Anreise mit Hindernissen

Vor ungefähr vier Wochen habe ich beschlossen, dass ich nach Ende des Corona-Lockdowns nach Afrika reisen will. Aber auch für einen alten Hasen der Touristikbranche wie mich gestaltete sich dieses Unterfangen durchaus schwierig. Also, nicht für den Teil in Tansania! Da war ganz schnell alles klar. Corina, Inhaberin unserer örtlichen Agentur, freut sich über Besuch und hat ein wundervolles Programm gebastelt.

Aber erst einmal hinkommen!

Eigentlich wollte ich heute mit meiner Mutter nach Zanzibar fliegen und hatte auch ein Ticket mit Turkish Airlines. Doch haben Mary, meine Freundin in Afrika und Mutter meines Patenkinds Daniel, und ich gemeinsam entschieden, dass das nicht geht. Es wäre unmöglich gewesen, die Kinder auf Abstand zu halten. Früher oder später wäre jemand auf meinem Schoß gelandet und man weiß ja einfach nicht, ob man selbst Überträger ist! Jedenfalls wäre ich meines Lebens nicht mehr froh geworden, wenn ich sie angesteckt hätte.

Stattdessen also Safari! Serengeti, Ngorongoro, Great Rift Valley. Keine so schlechte Alternative, und unter Erwachsenen ist jede gebotene Abstandsregel in Tansania ebenso gut einzuhalten wie in Grömitz oder Mallorca.

Ich will also mein TK-Ticket von Sansibar nach Kilimandscharo International (JRO) umbuchen. Es gibt nur leider keinen Flugplan. Und so war das: Weiterlesen „Anreise mit Hindernissen“

Reisen in Zeiten von Corona

Versuch einer Auseinandersetzung

Ich fliege am Freitag nach Tansania. Ehrlich gesagt mache ich mir überhaupt keine Sorgen um mich selbst. Meine einzige Sorge gilt den Menschen in Tansania. Als eins der wenigen Länder auf der Fernstrecke hat Tansania zum 1.6. seine Grenze geöffnet und hofft auf eine schnelle Rückkehr zur Safari-Normalität. Das Land ist wirtschaftlich abhängig vom Tourismus, und nicht nur dieses Land: Wenn Tansanias Wirtschaft kollabiert folgt eine Kettenreaktion, dann sind abhängige Nachbarländer direkt und womöglich noch viel schlimmer betroffen. Denn Tansania, mit seiner reichen, fruchtbaren Erde und den verlässlichen Regenmengen, produziert und exportiert Lebensmittel für viele Anrainerstaaten. Ist es also das Risiko wert, Menschen aus aller Welt wieder einreisen zu lassen, die möglicherweise ein Virus im Gepäck haben, das einzudämmen mit den vorhandenen Strukturen im Gesundheitswesen kaum gelingen kann? Weiterlesen „Reisen in Zeiten von Corona“

Schneckenhaus

Kennt Ihr das? Ich liebe Reise-Song-Playlists, weil man sie nach Rückkehr nur einzuschalten braucht, um sich mental umgehend wieder in der Welt einzufinden, die für die Dauer des Trips eine andere war. Das gilt in meinem Fall ganz besonders für Tansania. Ich fühle mich zurzeit wie Tom Hanks in „Cast away“. Lichtschalter an. Lichtschalter aus. Warum eigentlich?

Mein Telefon klingelt Sturm, Nachrichten häufen sich. „Willkommen zurück, wie war’s?“ Und dann stehe ich da und möchte fragen: Wie viel Zeit hast Du? Denn mit einer kurzen Antwort kann ich nicht dienen. Ich erinnere mich, wie mein Vater mir einst erzählt hat, dass die französischen Freimaurer auf ein Buch mit 1000 weißen Seiten schwören. „Auf alles und auf nichts, Maren!“ Ich glaube, etwas in dieser Richtung käme meiner Antwort auf die Frage darauf wie „es“ war noch am nächsten.

„Du musst aber schon noch von den letzten Tagen berichten, Maren!“, ruft mir trotzdem jemand durchs Telefon zu. Is that so? Weiterlesen „Schneckenhaus“

Alles mit G

Drei mal habe mich mir gestern Abend den Mund ausgespült!” sagt Heinrich und grinst. “Das Licht ging mal wieder aus und da habe ich meine Zähne aus Versehen mit Rei in der Tube geputzt! Was Urda da aber auch wieder gemacht hat. Waschmittel in meiner Kulturtasche, oah nee!”

Ich kann Euch sagen, hier ist was los!

Besonders verschärft ist auch das von mir so getaufte ‚Eichhörnchen‘ in meinem Auto. Sie reist zum ersten Mal mit mir, ist keck, liebenswert und naseweis, ein ruheloser Irrwisch und zum ersten Mal in Afrika. Sie freut sich über jedes Tier und lacht den ganzen Tag. Außerdem ist sie neben Caro Deidert und mir der jetzt dritte Mensch, den ich kenne, der Hape Kerkelings “Club las Piranhas” mitsprechen kann:

“Maren, hier, die Szene wo sie ankommen und die besoffene Hotelmanagarin den dicken Jungen in die Wange kneift und fragt, “Na, haste Hunger? – Gibt aber nix mehr!”” Weiterlesen „Alles mit G“

Piano Man

Das Gewitter, das sich gestern Nachmittag über Mikumi zusammengebraut hat, ist heute Nacht wie ein Inferno über uns hereingebrochen. Das Vuma Hills Tented Camp besteht aus auf Stelzen stehenden riesigen und komfortablen Safarizelten mit Holzfussboden, großem Bad und wunderschöner Aussicht über die weite Savanne, auch vom Bett aus, weil man die Zelte vorne nicht blickdicht zu verschließen braucht. Außer den hier lebenden zuckersüßen Buschbabys (das sind diese Tiere, die Grzimek immer auf der Schulter hatte) kann niemand hineinschauen.

Kurz nach Mitternacht sitze ich kerzengerade im Bett. Das hat ja vielleicht gerade gescheppert! Blitze zucken in kurzen Abständen durch den rabenschwarzen Himmel. Irgendwas oder irgendwer klettert über mein Dach. Tapp tapp tapp. Und dann beginnt es zu schütten. Stundenlang und wie aus Kübeln. Ein Regen, wie man ihn nur in den Tropen kennt. Die gute Nachricht ist, dass das Dach hält. Die schlechte, dass mich meine 25 Tsetsefliegenstiche, wach wie ich nun bin, beinahe um den Verstand bringen. Ich bin nach wie vor die einzige in der Gruppe mit Stichen. Was genau willst du mir eigentlich damit sagen, Schicksal? Sprich! Ich mach’s, ich schwöre! Weiterlesen „Piano Man“

Zwischentöne

“Wenn du noch einmal in Tansania- Reiseunterlagen schreibst, dass es im Land ‘empfindlich kalt’ werden kann, dann komme ich nach Hannover und streiche Dir das durch!” sagt Ute, kriegt sich kaum wieder ein und ergänzt: “Ich finde, heute ist es ganz besonders frisch! Wenn du wüsstest, was ich für Polten in meiner Reisetasche habe: ‘ne lange Schlafanzughose zum Beispiel!” Und Ute lacht. “Weisste, Maren, das ist echt so eine ganz spezielle Formulierung! Empfindlich kalt.”

Tatsache ist, dass wir in eine ziemliche Hitzewelle geraten sind. Die ergiebigen frühen Regenfälle der vergangenen vier Wochen tun ihr Übriges, um ein feucht-heißes Klima zu schaffen. Meine Gedanken wandern unterdessen zurück zu etlichen eisigen Nächten im Camp am Ngorongoro und in der Serengeti. Zu den freundlich zugedachten Wärmflaschen und zum morgendlichen Raureif, der die ohnehin schon unbeschreiblich schöne Landschaft mit Glitzer bestreut. Zu der Überwindung die es kostet, sich das bereitgestellte Eiswasser morgens ins Gesicht zu kippen (und nur dahin..!) Loving memories!

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Selous

Die Wette, welches Großtier wir zuerst sehen, gewinne ich bei weitem nicht. Ich muss sogar sehr lange auf meine Lieblinge warten, die “Pundamilias” auf Suaheli, was so viel heißt wie ‘Esel mit Streifen’. Von allen wilden Tieren Afrikas sind mir die Zebras die allerliebsten.

Die Topographie der Landschaft ist einmalig schön. Savanne mit Schirmakazien so weit das Auge reicht. Ein Paradies für Giraffen, denen es mit ihren langen Zungen gelingt, die grünen Blätter zwischen den monströsen Dornen herauszulösen, um sie zu vertilgen. Ich habe noch niemals so viele Giraffen auf einem Haufen gesehen wie hier. Alle paar hundert Meter steht ein Exemplar wiederkäuend in der Gegend herum und schaut den Safarifahrzeugen mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier beim Passieren zu. Halten wir zum Fotografieren, dann gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten: entweder läuft die Twiga, wie sie hier genannt wird, im berühmten Slowmotion-Tempo davon oder das Posen beginnt. Dazu werden die langen Wimpern aufgeschlagen, der Kopf leicht geneigt, sich eventuell nochmal gedreht. Es sieht einfach herrlich aus.

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Don’t panic!

„Romms!“ macht es kurz hinter Dar Es Salaam. Und dann nochmal. Dann steht die Kiste still und schweigt beharrlich. Wir haben sozusagen ein Rad ab. Hinten rechts sind Schrauben in der Aufhängung gebrochen und liegen unterm Auto. Was dann passiert ist eben Afrika: in kürzester Zeit lungern 25 Kinder im Abstand von 10 Metern um uns herum und machen es sich erst einmal bequem. Da wird gekichert und gegrinst, aber auch auf ihre eigene Weise Mitgefühl ausgedrückt. In erster Linie sind wir aber eine Attraktion. Keine fünf Minuten dauert es, bis ein Mechaniker auf dem Fahrrad anrückt und sich an die Arbeit macht. Reifen runter, die ganze (Felge? Radlager? Na, das eben) wird aufgeschraubt und die Einzelteile werden am Straßenrand sortiert und gestapelt.

„Hakuna Matata, Maren, geht ganz schnell, ein paar Minuten!“ sagt mein Guide und Fahrer Rama (der, wie sich noch herausstellen wird, ein Superstar ist, dazu später mehr). Ein paar tansanische Minuten. Alles klar. Ich rechne vorsichtig mit 2 Stunden und das ist hart, denn ich habe seit 48 Stunden kaum geschlafen, mir ist heiss – hier am indischen Ozean sind irgendwas über 30 bei höchster Luftfeuchtigkeit – und es sind noch mindestens 4 Stunden reine Fahrzeit bis zur Lodge. Das geht ja gut los! Weiterlesen „Don’t panic!“

Die letzten Tage von Selous?

Selous, das ist das größte zusammenhängende Wildschutzgebiet in Afrika und liegt im Süden von Tansania. Zusammen mit den angrenzenden Udzungwa Mountains und dem Mikumi Nationalpark ist das Ökosystem zweimal so groß wie die Schweiz. Man muss sich um Selous sorgen, denn der Präsident Tansanias strebt zur Energiegewinnung den Bau eines enormen Staudamms an. Tatsächlich kann man schon nicht mehr von einer Planungsphase sprechen, die Bauarbeiten werden bald beginnen. Wenngleich nur weniger als 5 % der Fläche permanent überschwemmt sein werden, so ist der Eingriff in die Natur massiv. Alte Wanderrouten werden unpassierbar sein. Strom für alle oder Naturschutz? Es ist schade, dass das im Jahr 2019 immer noch eine entweder/oder – Frage ist. Wer Selous noch im Ursprungszustand erleben möchte, muss es bald tun.

Wer spontan Lust hat mich zu begleiten, ein paar Plätze sind noch frei: https://www.uestra-reisen.de/gruppenreisen/aktuelles-programm/suedtansania/

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