Sail away…

Hier habe ich noch eine kleine Zusammenfassung unseres Törns in bewegten Bildern.
For those who like that sort of thing: Viel Spaß!

Herzlichen Dank allen, die mit zusätzlichem Bildmaterial und der wunderbar stimmigen Musikauswahl zum Gelingen beigetragen haben.

An guten Tagen

Es ist halb 7 und die Sonne linst bereits über die spiegelglatte See. Wir liegen in einer Bucht vor Korfu und der Schnarchnasentrupp hier an Bord schläft noch den Schlaf der Gerechten. Selbst mit dem Duft frisch aufgebrühten Kaffees kann ich heute niemanden herauslocken. Ich könnte es mit den GIPSY KINGS auf Anschlag versuchen – VOOOOOLARE – aber nein, da will ich mal nicht so sein. 😉

Da nutze ich lieber den friedlichen Morgen, um noch ein bisschen von den letzten Tagen zu berichten.

„Die größten Probleme beginnen immer mit den Worten LASS UNS MAL EBEN SCHNELL..“, sagt Peter und grinst mich an. Eigentlich wollen wir ein bißchen segeln und „mal eben schnell“ ein paar Drohnenaufnahmen schießen, aber der Plan geht nicht auf. „Der Anker kommt nicht hoch!“ ruft Linda Richtung Steuermann. Das ist irgendwie ungünstig und schnell stellt sich heraus, dass er nicht festsitzt. Es ist schlimmer: Die Stromversorgung scheint unterbrochen. Unser Boot hier hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und müsste mal generalüberholt werden. Mal piept’s hier, mal fällt das Navigationsgerät aus. Alles kein Drama in diesen überschaubaren Gewässern, aber Gas und Bremse müssen schon funktionieren, sonst geht es nicht. Also ziehen wir die schwere Kette von Hand hoch, kontaktieren den Ingenieur des Vercharterers und kreuzen unter Motor vor der Küste. Could be worse, indeed, denn die Sonne scheint, wir sind bestens versorgt und die Jungs von der Werft haben schnelle Hilfe versprochen. Wir vertreiben uns die Zeit mit Filmmusik-Raten, Spotify macht’s möglich. Unangefochtener Sieger wird David, auch wenn er sich beklagt, dass er bei den „alten Schinken (JURASSIC PARK, ähem… alt???) keine Chance habe.

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Safari Blue

Zuerst einmal: Viele Grüße aus meinem heutigen Büro!

Das Abendessen ist vorbereitet und gart im Ofen, es gibt heute marktfrische (aus Lakka, Paxos) Zucchini-Schiffchen mit einer Mett-Feta-Tomaten Füllung und Parmesan-Topping, dazu Weißbrot. Ich habe ein Glas eisgekühlten griechischen Weißwein zur Hand und die ortsansässigen Grillen versuchen im Hintergrund ganz offenbar nach Kräften, das Meeresrauschen zu übertönen. Der Himmel färbt sich jetzt zu fortgeschrittener Stunde langsam in rosa-orange-Töne und das Wasser unterm Kiel glitzert türkis-blau im Abendlicht. Hehe: Ich glaube, ich habe gute Chancen, die „türkis-Challange“ zu gewinnen, die ich mit Timo Röbbel laufen habe, der gerade auf Sansibar weilt. Die Hafeneinfahrt zu Lakka, das war schon ziemlicher Bora Bora-Style.

Es ist fantastisch hier, aber das Anlegemanöver komplex: „Zwei-fünfzig“, liest Maren den Tiefenmesser ab. „Zwei-dreißig“. Erinnert mich an den Klassiker DAS BOOT, auch wenn wir hier zum Glück nicht abzusaufen, sondern lediglich auf Grund zu laufen drohen. Wir sind bei weitem nicht die einzigen, die heute im Hafen Frischwasser und Einkäufe nachladen möchten. Ein einziger freier Platz an der Pier ist noch frei, aber Peter weiß aus Erfahrung: da ganz außen ist es ziemlich flach. „Zwei-zwanzig“, ruft Maren mit jetzt deutlich bangem Unterton, aber Peter peilt souverän und in sich ruhend die Lage und gibt schließlich sein Kommando an Linda im Bug des Schiffes: „Anker fällt!“ Sofort rattert die Kette los und das schwere Eisen greift zügig, während ich mich mit den Fendern an Steuerbord abmühe, denn neben uns liegt ein ziemlich flaches Boot, und das ist verdammt nah dran! Freundliche Menschen in der Bar an Land eilen zu Hilfe, fangen mit einem Lächeln auf den Lippen unsere Landleine auf, befestigen sie schnell und gekonnt, und geschmeidig wie eine Katze kommt die Bavaria 40 zum Stillstand. Peter lächelt mich an und sagt mit schelmischem Unterton: „War was?“ Er ist halt eine verdammt coole Socke.

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Sugar in the mornin‘

„Bist Du heute ein bißchen traurig, dass Du nicht mitkommst?“ frage ich den neunjährigen Laines.

„Nein!“ kommt es wie aus der Pistole geschossen aus seinem Mund. Er strahlt mich an und schüttelt entschieden mit dem Kopf. „Überhaupt nicht!“

Für Lindas Sohn zählt in den nächsten 6 Wochen der Sommerferien nur eines: Mit Papa Trecker und Mähdrescher fahren, am liebsten rund um die Uhr. „Los, komm mit!“ Er zerrt mich aufgeregt die Hofeinfahrt entlang in Richtung Feld. Ein gewaltiges gelbes metallenes Biest hält auf uns zu und zieht eine meterhohe Staubwolke hinter sich her. „Siehst Du, Maren? Neun Meter Auslage, heute mähen wir Raps!“ Ich muss grinsen. In der Küche liegt sein Zeugnis. Sachkunde 1, Mathe 2, Kunst 3. Das ist mein Laini. „Sie mussten eine Rapunzel im Kleidchen basteln!“ kommentiert Linda die Zensur und feixt: „Ich kann’s ihm nicht verdenken.“

Der Abend geht ins Land und gegen Mitternacht brechen wir auf. Ohne Laines. Auch ohne Andreas, der später im Jahr noch mit seiner Frau segeln will, dafür komplettiert eine Freundin von Linda unsere Runde. „Eine Woche auf einem so kleinen Boot mit einem Menschen, den Du überhaupt nicht kennst? Findest Du das nicht ein bißchen gewagt?“ fragten mich skeptische Freunde vorab. Solche Gedanken sind mir ja grundsätzlich artfremd und als Reiseleiterin komme ich sowieso mit jedem klar. „Ich bin da tiefenentspannt. Und außerdem – wenn Linda sie mag, dann mag ich sie auch.“ 

Natürlich haben wir fünf uns hier in kürzester Zeit zusammengefunden, denn nur gemeinsam geht es: Ein Segelboot zu führen, das nötigt bei aller chilliger Gelassenheit jedem an Bord eine gewisse Konzentration ab. Manöver zu segeln ist Teamwork, aber auch Ordnung in der Küche und dem generell begrenzten Raum zu halten funktioniert nur, wenn alle mitziehen. Da ich (natürlich) meine Einkaufsliste vom Oktober noch zur Hand habe und damals mit entsprechenden Notizen versehen hatte, ist der Einkauf diesmal schnell erledigt. Die Griechen nehmen es sehr genau mit den Coronaregeln. Wir dürfen den Supermarkt erst betreten, als drei andere ihn verlassen. Begrenzte Personenanzahl im Geschäft. Und da denken wir Deutschen in unserem oft so seltsamen Selbstverständnis immer, wir hätten die Gewissenhaftigkeit mit Löffeln gefressen, und die Südländer hätten diesbezüglich eher nichts im Griff. Tja, so kann man sich täuschen. Dergleichen ist mir in Hameln und Hannover zumindest bisher nicht passiert. 

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Blue Swan 2020

Letzter Abend
“Here’s to you, das ist der BLUE SWAN 2020!” Ich reiche die Gläser aus unserer kleinen Kombüse an Deck. “Das ist Austrinken mit Stil!” Meine Bestandsaufnahme für den Abend ergibt Reste von Aperol und Gin, ziemlich viel Tonic und Fruchtsaft, Prosecco und literweise Milch. Gut, letztere kann ich nicht dazu kippen, aber aus den anderen Zutaten kreiere ich einen Cocktail, den ich nach unserem Boot benenne: Fruchtsaft, 2 cl Gin, ein Schuss Prosecco, ein Schuss Aperol, auffüllen mit Tonic und abrunden mit einem Spritzer frischen Safts einer selbst gepflückten Limette. Schmeckt!

Den ganzen Tag haben sich Schauer und dichte Wolken abgewechselt aber meine treue Wetter-App, die mir schon auf so vielen Gruppenreisen verlässlich gute Dienste geleistet hat, sagt einen sonnigen Abend voraus. Der Rest der Crew ist skeptisch. “Wartet es ab!”, sage ich. „Um 18 Uhr scheint die Sonne!“ In der Hoffnung darauf, dass ich richtig liege, steuern wir eine Bucht mit Aussicht nach Westen an und irgendwann nach 17 Uhr reißt der Himmel tatsächlich auf. Im strahlenden, warmen Sonnenschein tanzen wir ausgelassen an Deck, froh über dieses Geschenk eines unvergesslichen letzten Abends.

“Hab ich doch gesagt!”, klugscheiße ich rum. “Es scheint, als wollte die Sonne dir nicht widersprechen!”, sagt Peter und grinst mich an. Ich grinse zurück: “Genau. Das traut die sich nicht!” Weiterlesen „Blue Swan 2020“

Deko

Dienstag. „Und welche Aufgabe soll ich übernehmen“?, fragt David, als Linda und ich mit der Kamera und dem SUP-Bord ins Wasser gehen, um unser schönes Schiff vom Meer aus zu fotografieren. „Du bist die Deko!“, gibt Linda zurück und grinst.
Wir liegen in einem kleinen Hafen vor Anker und die Sonne ist zurück. Zu zweit auf dem Bord zu stehen ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit aber wir kommen klar und machen unsere Bilder mit David an der Reling. Der hat echt den passenden Namen!

Einen Tag zuvor, Montag
„Und ich Blödmanns-Gehilfe habe die SD-Karte für die GoPro zu Hause vergessen!“, ärgert sich David. Das hätte sicher gute Aufnahmen am Mast gegeben! Der angekündigte Wetterumschwung bringt uns bei 5 Windstärken mit mehr als 8 Knoten nach Paxos. Wir brausen in ziemlicher Schräglage, aber bei Sonnenschein, über die Wellen und segeln sportlich am Wind. Anfangs finde ich das noch richtig witzig. Als die Wellentäler immer tiefer werden wird es dem armen Laines aber zu viel und er ruft tapfer nach einer Tüte. DAS wiederum gibt auch mir den Rest. Soeben gelingt es mir noch zu beherzigen, dass man nie gegen den Wind spucken soll. Also springe ich hinüber nach Steuerbord, das regelmäßig unter die Wasserlinie fällt und lasse mich von Andreas am Schlafittchen festhalten, während ich mein Frühstück verabschiede. „Das ist Full-Service-Kotzen!“, ruft er mir aufmunternd zu. Beam me up, Scotty! Ich gehöre eindeutig ins Team der Schönwettersegler. Hätte ich mir ja irgendwie denken können. Ich kann ja nicht einmal im Musikexpress fahren und bei meinen bisherigen Segeltörns hatte ich irgendwie immer Glück mit dem Wetter. Weiterlesen „Deko“

Hellas

“Dann guck Dir halt das Elend an!”, sagt der beinahe neunjährige Laines, schiebt die Blende hoch, schaut mich bedauernd an und zuckt mit den Schultern.

Condorflug DE 1612 ist startklar und – wie immer – verfluche ich innerlich den Tag, an dem ich gebucht habe. Meine Flugangst (starten!) ist etwas lästig und übrigens auch wenig kompatibel mit meinem Job. Aber dies ist Urlaub – Segeln im Ionischen Meer rund um Korfu mit guten Freunden. Herrlich!
Ich bedanke mich trocken für den Zuspruch und erkläre dem aufgeweckten Burschen, dass die Sonnenblenden bei Start und Landung immer hochgeschoben sein müssen. „Warum?“, kommt die unweigerlich folgende Frage aller Neunjährigen dieser Galaxie wie aus der Pistole geschossen, und jetzt bin ich es, die mit den Schultern zuckt. „Keine Ahnung, Laini, aber warte ab, gleich kommt die Durchsage dazu. Das sagen sie immer!“

Uuuuund Schub.

Zwei Tage später
Als ich die Augen öffne, blicke ich durch die Dachluke meiner Koje auf ein Sternbild, das aussieht wie ein Drachen. Es ist das erste was ich heute sehe und es ist wunderschön. Ganz sanft schaukelt das Boot in der Bucht einer unbewohnten vorgelagerten Insel an der Südspitze von Korfu, wo wir gestern spätnachmittags festgemacht haben. Würden die Sterne nicht so hell erstrahlen, dann wäre es stockfinster. Es ist so friedlich und klar, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass heute noch dieser enorme Sturm aufzieht, der seit Tagen angesagt ist und uns ein wenig Sorgen macht. Bei 7-8 Windstärken und Gewitter müssen wir auf jeden Fall für die Nacht einen Hafen aufsuchen. Aber so konnte es ja auch nicht weitergehen! Weiterlesen „Hellas“

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