In Vino Veritas

Die Straße nach Ostia ist heute gesperrt. Die Umleitung kommt nicht infrage, zulässiges Gesamtgewicht sind so und so viele Tonnen. Könnte sein, dass wir die Grenze einhalten, aber seit gestern bin ich mir nicht mehr so sicher: Mittags drei Gänge, abends drei Gänge und dazu Wein und Grappa. Das wird sich auf der Waage übel rächen. Der Spaziergang durch die Ausgrabungen von Ostia Antica ist ein Genuss. Es duftet nach Frühlingsblumen und der gemächliche Wind in den Pinien bildet im Gleichklang mit zwitschernden Papageienvögeln ein friedliches Ensemble für die Sinne. Was für ein wohltuendes Kontrastprogramm zu den vatikanischen Museen das ist! Ich schalte heimlich mein Quatschefon aus, mein Gehirn ab und habe kein Problem damit mir vorzustellen, wie Menschen in Tuniken vor 2000 Jahren durch die schachbrettartig angelegte Ortschaft eilen. Nicht zum ersten Mal frage ich mich, wie die Welt nach der römischen Hochkultur nochmal für annähernd 1000 Jahre im Mittelalter versinken konnte. Andererseits: weiß ICH, wie ein Telefon funktioniert, oder ein Automotor? Am Rande vielleicht, aber natürlich könnte ich es nicht bauen. Würde ein Großteil der Weltbevölkerung von einer Katastrophe dahingerafft, mit meinen Kenntnissen könnte man wohl eher keine Stadt aufbauen oder ein Kommunikationsnetz errichten. Die Wahrheit ist, ich wäre schon ziemlich aufgeschmissen, wenn’s Internet aus wäre….

Auf andere Gruppen treffen wir heute in der Ausgrabung von Ostia nur an zwei Orten: in der Bar und bei der Latrine. Manche Dinge sind seit 2000 Jahren unverändert!

Abends treffen wir uns zum Aperitif auf der Dachterrasse von Zimmer 411 bei Kurt und Claudia. Ich wollt’s ja nicht glauben, als Claudia mir sagte sie haben eine schöne Terrasse, wo wir alle Platz hätten und gucke irgendwann mehr aus Pflichtgefühl vorbei. WAS ist bitte DAS??? Eine locker 50 qm große Terrasse mit Blick auf den Petersdom gehört zu ihrem Zimmer. Ich kann’s kaum glauben und habe natürlich ein bisschen Ramazotti für alle besorgt.

Am letzten Tag besuchen wir die Peterskirche noch vor dem Frühstück und tingeln den Rest des Tages mit Jeanette und im Reisebus durch die Albaner Berge. Wir probieren Frascati-Wein, schauen bei der Sommerresidenz der Päpste in Castel Gandolfo vorbei und in einer typischen Trattoria gibt es schließlich zum letzten Mal den Teller voll.

Burner auf dem Weg nach Hause: Im chaotischen Stadtverkehr von Rom parkt ein Fiat so frech auf der Straße, dass für unseren Bus kein Vorbeikommen ist. Busfahrer Maurizio flucht laut und mehrsprachig. Rüdiger, Kurt und Karlheinz machen schließlich kurzen Prozess und tragen die Karre aus dem Weg. Herzlich Willkommen im ganz normalen Chaos der italienischen Metropole.

Heute morgen plagen den ein oder anderen Kopfschmerzen. Wir warten auf unseren Abflug. Ganz schön viel passiert in den paar Tagen.

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