Tag 71, 11. September: Zen-Buddhismus

Der Zen-Meister begrüßt uns freundlich und wir nehmen in der Meditationshalle Platz. Eigentlich dauert eine Meditationsphase so lange, wie ein Räucherstäbchen braucht, um abzubrennen. Das bedeutet um 90 Minuten. Wir müssen heute nur 10 Minuten durchhalten und das fällt mir schon schwer genug. Die Sitzposition ist anstrengend und erinnert mich an meinen „Deep Work“ – Kurs bei Alpha in der Sport-Box. Für uns genügt ein normaler Schneidersitz, Rücken gerade, Becken vor, Kopf aufrecht und den Blick in zwei Meter Entfernung auf den Boden richten, die Augen halb geschlossen. Das ist aber nur die 08/15 – Ausgangsposition. Wenn Du es richtig machen willst, hebst Du die Zehen jetzt noch jeweils über das Knie und nun müssen beide Knie den Boden berühren. Die Hände liegen vor dem Bauch, die Linke in der Rechten und die Daumen berühren sich. Nun geht es darum, nichts zu denken, keinen Gedanken nachzuhängen. Die Konzentration gilt nur der Atmung. Laaaange ausatmen, bis alle Luft aus der Lunge entwichen ist, dann wieder einatmen. Und so weiter. Die Mönche tun das mehrere Stunden täglich und zwischendurch arbeiten sie, zum Beispiel im Garten.
Sinn der Medititaion ist grob gesagt, die Erleuchtung (Satori) zu erreichen, um unmögliche Aufgaben zu erfüllen. Ein bekanntes Beispiel einer solchen Aufgabe ist es zu beschreiben, wie das Klatschen mit nur einer Hand klingt. „Wenn man nicht mehr auf der Suche ist, ist man entweder tot oder Buddha“ sagt Ito-San.

Im Zen-Garten von Ryoanji ist die ganze komplexe Thematik minimalistisch dargestellt. Vielleicht 5 x 25 Meter misst der Steingarten und in einem Bett aus Kies liegen 15 Felsen, die zum Teil von Moos bedeckt sind, wie zufällig verstreut. 500 Jahre ist dieser berühmteste Zen-Garten der Welt alt und wirkt doch modern. Auf den ersten Blick sieht er schlicht aus, fast enttäuschend. Aber je länger ich hinschaue und Ito-San zuhöre, desto mehr Details erschließen sich mir. Von keinem Punkt aus kann ein Mensch den Garten ganz überblicken. Die Gedanken lassen sich an diesem Ort prima auf Reisen schicken und bestimmt wollte der unbekannte Mönch, der Architekt des Gartens war, genau das erreichen. Aber der Zen-Buddhismus bleibt für mich trotzdem ein Buch mit sieben Siegeln.
Steingarten Ryoanji

Über Mittag fahren wir in die Innenstadt und Ito-San hat Vorschläge für verschiedenste Japanische Spezialitätenrestaurants am Start. Sushi, Sashemi und Co. sind hoch im Kurs bei unseren Mitreisenden und als Abi uns vor einer all-you-can-eat-Pizza-Pasta-Bude beim Reiseleiter abmeldet schaut der etwas irritiert drein. Kommt wohl nicht zu häufig vor, dass Gäste die Chance auf lokale Spezialitäten sausen lassen. Hier sind wir Banausen:
Banausen

Wir sehen heute noch einen Shogun-Palast und den, oder vielmehr den japanischen Tempel schlechthin: Kinkakuji, den ich als heutiges Titelbild ausgwählt habe und der in keinem Bildband über Japan fehlt.

Und hier noch ein paar Bilder des Tages:

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