Piano Man

Das Gewitter, das sich gestern Nachmittag über Mikumi zusammengebraut hat, ist heute Nacht wie ein Inferno über uns hereingebrochen. Das Vuma Hills Tented Camp besteht aus auf Stelzen stehenden riesigen und komfortablen Safarizelten mit Holzfussboden, großem Bad und wunderschöner Aussicht über die weite Savanne, auch vom Bett aus, weil man die Zelte vorne nicht blickdicht zu verschließen braucht. Außer den hier lebenden zuckersüßen Buschbabys (das sind diese Tiere, die Grzimek immer auf der Schulter hatte) kann niemand hineinschauen.

Kurz nach Mitternacht sitze ich kerzengerade im Bett. Das hat ja vielleicht gerade gescheppert! Blitze zucken in kurzen Abständen durch den rabenschwarzen Himmel. Irgendwas oder irgendwer klettert über mein Dach. Tapp tapp tapp. Und dann beginnt es zu schütten. Stundenlang und wie aus Kübeln. Ein Regen, wie man ihn nur in den Tropen kennt. Die gute Nachricht ist, dass das Dach hält. Die schlechte, dass mich meine 25 Tsetsefliegenstiche, wach wie ich nun bin, beinahe um den Verstand bringen. Ich bin nach wie vor die einzige in der Gruppe mit Stichen. Was genau willst du mir eigentlich damit sagen, Schicksal? Sprich! Ich mach’s, ich schwöre! „Piano Man“ weiterlesen

Zwischentöne

“Wenn du noch einmal in Tansania- Reiseunterlagen schreibst, dass es im Land ‘empfindlich kalt’ werden kann, dann komme ich nach Hannover und streiche Dir das durch!” sagt Ute, kriegt sich kaum wieder ein und ergänzt: “Ich finde, heute ist es ganz besonders frisch! Wenn du wüsstest, was ich für Polten in meiner Reisetasche habe: ‘ne lange Schlafanzughose zum Beispiel!” Und Ute lacht. “Weisste, Maren, das ist echt so eine ganz spezielle Formulierung! Empfindlich kalt.”

Tatsache ist, dass wir in eine ziemliche Hitzewelle geraten sind. Die ergiebigen frühen Regenfälle der vergangenen vier Wochen tun ihr Übriges, um ein feucht-heißes Klima zu schaffen. Meine Gedanken wandern unterdessen zurück zu etlichen eisigen Nächten im Camp am Ngorongoro und in der Serengeti. Zu den freundlich zugedachten Wärmflaschen und zum morgendlichen Raureif, der die ohnehin schon unbeschreiblich schöne Landschaft mit Glitzer bestreut. Zu der Überwindung die es kostet, sich das bereitgestellte Eiswasser morgens ins Gesicht zu kippen (und nur dahin..!) Loving memories!

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Selous

Die Wette, welches Großtier wir zuerst sehen, gewinne ich bei weitem nicht. Ich muss sogar sehr lange auf meine Lieblinge warten, die “Pundamilias” auf Suaheli, was so viel heißt wie ‘Esel mit Streifen’. Von allen wilden Tieren Afrikas sind mir die Zebras die allerliebsten.

Die Topographie der Landschaft ist einmalig schön. Savanne mit Schirmakazien so weit das Auge reicht. Ein Paradies für Giraffen, denen es mit ihren langen Zungen gelingt, die grünen Blätter zwischen den monströsen Dornen herauszulösen, um sie zu vertilgen. Ich habe noch niemals so viele Giraffen auf einem Haufen gesehen wie hier. Alle paar hundert Meter steht ein Exemplar wiederkäuend in der Gegend herum und schaut den Safarifahrzeugen mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier beim Passieren zu. Halten wir zum Fotografieren, dann gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten: entweder läuft die Twiga, wie sie hier genannt wird, im berühmten Slowmotion-Tempo davon oder das Posen beginnt. Dazu werden die langen Wimpern aufgeschlagen, der Kopf leicht geneigt, sich eventuell nochmal gedreht. Es sieht einfach herrlich aus.

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Don’t panic!

„Romms!“ macht es kurz hinter Dar Es Salaam. Und dann nochmal. Dann steht die Kiste still und schweigt beharrlich. Wir haben sozusagen ein Rad ab. Hinten rechts sind Schrauben in der Aufhängung gebrochen und liegen unterm Auto. Was dann passiert ist eben Afrika: in kürzester Zeit lungern 25 Kinder im Abstand von 10 Metern um uns herum und machen es sich erst einmal bequem. Da wird gekichert und gegrinst, aber auch auf ihre eigene Weise Mitgefühl ausgedrückt. In erster Linie sind wir aber eine Attraktion. Keine fünf Minuten dauert es, bis ein Mechaniker auf dem Fahrrad anrückt und sich an die Arbeit macht. Reifen runter, die ganze (Felge? Radlager? Na, das eben) wird aufgeschraubt und die Einzelteile werden am Straßenrand sortiert und gestapelt.

„Hakuna Matata, Maren, geht ganz schnell, ein paar Minuten!“ sagt mein Guide und Fahrer Rama (der, wie sich noch herausstellen wird, ein Superstar ist, dazu später mehr). Ein paar tansanische Minuten. Alles klar. Ich rechne vorsichtig mit 2 Stunden und das ist hart, denn ich habe seit 48 Stunden kaum geschlafen, mir ist heiss – hier am indischen Ozean sind irgendwas über 30 bei höchster Luftfeuchtigkeit – und es sind noch mindestens 4 Stunden reine Fahrzeit bis zur Lodge. Das geht ja gut los! „Don’t panic!“ weiterlesen

Die letzten Tage von Selous?

Selous, das ist das größte zusammenhängende Wildschutzgebiet in Afrika und liegt im Süden von Tansania. Zusammen mit den angrenzenden Udzungwa Mountains und dem Mikumi Nationalpark ist das Ökosystem zweimal so groß wie die Schweiz. Man muss sich um Selous sorgen, denn der Präsident Tansanias strebt zur Energiegewinnung den Bau eines enormen Staudamms an. Tatsächlich kann man schon nicht mehr von einer Planungsphase sprechen, die Bauarbeiten werden bald beginnen. Wenngleich nur weniger als 5 % der Fläche permanent überschwemmt sein werden, so ist der Eingriff in die Natur massiv. Alte Wanderrouten werden unpassierbar sein. Strom für alle oder Naturschutz? Es ist schade, dass das im Jahr 2019 immer noch eine entweder/oder – Frage ist. Wer Selous noch im Ursprungszustand erleben möchte, muss es bald tun.

Wer spontan Lust hat mich zu begleiten, ein paar Plätze sind noch frei: https://www.uestra-reisen.de/gruppenreisen/aktuelles-programm/suedtansania/

Dan

Die sandigen Straßen von Dar Es Salaam sind um diese Jahreszeit in katastrophalem Zustand. Dani hüpft über alle Pfützen hinweg während Mary in ihren Lackschühchen anmutig wie eine Königin durch den Schlamm spaziert und dabei aussieht wie geleckt. Auntie Maren, wie ich hier von jedem genannt werde, kämpft sich unterdessen in Sneakers und Jeans tapfer hinterher und sieht am Ende aus wie ein Ferkel. Das war schon immer so und wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Meine Freundin Kathi kam schon als Kind am Ende eines abenteuerlichen nachmittags tadellos in Schuss aus dem Bach geklettert, während an mir alles eingesaut war.

Danis großer Tag beginnt mit einer Überraschung für mich. Na sowas! Bei Marys Schwester zu Hause machen die beiden mir die Haare auf afrikanische Art. Oha. Spontan erinnere ich mich an einen gewissen Friseursalon in Papeete. Aber Marys Schwester macht das professionell und ich freue mich wirklich sehr über die Geste. „Dan“ weiterlesen

DAR

,Jetzt aber flott‘ heißt es am kleinen Flughafen von Arusha, als ich mit Wilson nach Dar Es Salaam fliegen will. ‚You are late‘.

Die kleine Cessna ist ausgebucht und wir nehmen direkt hinter den Piloten Platz. ‚Maren, die Jungs können alle fliegen‘ habe ich die Worte eines lieben und flugkundigen Reisegenossens im Ohr. Wenn er das sagt. Na gut.

Die Landschaft ist auch aus der Vogelperspektive herrlich grün und Wilson tippt mich an ‚Schau, Kilimandscharo‘. Hach. Hinter vielen Wolken zwar, aber die Spitze ist zu sehen. Er hat wahnsinnig viel Schnee dieser Tage, kein Wunder bei dem Niederschlag der letzten Wochen. „DAR“ weiterlesen

Der Pavian von heute trägt Adidas

Immer wieder hatte Wilson diese Sneakers von Adidas als Profilbild, ich konnte es quasi nicht übersehen und habe den Wink mit dem Zaunpfahl irgendwann angenommen. Das war dann ein Spaß, als wir uns zum Shopping auf whats App verabredet haben! So war ich also vor einigen Wochen im Outlet und habe Dutzende Turnschuhe fotografiert und über den Äther nach Tansania geschickt. Ein schwarzes, relativ unauffälliges Paar sollte es schließlich sein. Adidas. Und Wilson grinste wie ein Honigkuchenpferd in die Kamera. For those who like that sort of thing… 😉 „Der Pavian von heute trägt Adidas“ weiterlesen

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