Safari Blue

Zuerst einmal: Viele Grüße aus meinem heutigen Büro!

Das Abendessen ist vorbereitet und gart im Ofen, es gibt heute marktfrische (aus Lakka, Paxos) Zucchini-Schiffchen mit einer Mett-Feta-Tomaten Füllung und Parmesan-Topping, dazu Weißbrot. Ich habe ein Glas eisgekühlten griechischen Weißwein zur Hand und die ortsansässigen Grillen versuchen im Hintergrund ganz offenbar nach Kräften, das Meeresrauschen zu übertönen. Der Himmel färbt sich jetzt zu fortgeschrittener Stunde langsam in rosa-orange-Töne und das Wasser unterm Kiel glitzert türkis-blau im Abendlicht. Hehe: Ich glaube, ich habe gute Chancen, die „türkis-Challange“ zu gewinnen, die ich mit Timo Röbbel laufen habe, der gerade auf Sansibar weilt. Die Hafeneinfahrt zu Lakka, das war schon ziemlicher Bora Bora-Style.

Es ist fantastisch hier, aber das Anlegemanöver komplex: „Zwei-fünfzig“, liest Maren den Tiefenmesser ab. „Zwei-dreißig“. Erinnert mich an den Klassiker DAS BOOT, auch wenn wir hier zum Glück nicht abzusaufen, sondern lediglich auf Grund zu laufen drohen. Wir sind bei weitem nicht die einzigen, die heute im Hafen Frischwasser und Einkäufe nachladen möchten. Ein einziger freier Platz an der Pier ist noch frei, aber Peter weiß aus Erfahrung: da ganz außen ist es ziemlich flach. „Zwei-zwanzig“, ruft Maren mit jetzt deutlich bangem Unterton, aber Peter peilt souverän und in sich ruhend die Lage und gibt schließlich sein Kommando an Linda im Bug des Schiffes: „Anker fällt!“ Sofort rattert die Kette los und das schwere Eisen greift zügig, während ich mich mit den Fendern an Steuerbord abmühe, denn neben uns liegt ein ziemlich flaches Boot, und das ist verdammt nah dran! Freundliche Menschen in der Bar an Land eilen zu Hilfe, fangen mit einem Lächeln auf den Lippen unsere Landleine auf, befestigen sie schnell und gekonnt, und geschmeidig wie eine Katze kommt die Bavaria 40 zum Stillstand. Peter lächelt mich an und sagt mit schelmischem Unterton: „War was?“ Er ist halt eine verdammt coole Socke.

Auf See

„Steuerbord!“ ruft Peter, und der Enthusiasmus in seiner Stimme lässt Wunderbares vermuten. Eine große Delfinschule findet auf offener See Gefallen an uns und beglückt uns mit Kunststückchen. Wie aus purer Lebensfreude schnellen die filigranen Tiere ein ums andere Mal aus dem Wasser und lassen sich mit Bauchklatschern erster Güte zurückfallen. „Safari im Ionischen Meer!“ kommentiert Linda begeistert. Ach, was ist es schön. 

Es pustet deutlich mehr, als zu erwarten war, und so können wir lange und ausgiebig „am Wind“ segeln. Dabei machen wir gute 6 Knoten auf recht glatter See, eine frische Brise weht uns um die Nase. Das Boot ist herrlich einfach zu bedienen und liegt mitunter so schräg, dass unsere Füße über der Bordkante im Wasser planschen können. Im herrlichsten Sonnenschein und mit den Augen am Horizont lassen sich schwere Gedanken vertreiben. Bei aller Herrlichkeit um uns bleibt natürlich dieser Tage trotz allem im Kopf, was Wasser anrichten kann. Ich denke an meine Kollegin im Rheinland, die alles verloren hat. Das Leben ist nicht fair. Meine herzlichsten Grüße an dieser Stelle, möget Ihr schnell und frohen Mutes wieder zu alter Stärke finden und schöne Reisen planen dürfen, einfach ganz bald wieder Dinge tun, die glücklich machen. 

Am Abend treiben wir gestern eine Bucht auf, deren Schönheit und Idylle ich gar nicht beschreiben kann. Sicher 50-60 Meter hohe Kreidefelsen bilden den Rahmen und wir legen uns dreist mitten hinein. David packt seine Drohne aus (NOT my cup of tea, aber ich gebe zu: verdammt schöne Bilder!) und hält die Magie des Augenblicks für immer fest. Die engen Felsen sind später der perfekte Klangkörper, als uns Peter – sehr zu Lindas Leidwesen und zu meiner größten Freude – mit einer Britpop-Playlist um Legenden wie MORRISSEY erfreut. 

„Hast Du die Mond-App?“ möchte David wissen. Ich muss lachen. Dieses Jungvolk! „Nee!“ antworte ich. „Aber ich weiß, wo Süden ist, und da kam er gestern.“ Weit nach Mitternacht knipst also der Mann im Mond das Licht an und taucht unsere einsame Bucht in silbriges Licht. Wir liegen an Deck, reden über Gott und die Welt und freuen uns über das Geschenk, dieses Abenteuer miteinander erleben zu dürfen. 

Àprospos Abenteuer: Plopp plopp…. plopp.. „Nee, oder?“ frage ich Peter in Erinnerung an den vergangenen Oktober. „Jetzt sag nicht, wir haben wieder keine Paddel mit!“ Sein amüsierter Blick lässt nichts Gutes vermuten. Der Außenbordmotor des Dingis, so nennt man das Schlauch-Beiboot eines Segelschiffs dieser Klasse, mag nicht mehr. Und so hängen wir wieder einmal mitten auf dem Ozean ohne Paddel und auf einem Dingi, das streikt. Zum Glück regnet es dieses Mal nicht. „Los, fotografier den Sonnenuntergang!“ ruft Linda, während sie unentwegt am Anlasser zieht und die Hoffnung nicht aufgibt. Ich find’s lustig und halte mit der Kamera drauf. Die Wellen treiben uns früher oder später wieder in unsere Bucht hinein, es ist nur eine Frage der Zeit. „Hat wohl auch keiner an G&T gedacht?“ frage ich frech. „Oder wenigstens Dosenbier?“ Natürlich NICHT, es sollte ja nur ein schneller Ausflug werden.

Schließlich opfert sich David, legt sich geschmeidig über den Bug und paddelt uns mit Muskelkraft und seinen Händen unter tatkräftiger Unterstützung der See zurück zum Boot. 

Wenn der Wind jetzt aus der anderen Richtung…. Ach, kommt, vergessen wir’s. 

Hier ein paar Bilder:

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