wollte ja zelten, aber ich konnte mich nicht durchsetzen. “Tu Dir keinen Zwang an und schlag ein Iglu-Zelt hundert Meter hinterm Pool auf!”, sagt Linda, und sie lacht. “Wir prosten Dir dann zu!”

PS.: Bilder aus Gründen mangelder Internetqualität vorerst nur bei Facebook (Maren Brenneke) und Instagram (Marens_Travel_News), jeweils offen zugänglich. 

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