Hennslers schnelle Nummer

„Ein Tansanier, der etwas auf sich hält, muss im Leben ein Haus in seiner Heimat bauen!“ sagt Corina, als wir die Pare-Berge ansteuern. Dort, in einem Dorf namens Usangi, ist ihr Mann Seif geboren und zur Grundschule gegangen und meine Freunde haben die seltsam ruhige Zeit der Pandemie genutzt, um diesen Herzenswunsch Seifs endlich zu erfüllen und das kleine Häuschen fertigzustellen.

Diese Gegend im Grenzgebiet zu Kenia östlich des Kilimandscharo ist vom Tourismus vollkommen unberührt. Die berühmten Nationalparks sind weit weg, hier gibt es auch keine wilden Tiere. Stattdessen erleben wir das wahre Afrika mit seinen so umwerfend freundlichen Menschen, bunten Märkten und dieses nur scheinbare Chaos in den Dörfern, wo aber doch jeder und alles einem Plan zu folgen scheint, der sich dem Besucher auf den ersten Blick nicht erschließen will. Wer kauft all diese Tomaten und Zwiebeln? – frage ich mich, als wir Kilometer um Kilometer Buden am Straßenrand passieren, wo bunt gekleidete Mamas (das ist die höfliche Anrede für eine Frau im Tansania) geduldig hinter ihren Auslagen sitzen und auf Kundschaft warten.

Die Gegend ist regenreich und fruchtbar, das Land ernährt seine Bevölkerung. Auf dem Markt gibt es einfach alles: Früchte, Gemüse, sogar Fisch, Schuhe, Zahnpasta, Töpfe… laute Musik schallt aus dröhnenden Lautsprechern und weil wir hier eine Attraktion sind, sind wir es, die kichernd fotografiert werden. Nie ungefragt, übrigens.

Am Nachmittag unternehmen wir eine lange Wanderung durch die umgegeben Hügel und Dörfer. Als ein Pärchen meine Kamera entdeckt rufen sie von weitem „pitscha pitscha!“ Ich soll sie fotografieren – na dann 🙂 gut sehen sie aus!

Weil Corina fließend Suaheli spricht kommen wir dauernd mit Hinz und Kunz ins Gespräch, denn wirklich niemand geht an uns vorbei ohne einen freundlichen Gruß zuzurufen. „Karibu! Mambo vipi?“ – Willkommen, wie geht’s?

Das hübsche Häuschen ist mit in der hiesigen Tischlerei nach Corinas Wunsch gebauten Holzmöbeln liebevoll ausgestattet. Nur die Sache mit dem hängenden Bücherregal wollte der lokale Fundi (so bezeichnet man hier diese Universalgenie-Handwerker, die einfach alles können) nicht verstehen. Warum sollte man ein Regal von der Decke hängen lassen, wo es doch so viel einfacher wäre…. „Schon in meiner Studentenbude hatte ich ein hängendes Regal und ich möchte Dich bitten, mir wieder eins zu bauen!“ Schulterzuckernd habe er’s schließlich hingenommen, berichtet Corina, und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Ich bin überzeugt, dass es Kunden für diese hübsche Gegend gibt, vor oder nach einer Safari, einfach ein bisschen wandern und das unverfälschte Afrika erleben. Dafür lernt die liebe Joyce, weitläufige Verwandtschaft von Seif und Köchin des Anwesens, wenn es vermietet wird, mit uns in diesen Tagen ein paar Gerichte, die Europäern schmecken. Als sie Salat essen soll, verzieht sie ungläubig das Gesicht und führt schließlich mit spitzen Fingern ein einzelnes Blatt an den Mund. Das essen hier nur Ziegen und Schafe!

Wir kochen Rote Bete-Salat, Blumenkohl mit Semmelbröseln, Rosmarin und Knoblauch, Hühnchen mit Sauce und weitere leckere Kleinigkeiten, außerdem Suppen, vornehmlich aus dem Rezeptbuch von Steffen Hennsler. Als ich eine rohe Tomate esse, will sie sich kaum noch einkriegen. Das würde kein Tansanier je freiwillig essen. Als Suppe, als Sauce, aber niemals pur!

Und so feiern wir grandiose Stunden der Verständigung ohne viele Worte, da Joyce nur Suaheli spricht.

Aber Worte brauchen wir auch gar nicht, denn:

Impressionen aus Usangi

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