Ein Selbstversuch

Es ist 14 Uhr und ich habe Hunger. Was für ein Vormittag! Ich will einfach nur für 20 Minuten meine Ruhe haben und beschließe, das Smartphone auf dem Schreibtisch liegen zu lassen. Ich sitze also im Restaurant und warte auf mein Essen. Und sitze. Und warte. Was bis vor fünf Jahren selbstverständlich war, macht mich jetzt nervös: Wie gestalte ich die vor mir liegende Wartezeit? Immer wieder wandert meine Hand wie automatisch zur Tasche, aber da ist kein Smartphone. Himmel, kann ich nicht einmal mehr zehn Minuten lang nichts tun? Was habe ich denn früher in dieser Situation getan?? Nach wenigen Minuten gelingt es mir (zum Glück) noch, meine Gedanken auf die Reise zu schicken. Ich denke an unsere Bücher zu Hause und wie viele Buchstaben sie wohl enthalten? Ob man aus den Buchstaben, die sich in unserer Wohnung befinden, vielleicht alle Geschichten schreiben kann, die je geschrieben worden sind? Also 4000 Bücher sind es sicher, schätze ich. Jedes mit …vielleicht… 250 Seiten im Schnitt. Wenn auf jeder Seite durchschnittlich 1000 Buchstaben stehen, dann sind das immerhin… ähm, wie soll ich das jetzt bitte ohne Smartphone ausrechnen?
Eine Milliarde. Glaub ich. Jedenfalls kommt eine eins mit neun Nullen heraus. Ist das eine Milliarde? Was weiß ich. Ist ja auch egal. Viel wichtiger erscheint mir die Frage, welche Geschichte wohl die Buchstaben ergäben, die übrig sind, wenn man alle Geschichten geschrieben hat, die je geschrieben worden sind.

Du möchtest wissen, ob mir heiß ist? Ja, kann sein.

Mein Essen kommt!

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