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„Hier links, das ist der Flohmarkt“, spricht unser Grachtenboot-Captain ins Mikrofon, „da holen sich die Amsterdamer ihr geklautes Fahrrad für 20 Euro zurück. Wir nennen das Recycling!“ und erntet verdientermaßen viele Lacher.

Das ist nun also die Weltstadt Amsterdam. Aha. Ich sehe vor allem erstmal jede Menge Plastikmüll und viel zu viele Menschen. Auf zwei Rädern kommen sie aus allen Richtungen angebraust. Inzwischen glaube auch ich, dass Holländer mit einem kleinen Fahrrad unter dem Hintern geboren werden. ‚Fiets‘, wie Räder hier heißen, noch schöner ist der Name fürs Moped: Bromfiets. Brumm Brumm.

Weil es ein bisschen regnet, gehen wir ins Filmmuseum. Spektakulärer Bau, die permanente Ausstellung ist eher mau. Die Sonderausstellung über den niederländischen Filmemacher Alex van Warmerdam dafür schräg und absurd.

Wir nehmen morgens die Tram und fahren bis zur Rosengracht. In diesem Stadtviertel stehen vor allem Wohnhäuser und es gibt weniger Läden oder Cafés. Tatsächlich ist es hier viel beschaulicher als in den quirligen Einkaufsstraßen. Ein schöner Spaziergang führt uns bis zur Westerkerk mit Rembrandts Grab. Die Sonne steht am Vormittag ideal zum Fotografieren. Ich mache alle Bilder mit dem iPhone 8plus, weil ich keine Lust habe, die Canon zu schleppen. Heute werden es sicher 15 km zu Fuß.

Barzahlungen sind in dieser Stadt nicht üblich und an vielen Orten unmöglich. Wir wollen den Turm der protestantischen Kirche erklimmen, denn der Ausblick soll fantastisch sein. 8 € pro Nase kostet die Führung, Zahlung geht aber nur bargeldlos. >Keine EC- oder Kreditkarte, keine Turmbesteigung! Natürlich haben wir eine, aber es wäre mehr als ärgerlich, würde sie mit der Brieftasche im Hotelsafe liegen. Denn wir sind früh dran, schon wenige Minuten nach uns erteilt der junge Mann am Schalter Zeiten weit im Voraus für die nächste Besteigungsmöglichkeit. Die Personenzahl ist limitiert. Wie in Siena.

Die Besichtigung mit Erklärungen über die Baugeschichte und das Geläut dauert dreißig Minuten, die Treppenstufen sind steil und eng. Aber die Aussicht ist wirklich große Klasse:

Eine Entscheidung steht an. Nemo oder Schifffahrtsmuseum? Das Science-Museum soll spitze sein, aber wir entscheiden uns für die Schiffe. Vom Nemo inspizieren wir heute immerhin die Rooftop Bar und trinken eine Cola. 25 Wespen gefällt das 👍🏿

Ein Erlebnis für sich ist das Einschließen der Rucksäcke im Schiff-Museum. Schon alleine dafür lohnt sich der Besuch. Echt spacey!

Alte Seekarten und Atlanten stellen sie hier aus, auch Sextanten (nebst Erklärung, wie die zu benutzen sind) bis hin zu Animationen über moderne Schiffsnavigation. Toll! Ich mag ja auch die alten Gemälde von Seeschlachten. Findest du alles hier im Museum.

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In den wenigen Stunden, die wir in dieser Stadt verbringen, werden wir schließlich noch Zeuge eines Unfalls mit Fahrradbeteiligung. Das scheint fast unvermeidlich, so wie die hier fahren.

In Rembrandts Wohnhaus sind etliche Zeichnungen des Meisters ausgestellt, die Alltagsszenen im 17. Jahrhundert zeigen. Weil sie so lebensecht sind, erscheinen mir die Bilder wie Fotografien aus einer längst vergangenen Zeit. I like!

Tipps von Maren

  • Die Glocken der Westerkerk werden jeden Dienstag mittags um 13 Uhr für eine Stunde mit moderner Popmusik bespielt. Einfach an die Gracht setzen und zuhören.
  • wie oben erwähnt: Amsterdam nicht ohne Kreditkarte oder EC Karte!
  • mit dem Auto: Anreise bis Amersfoort und eine Übernachtung im Mercure Hotel. Das Auto in der zugehörigen Parkgarage abstellen. Die Altstadt ist in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen und bildhübsch – so etwas wie Amsterdam „light“ und ohne Touristen. Mit dem IC (Bahnhof wenige Minuten vom Mercure) geht es in 25 Minuten bis Amsterdam Centraal (37 € hin und zurück für 2 Personen, Fahrkarte vorab besorgen, ohne Barcode kein Zugang zum Bahnhof!). Nach 2-3 Nächten in Amsterdam gibt’s dann vom Mercure Hotel eine Ausfahrkarte für’s Parkhaus nebenan für 7 €. Parken in Amsterdam hätte 50 € und mehr pro Nacht gekostet! Schlimmer noch als das Geld ist aber die Verkehrssituation mit den Tausenden Rädern in hoher Geschwindigkeit aus allen Richtungen. Da würde ich eher den Ngorongorokrater runter fahren, als einen Kilometer in Amsterdam!
  • Abendessen: Maenaam Thai – ein Gedicht!
  • Übernachten: Hotel La Bohème macht einen guten Eindruck. Unseres (Europa 92) war nix. Da bin ich Opfer meiner eigenen Gier geworden, weil ich die 10.000 Meilen haben wollte, die es bei Buchung dazu gab. Anstatt mein Gehirn auf „on“ zu stellen: Wenn ein Hotel in der Hauptsaison etwas zu verschenken hat, dann hat das einen Grund….

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